Das erste Ma(h)l – und das Soufflé


Bildnachweis: Rolf van Melis / pixelio.de

Nein, hier ist nicht von Sex die Rede. Ein neuer, sogenannter Blogevent, wartet auf meine Geschichte zum Thema “Das erste Ma(h)l”. Und natürlich soll sich alles ums Essen drehen.

Das ist doch einfach, dachte ich mir, als ich von dem Aufruf Natalies (pastasciutta.de) las, zu diesem Thema eine Geschichte zu liefern. Und eigentlich müssten alle Menschen, die darüber etwas schreiben, auf den gleichen Gedanken kommen.

Das erste Mahl war sicher die süße, warme Milch aus der Brust meiner damals jungen Mutter. Allein, davon zu berichten ist schwierig, denn obwohl fast jeder von uns bei so einem ersten Mahl dabei war, fehlt uns die Erinnerung daran komplett. Und eine Rezeptur dazu zu veröffentlich ist schon gleich ganz und gar unmöglich.

Zum Glück gibt es noch keine EU-Verordnung, die vorschreibt, dass an weiblichen Brüsten eine Inhaltsangabe befestigt werden muss, bevor man als Baby erstmals daraus trinken darf. Obwohl das den Amtsschimmelreitern in Brüssel durchaus zuzutrauen wäre.

Aber was stünde auch auf so einer Inhaltsangabe, was wir nicht ohnehin schon kennen? Jede Menge Wasser (87,2%), dazu Fett, Eiweiß, Spurenelemente, Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor und natürlich auch ein paar Kohlenhydrate.

In der heutigen Zeit ist die Muttermilch natürlich längst komplett analysiert und wurde jahrelang sogar verunglimpft, weil Spuren von Umweltgiften darin enthalten sein könnten. – Als sei es gesünder, an die Stelle der Muttermilch irgend ein Kunstprodukt der Lebensmittelindustrie zu setzen, das man schnell mit ein bisschen Wasser anrührt . . . .

Mein zweites erstes Mahl erlebte ich zweifellos als etwa neunjähriger Knirps in der katholischen Apostel-Paulus-Kirche an meinem damaligen Wohnort. Die  Oblate, die mir an dem Sonntag als meine erste Kommunion  stattfand, vom Pfarrer mit den Worten “der Leib Christi” auf die Zunge gelegt wurde, blieb mir gleich am Gaumen hängen und sorgte in mir für noch größere Aufregung, als es die ganze uralte Zeremonie der katholischen Kirche ohnehin vermochte.

Die Oblaten, die in der Liturgie der westlichen christlichen Kirchen als Hostien verwendet werden, woher sie auch ihren Namen haben (lat. oblatus ‚geopfert‘, ‚dargebracht‘), werden aus ungesäuertem Mehlteig ohne Zusatz von Treibmitteln hergestellt. Sie werden wie Waffeln zwischen heißen Eisen gebacken und dann ausgestanzt oder geschnitten. Von kulinarischem Genuss kann jedenfalls keine Rede sein.

Trotzdem war es das Mahl mit dem beindruckensten Rahmen und der höchsten Stufe an möglichem Brimborium.

Wenn man etwas zum ersten Mal in seinem Leben tut, so sind das stets kleine Premieren, die uns manchmal sogar etwas Nervenkitzel bescheren. Ob das nun eigene Auftritte in irgendeiner Form von Öffentlichkeit sind, wie Schultheater, Leistungstests, Bewerbungsgespräche oder die eigene Hochzeit mit dem zugehörigen “Ja”, man wird abgeklärter und die Aufregung nimmt mit zunehmendem Alter ab, bis man an dem Punkt angekommen ist, an dem man selbst nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern nur noch als Zuschauer eingeladen wird.
Blog-Event LXXIX - Das erste Ma(h)l (Einsendeschluss 15. Juli 2012)Die eigene Tochter zum Traualtar zu führen ist dann noch ein später Höhepunkt in der Reihe von Ereignissen die das Leben für uns bereit hält.

Kulinarische Erlebnisse gehören für die meisten Menschen sicher nicht zu denen, die sich in ihrem Gehirn einbrennen. An meine erste Auster erinnere ich mich noch. Und an mein erstes Filet Stroganoff auch. Aber wann habe ich zum ersten Mal Spaghetti gegessen?

