Butterbrot vom Aussterben bedroht

Ich bin sehr froh darüber, zum Beispiel nicht in Schweden oder Dänemark zu leben. Sicher ist es da schön. Und die Leute sind nett und freundlich und natürlich hat vieles dort seinen Reiz und angenehme Seiten. Aber das Brot dort. Nein, dieses Brot….!

Um Brot zu backen, dafür sind die wenigsten Skandinavier geboren. Wobei es in großen Teilen der Welt kaum besser damit aussieht.

Schlaue deutsche Bäcker, die ausgewandert sind, können in der Fremde sehr erfolgreich sein, denn deutsches Brot, von dem nicht nur Auswanderer in aller Welt schwärmen, ist fast weltmeisterlich.

Allerdings ist es, wie so vieles in unseren Tagen, seit Jahren in ernsthafter Gefahr. Die Produkte aus der ehemals heimeligen Backstube kommen heute aus der Fabrik und werden unter einem enormen Preisdruck auf den Markt gebracht. Inzwischen gibt es kaum noch einen Discounter, der nicht einen lärmenden Backautomaten aufgestellt hat und seine eigenen Rohlinge für einen Bruchteil dessen verkauft, was eine kleine Bäckerei verlangen muss, die ihre Produkte noch selber herstellt.

Das ewige Gepiepse der Automaten, der seltsame Geruch, den sie ausströmen, der nur sehr entfernt an den Duft einer Bäckerei erinnert, gibt dem genervten Verbraucher am Ende des Tages beim Einkauf den Rest.

Dabei sind angeblich bereits an die 90 Prozent aller Brote, die in Deutschland verkauft werden, Industrieprodukte vom Fließband. Zum Glück leben wir in Franken bzw. in Nürnberg. Hier gibt es in einer kleinen Seitenstraße nahe des Hauptmarkts den Feinkost Schwarz.

Der Betrieb der Familie Schwarz existiert bereits seit 1923 und zählt zu den kleinen kulinarischen Institutionen in Nürnberg. Auch wenn die drei Geschwister, die den Betrieb heute noch führen, nicht mehr selber backen, sondern nach alter Tradition in kleinen Betrieben der Region backen lassen.

Gut 30 verschiedene Landbrot-Spezialitäten stehen hier in den Regalen. Wenn man rechtzeitig da ist! Ein Besuch empfiehlt sich am Vormittag. Ob Affalterbacher Steinofen- oder Sappelbrot, Solnhofer, Pflügsmühler, Neunhofer Gewürzbrot, Fränkischer Kümmellaib, oder das Schnaittacher Krustenbrot und viele andere – die Regale sind schnell leer gekauft.

Wer weitab der fränkischen Metroploe wohnt, und nur noch Industrie-Brot zu kaufen bekommt, denkt vielleicht bereits darüber nach, sein Brot bald selbst zu backen. Beste Möglichkeiten eröffnen sich Besitzern moderner Brotbackautomaten. Egal ob Hefe oder Sauerteig, diesen Küchenmaschinen kann man am Abend die gewünschten Zutaten übergeben, die Zeitschaltuhr einstellen, und schon schwupps hat man zum Frühstück fertig gebackenes Brot.

Aber zurück nach Dänemark: Wie mir Frau Schwarz kürzlich erzählt hat, gibt es mindestens einen Dänen, der einmal im Jahr vor ihren Laden fährt, sich 7-8 Laibe Brot in den Kofferraum packt und mit dieser Beute wieder in den hohen Norden düst. Wahrscheinlich um den langen Winter im Wikingerland genussvoll überstehen zu können! Und das seit Jahren. Da sieht man mal, wie groß die Not dort ist.

Sozusagen den Grundstein zu dieser Geschichte, also zum Thema Brot hat Heike in ihrem Blog gelegt, die schon im September dazu aufrief, Rezepte und Geschichten zum Thema Butterbrot bei ihr abzuliefern.

Da ich inzwischen nicht mehr zu den jüngsten Mitbürgern zähle, reichen meine Erinnerungen naturgemäß weit zurück. Und so sind meine Lieblings-Erinnerungen an Butterbrot mit einer meiner Omas verbunden, bei der ich mit meiner Schwester viele Ferien in Burgthann im Nürnberger Land verbracht habe.


Brotschneiden ohne Maschine. So wurde das einst gemacht.

