Der Weinbrunnen am Jakobsweg. Die Bodega

Manchmal versinkt man in seinen Erinnerungen und wird womöglich sogar sentimental. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Heute auf jeden Fall anders als früher. Musste man einst in verstaubten Fotoalben blättern, in denen es zu bestimmten Ereignissen einige wenige Aufnahmen gab und ließ dadurch eine Erinnerung wieder aufleben, neigt der moderne Mensch immer mehr dazu, sein Leben möglichst lückenlos zu dokumentieren.

Ich zumindest. Seit es Digitalkameras in (für mich) bezahlbaren Ausführungen gibt, führe ich eine solche mit mir und mache sehr viele Fotos. Als Oberhaupt einer ziemlich großen Familie gab es eine Zeit, in der das sogar zu meiner ungeschriebenen Chronistenpflicht gehörte.

Witzigerweise verhält es sich mit den Fotos der früher Digitalfotografie so, wie mit alten, verschwommenen schwarzweiß-Fotos in den erwähnten Fotoalben. Sie sind oft grauenhaft schlecht und man fragt sich warum man sie erstens überhaupt gemacht – und zweitens auch noch aufbewahrt hat. Wobei letzteres sehr einfach ist.

Kürzlich habe ich wieder einmal eine ganze Stunde damit verbracht alte Fotos aus dem Jahr 2007 anzusehen. Damals machte ich “meinen Jakobsweg” und lief in 26 Tagen gut 720 Kilometer der Gesamtstrecke von rund 800 Kilometern zunächst von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich über die Pyrenäen durch den Norden Spaniens bis nach Santiago de Campostela. Es war ein fantastisches Erlebnis das ich gedenke irgendwann zu wiederholen.

Unglaublich schöne Lanschaften, zuerst geht es durch das Weinbaugebiet Navarra, anschließend durch das noch bekanntere Weinbaugebiet Rioja und selbstverständlich säumen Bodegas den Weg. Als Pilger sucht man solche aber nicht unbedingt auf. Dafür gibt es im Internet ja Einrichtungen,
wie den Weinshop Die Bodega, in denen man sich später jederzeit die gewünschten
Weinpräsente im Internet bestellen kann.

Aber manchmal führt der Weg auch mitten durch weite Weinfelder, in denen die Bauern persönlich anzutreffen sind, die dem durstigen Wanderer gerne ein Gläschen ihres jungen Traubensaftes anbieten (siehe die nächsten beiden Fotos).

Auf dem Weg nach Santiago de Campostela kommt man als Pilger an seltsamen Dingen vorbei. Hohen Unterhaltungswert hat im Zusammenhang mit Wein zweifellos ein ehemaliges Klosterweingut mit Namen Bodegas Irache, das nach dem Städtchen Estella auf dem Weg liegt. Dort kann man als Pilger selbstverständlich Wasser trinken, aber man kann auch kostenlosen Rotwein aus zwei kleinen Hähnen zapfen, an dem sich der Wanderer laben kann (nächstes Bild unten).

Daneben sind zwei Sprüche angebracht, die etwa bedeuten: “Wir laden Dich ein, an diesem Brunnen zu trinken, ohne zu saufen. Um den Wein mitzunehmen, musst Du ihn jedoch kaufen”, und “Pilger, willst Du in Santiago voller Kraft und Lebensfreude sein, stoß mit uns an und trink einen Schluck Wein.” – Selbstverständlich gibt es dort immer eine kleine Menschenansammlung, die darauf wartet, wenigstens zwei Zentimeter des tropfenden Weines in den mitgebrachten Becher zu füllen.

Eine meiner stilvollsten Mahlzeiten habe ich auf dem ganzen Weg übrigens in einer alten, ehemaligen Kirche zu mir genommen. Das war auf dem sehr flachen Land nach der Großstadt Burgos. In der kleinen Kirche San Nicolas nahe der Ortschaft “Hero de la Vega”. Maximal 12 Personen wurden in diesem Quartier aufgenommen, betrieben wurde es von einer Bruderschaft die richtig gut für die Pilger sorgte. Man bekam (symbolisch) die Füße gewaschen und es gab ein 3-Gang-Menü. So etwas in einem Foodblog zu erwähnen macht die Leser natürlich sofort neugierig. Aber ich muss euch enttäuschen. Damals gab es “nur” Zwiebelsuppe, Spaghetti mit Tomatensoße und zum Abschluss einen Kräutertee mit einer besonderen Mischung. Köstlich!

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5 Antworten : “Der Weinbrunnen am Jakobsweg. Die Bodega”

  1. Viviane sagt:

    Das weckt in mir Erinnerungen. Ich bin 2010 mit meinen Kindern (damals 6 + 8 Jahre alt) den selben Weg gegangen. Einfach nur traumhaft! Dieses Jahr bin ich mit ihnen nach Rom gepilgert und irgendwann möcht ich nach Jerusalem gehen.

  2. Wissel Alfred sagt:

    Das wäre auch mal mein Ziel.

  3. WildeHenne sagt:

    Ach, ich hätte absolut kein Problem damit, alleine unterwegs zu sein. Ich lerne sowieso überall Leute kennen. Und Angst habe ich auch nicht. Was ich hierzulande schon alleine in den Bergen und Wäldern rumgestiefelt bin… Obwohl ich jetzt diesen Pilgerweg nicht machen möchte. Das liegt aber mehr an meiner Einstellung zum Pilgern an sich.

  4. WildeHenne sagt:

    Was heisst da «nur Zwiebelsuppe». So eine hatte ich grad letzte Woche verbloggt. ;-)

    Du, einen grossen Rucksack hast da mit auf Deine Pilgertour geschleppt. Warst Du eigentlich alleine unterwegs?

    • Liebe Wilde Henne,
      so eine Zwiebelsuppe schmeckt in dem Ambiente (siehe Fotos), mit drei riesigen Blasen in den Wanderschuhen und damit gelaufenen x-Kilometern besonders gut.

      Und warum ich alleine gegangen bin? – Ehrlich: Alles andere hat gar keinen Sinn. Man trifft unglaublich viele Leute, ist so gesehen also nicht allein (außer man legt es darauf an).
      Mit einem Freund oder Freundin zu gehen würde ich keinesfalls empfehlen, denn jeder hat sein eigenes Tempo und seine eigenen Verletzungen/Befindlichkeiten. Außerdem ist es wesentlich einfacher mit all den Leuten alleine Kontakt zu pflegen.
      Für Frauen ist es – zugegeben – etwas schwieriger alleine zu gehen, wobei es da auf den Zeitraum ankommt.
      Wenn Frau alleine im Oktober durch Spanien wandert ist sie ungleich alleiner als im September. Das gilt es zu bedenken.

      Mit leckerem Gruß, Peter

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