Für Köche ist das schon anders. Denn ob das sündhaft teure Rinderfilet im Blätterteigmantel genau so wird, wie man es sich vorgestellt hat, während zehn Gäste im Nebenraum hungrig lärmen, ist schon mit einer ordentlichen Portion Nervenkitzel verbunden. – Gibt es genug Stücke für Leute die ihr Fleisch unbedingt “durch” haben wollen? Ist vielleicht alles allen noch zu blutig? Ist der Blätterteig schön goldbraun? Das sind Fragen die uns bis zum Servieren wirklich quälen können.

Allerhöchsten Respekt hatte ich lange Zeit vor der Zubereitung eines Soufflés, weshalb ich das hier gerne zum Thema machen, und ein Rezept dazu veröffentlichen möchte. Denn ich glaube, es gibt kaum einen alten amerikanischen Spielfilm aus den späten 1950er Jahren, in denen Hausfrauen vorkommen, die nicht Käse-Soufflés zubereiten und darüber jammern, dass doch der Chef des Gatten zum Essen kommt und das Soufflé zusammenfallen könnte.

Das hat mich schon als Jugendlicher schwer beeindruckt. – Was das wohl für eine tolle Mahlzeit sein könnte, von deren Gelingen das ganze zukünftige Leben der Protagonisten abhängt…. Wow!

Das Rezept zu dem recht delikaten und gelingsicheren Quarksoufflé, das ich am 16. Januar 2005 zum ersten Ma(h)l zubereitet habe, folgt sogleich. Der genannte Termin ist verbrieft, denn ich habe die Angewohnheit, auf Rezepte, die Freunde serviert bekamen, das Datum zu notieren. Dadurch vermeide ich es Wiederholungen auf den Tisch zu bringen. Das Leben ist bunt und zu kurz um sich mit aufgewärmten Mahlzeiten abzugeben, außerdem fehlt bei mehrmals geübten Rezepten ja der Nervenkitzel.

Im Jahr 2005 steckte die Digitalfotografie fast noch in den Kinderschuhen und ich habe noch nicht gebloggt. Das ist auch der Grund, warum es zum folgenden Rezept kein Bild gibt.

Leicht, locker, luftig!

Zu diesem Dessert kann man im Sommer Kirschkompott, Erdbeeren oder gelbe Grütze servieren, im Winter eignen sich Orangen hervorragend als fruchtige Komponente.

Die Zutaten für 4-6 Personen: * 120 g Zucker, * 250 g Magerquark, * 3 Eier (Kl.M), * 50 g Puderzucker, * 1 Zitrone (unbehandelt), * Salz, * weiche Butter, * Puderzucker zum Bestäuben und 4-6 feuerfeste Förmchen.

Zubereitung: Für das Soufflé die Förmchen mit der weichen Butter ausfetten und mit ca. 20 Gramm des Zuckers ausstreuen. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen (Ober- und Unterhitze), bei der Verwendung von Umluft nur auf 160 Grad einstellen. In eine tiefe Pfanne, in die am Schluss die Förmchen passen müssen, heißes Wasser füllen und in den Ofen geben.

Den Quark mit einem Küchentuch kräftig ausdrücken, so dass noch etwa 200 Gramm übrig bleiben. Von der Zitrone etwa die Hälfte der Schale sehr fein abreiben. Die Eier trennen, die Eigelbe mit den 50g Puderzucker einige Minuten lang sehr cremig schlagen, dann den Quark und den Abrieb der Zitrone zugeben und kräftig weiterschlagen, bis eine homogene Masse entstanden ist.

Das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen, dabei am Ende den verbliebenen Zucker langsam einrieseln lassen und weiter schlagen bis der Zucker sich gelöst hat und ein sehr fester, cremiger Eischnee entstanden ist.

Den Eischnee nun vorsichtig unter die Quarkmasse heben, am besten mit einem Spatel, keinesfalls mit dem Rührgerät! Die komplette Masse auf die Förmchen verteilen, dann die Förmchen in dem vorgeheizten Ofen bei den bereits genannten Temperaturen für 25-30 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, mit Puderzucker bestäuben und mit dem Kompott der Saison servieren.