Dort gab es immer frisches Brot direkt vom Laib, was damals noch mit dem Messer abgesäbelt wurde, wie hier auf dem Bild oben zu sehen ist. Und da meine Oma nicht mit Reichtümern gesegnet war, bekamen wir selbstverständlich nicht immer Wurst, Marmelade, Schnittlauch oder Käse auf das Butterbrot, sondern öfter auch mal einfach einen Löffel Zucker! – Was war das für ein Genuss!

Ein richtiger Festtag war für uns aber die gute alte Eszet-Schnitte auf dem Butterbrot. Ob es damals bereits mehrere Sorten gab, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich vermute aber es gab nur die blaue Packung mit den dünnen Vollmilch-Täfelchen, die als Belag für Brötchen oder Brot gedacht waren. Heute ist das Sortiment beträchtlich erweitert. Es gibt die Geschmacksrichtungen Vollmilch, Haselnuss, Zartbitter und neuerdings sogar weiße Schokolade.


Eine Kindheitserinnerung mit Genuss. Eszet-Schnitten auf Butterbrot


Haselnuss, Vollmilch, Zartbitter und nun auch als Weiße Schokolade. Seit 1933 gibt es in manchen Haushalten Butterbrot mit Eszet-Schnitten.

Die Eszet-Schnitten kamen übrigens bereits 1933 erstmals auf den Markt. Seit dem Jahr 1975 werden sie vom heutigen Eigentümer Stollwerck hergestellt und unter der Marke Sarotti vertrieben. Aber das nur zur Info.

Das folgende, unaufgeregte Video erzählt davon, wieviel Brot und anderes Backwerk heute auf dem Müll landet. Früher sammelte man Altgebäck und machte daraus einfache Mahlzeiten für die ganze Familie. Wer das Video noch nicht kennt, sollte sich die knappen sieben Minuten Zeit nehmen um danach seine Schlüsse aus dem Gesehenen zu ziehen.

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21 Antworten : “Butterbrot vom Aussterben bedroht”

  1. Julia Bäcker sagt:

    Eine Eszet-Schnitte? Davon höre ich nun zum ersten mal… Ich weiß schon, was ich nachher noch einkaufen muss ;)

  2. Lars sagt:

    Die Eszet-Schnitte ist noch immer fester Bestandteil, wenn auch leider selten , da nicht immer verfügbar :-(
    Als Kind war die Eszet-Schnitte fast so selten wie Weihnachten. Meine Alternative ist Graubrot, leicht getostet, mit Butter und Nutella! Super lecker!!!

  3. Sabrina sagt:

    Hallo Peter!

    nun bin ich über mehrere Ecken auf deinen Blo gestoßen und habe gerade diesen Post gelesen. Er ist fantastisch geschrieben.

    Bei diesem Satz mußte ich allerdings sehr schmunzeln: “Zum Glück leben wir in Franken bzw. in Nürnberg.” Da tun doch die Franken alles daran klarzustellen dass sie Franken sind und keine Nürnberger und anders rum und dann kommst du *lach

    Liebe Grüße Sabrina, die in Rgbg sitzt uns sich erstmal weitere Posts von dir durchliest ;)

  4. Ninive sagt:

    Eszet-Schnitten gabs mal, vor vielen Jahren, mit Orangen- Geschmack, die waren lecker, auf Butterbrot! Ewig nicht mehr drangedacht! Das war noch vor dem “Datsch” = Laugenweckle mit Mohrenkopf drin. Danke fürs Erinnern!

  5. Ute Vance sagt:

    Fraenkisches Brot gibt es tatsaechlich nur in Deutschland.
    Nirgends auf der Welt gibt es so gutes Brot.
    Was man hier im Ausland am meisten vermisst ist immer das Brot (und vieleicht geraeucherte Wuerste, die gibt es hier auch nicht). Bei meinem naechsten Besuch in Deutschland muss ich unbedingt in Nurnberg zu dieser Baeckerei gehen und mir welches holen weil ich bei der Mama bin.
    Was ich wirklich brauche sind Anleitungen wie man so was hier in the Staaten selber machen kann, wie man selber einen Holzofen baut, so dass man richtiges Brot backen kann (wenn man ein Rezept findet).
    MMMMmmmmmhhhh!!!!!