 

 

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12 Antworten : “Das erste Ma(h)l – und das Soufflé”

  1. Wunderschön geschrieben Peter …es macht Freude das zu lesen….Erste Kummunion hatte ich keine. Doch bei meiner Konfirmation mit 14 klebte mir die Hostie auch am Gaumen. Die Evangelischen haben ja das “Glück”, sie dann mit einem Schluck Wein hinunterspülen zu dürfen. Bei den Katholischen trinkt der Pfarrer den Wein selber ;-)

  2. Sybille sagt:

    schön…solche Texte.. fallen einem doch gleich erste Male anderer Art ein.
    Bei meiner Kommunion lief ich den ganzen Tag beseelt durch die Gegend, trug ich doch zum ersten Mal eine Strumpfhose die nicht kratzte.Die Zeremonie hinterließ keine Spuren, an diese Strumpfhose erinnere ich mich bis heute.

  3. Wilde Henne sagt:

    Uuuuh ja, die 1. Kommunion – ich bin gestolpert und hab mir den Finger verstaucht. Auf dem Erinnerungsbild sieht man den weissen Verband passend zum schönen weissen Röckli. Und die Hostie habe ich mit dem Zeigefinger vom Gaumen kratzen müssen…
    Ein Soufflé habe ich auch noch nie gemacht… War das denn in den Filmen ein süsses Soufflé? Ich hab immer gedacht, die seien salzig. Aber das ist wahrscheinlich wieder die unterschiedliche Auslegung vom Wort Käse. In der Schweiz ist Käse immer salzig. Das andere nennt sich Quark.

    • jinja sagt:

      Arme Henne, ich frage mich, wie hoch die Dunkelziffer der Mädels ist, deren einzige Erinnerung daran “Schei*kleid” ist. :)

      Soufflés gibt es, soweit ich weiß, süß und salzig. Salzige Varianten eignen sich perfekt, um Gäste beim Hauptgang zu verwirren und zu beeindrucken.
      Das Quark-Käse-Dilemma betrifft alle nach Deutschland zugezogenen. Lange mochte ich keinen Käsekuchen essen, weil ich mir die Mischung sehr wild vorgestellte hatte…

      • Wilde Henne sagt:

        @jinja
        Ich wollte bei der Kommunion eine kurze, rote Hose anziehen und Sandalen – durfte ich aber nicht. Obwohl ich getobt habe, dass man mit dem Sch…kleid hinterher ja gar nicht draussen spielen könne.
        Phüü, bin ich froh, muss ich sowas nie mehr anziehen ;-)

    • @wilde henne und @jinja
      Natürlich ist mit Käsesoufflé ein würziges gemeint und wird mit Käse hergestellt.
      Die Verwirrung mit dem Käsekuchen gibt es aber doch nicht nur in Deutschland.
      Ich sage nur Cheesecake! –
      Siehe auch http://aus-meinem-kochtopf.de/2012/cheesecake-nicht-kaesekuchen-the-cheesecake-factory/

      @sybille
      Und ihr Mädels: das ist doch einer der ältesten Sprüche überhaupt:
      Wer schön sein will muss leiden…
      Ich wusste bloß nicht, dass ihr bei eurer Kommunion so gelitten habt.

      • jinja sagt:

        Stimmt, recht hast Du. Cheesecake ist genauso verwirrend. :)

      • Wilde Henne sagt:

        Peter, ich wollte gar nicht schön sein bei der Kommunion. Und ich gestehe hier ganz öffentlich: vor der Kommunion mussten wir Sünden beichten. Aber ich hab dem Pfarrer eine grässliche, erstunkene und erlogene Geschichte durchs Gitter hindurch gemurmelt. Weil mir wollte einfach keine Sünde einfallen, die ich begangen hatte. Aber der Pfarrer wollte unbedingt was hören. Hat er gekriegt, war aber eine glatte Lüge :-p

  4. jinja sagt:

    Lieber Peter,
    und wieder weiß ich nicht, was mir mehr gefällt: der Text oder das Rezept.
    Herrlich! Stimmt, die Hostie der Kommunion, die war schon ein besonderes Erlebnis. Allerdings etwas von dem Gedanken überschattet: Hoffentlich falle ich nicht über den blöden Kleidersaum. :)
    Lg
    jinja

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