    • Hallo Ute,
      ein gutes Brotrezept dürfte nicht so schwierig zu finden sein.
      Das mit dem Holzofen erscheint mir dann schon schwieriger.
      Vielleicht solltest Du es doch erstmal mit einem Brotbackautomaten
      versuchen.

  6. Sybille sagt:

    och…du erinnerst mich an meine geliebten Mohrenkopfwecken, die sind (waren) fast noch besser als Eszet-Schnitten.

    Mit schokoladigen Grüßen

  7. Tini sagt:

    Hmmm lecker. Das gute alte Butterbrot. Wie habe ich das bei meiner Oma geliebt. Frisches Landbrot mit Butter und Salz. Da kommen mir fast die Tränen.
    Die Eszet-Schnitten habe ich schon oft gesehen aber noch nie gekauft bzw. gegessen. Sind sie zu empfehlen?

  8. Millie20 sagt:

    Hallo lieber Peter,
    beim Lesen Deines Blogs, sind bei mir viele verschollene Gefühle hochgekommen. Anfang der 70er Jahre lebte ich in Frankfurt und war bei Bekannten eingeladen. Ich bekam die Aufgabe Brot zu schneiden (siehe oben wie früher, wie es in der Schweiz üblich war, halt so richtig rustikal), ein Aufschrei ging durch die Küche. Mir wurde gezeigt, wie man elegante 7mm dicke Scheiben auf der Maschine schneidet!
    P.S.: In Deutschland kümmert sich eine Webseite seit Jahren darum das Butterbrot vor dem Aussterben zu retten – mit Erfolg, denn auch ich bin ein richtiger Fan davon!!

    http://www.butterbrot.de/

  9. Wilde Henne sagt:

    Mein Grossvater – ehemals Bäckermeister – hat das Brot auch so geschnitten. Immer!
    Bei uns in der Schweiz gibt es ja zwei Zwischenmahlzeiten. Was bei euch «morgens um halb zehn in Deutschland ist», heisst bei uns «Znüni», die andere nachmittags um vier Uhr nennt man «Zvieri». Als ich Kind war, gab es zum Zvieri meistens ein Stück Brot und dazu einen Apfel. Und ganz selten, so alle zwei Monate einmal, noch ein «Reiheli» Schoggi dazu. Ich mochte als Kind Schoggi eigentlich nicht, aber die Kombi Brot (natürlich ohne Butter), Schoggi und vor allem Apfel dazu fand ich wunderbar.

    • Liebe Wilde Henne.
      Wie? Butterbrot ohne Butter? – Und Du mochtest keine Schoggi?
      Was warst Du nur für ein seltsames Kind ;-)

      Bei Apfel und Schokolade in Kombination wäre ich
      immer dabei. Sogar ohne Butterbrot!

      Mit leckerem Gruß, Peter

      • Wilde Henne sagt:

        Ich geb Dir recht, ich war ein seltsames Kind: Klein, rappeldürr, mit Brille auf der Nase, diese ständig in ein Buch gesteckt, wenn nicht lesend, dann zeichnend, besserwisserisch, leidenschaftlich gerne gegessen, schon immer – aber nichts Süsses. Dafür rohes Fleisch, rohe Leber und so’n Zeugs. Eigentlich ein Kind wie aus einem Horrorfilm.
        Glaub mir, mit mir hättest Du nicht befreundet sein wollen ;-)

        Aber es ist trotzdem was aus mir geworden. :-D

  10. Heike von Au sagt:

    Eszet-Schnitten, oh wie wunderbar!
    Das Brot schnitt die Oma gleich wie auf deinem Bild, an den Bauch gepresst. Eszet gab es nur bei den Nachbarskindern, bei uns höchstens mal ein wenig Kaba oder Ovomaltine auf die Butter gestäubt.
    Herrlich!

    • Das Brot so zu schneiden wie auf dem Bild zu sehen,
      ist heute bestimmt gar nicht mehr erlaubt.
      Und wenn das so ist, dann sicherlich zu recht.
      Das Verletzungsrisiko ist nicht zu verachten.
      Und echt: Kaba oder Ovomaltine aufs Butterbrot?
      Das kannte ich bisher noch nicht.

      Mit leckerem Gruß,
      Peter

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  1. Baiser. Sehr süß! Ein kulinarisches Brandzeichen - […] kulinarischen Brandzeichen setzte meine Oma damals gekonnt. Siehe auch meine Geschichte Butterbrot vom Aussterben […]

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