Grapefruit-Pasta mit Jamón de Teruel

Als menschliches Eichhörnchen hat man es schwer. Überall liegen Stapel von Zeitschriften, Zeitungsausschnitten, Büchern und Cds. Der Festplattenrecorder ist voller Filme die man erst in zwei Jahren, oder womöglich nie anschauen wird, und auf den vorhandenen Computer-Datenträgern befinden sich noch immer 14 Jahre alte Dokumente der Kinder, in denen sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Von nichts kann man sich trennen und wenn doch, dann kostet es richtige Überwindung.

Kochrezepte wurden in diesem Zusammenhang noch gar nicht genannt. Die sammle ich auch. Zum Glück fällt es mir leicht mich wieder von ihnen zu trennen, wenn sie sich als Reinfall erwiesen haben. Echt in die Bredouille bringen mich nur noch Tipps und Kochbefehle von guten Freunden und engen Verwandten. Also Rezepte die ich nicht selbst ausgesucht habe.

Kürzlich erreichte mich via SMS ein solcher (seltener) Kochbefehl meiner ältesten Tochter, die im schönen Blog von Juliane auf das folgende Rezept gestoßen war, es gekocht hatte und begeistert davon war. Solche Kochbefehle auf die lange Bank zu schieben, oder einfach auf einem der vorhandenen Stapel abzulegen, kann gefährlich werden, denn dann erfährt man eventuell Unwillen oder blickt alsbald in beleidigte Gesichter der Tippgeber(Innen). Dagegen hilft am besten der umgehende Einbau solcher Vorschläge in den Speiseplan der aktuellen Woche, auch wenn die Mischung, wie in diesem Fall, nicht so klang, als wenn ich mich dafür begeistern könnte.

Jamón de Teruel

Beim Einkauf lief mir dann, anstelle des ursprünglich geplanten Parmaschinkens, ein sehr viel versprechend aussehender Jamón de Teruel über den Weg, der als einer der besten Schinken Spaniens gilt. Er wurde 1997 von der EU in die Liste der europäischen Produkte von “außergewöhnlicher, kontinuierlicher Qualität und gesundheitsfördernden Merkmalen” aufgenommen. Die Herkunftsbezeichnung (D.O.) ist eine besondere Einteilung regionaler Nahrungsmittel hoher Qualität.

Normalerweise kennen wir die spanischen Schinken als Serrano, die beiden Schinkensorten “Jamón de Teruel” (Schinken aus Teruel, Gebiet Aragón) und auch der “Jamón de Trevélez” (Schinken aus Trevélez also Granada + Andalusien) verfügen jedoch über ein eigenes Qualitätssiegel. In beiden Fällen handelt es sich um höchste Qualitätsware (von weißen Schweinen). Die Schinken sind luftgetrocknet und benötigen eine Reifezeit zwischen 14 und 20 Monaten.

Den normalen Serrano-Schinken gibt es übrigens auch in unterschiedlichen Qualitätsstufen. Es gibt: “Plata” (Silber), Reifezeit 8-11 Monaten; “Oro” (Gold): Reifezeit 11-14 Monate und den “Gran Serrano” mit einer Reifezeit von über 14 Monaten. Diese Qualitätsstufen spiegeln sich selbstverständlich im Preis wider.

Im Großen und Ganzen habe ich die komplette Rezeptur des Original-Rezepts von Juliane übernommen, nur den Schinken bereite ich anders zu und auf die Gemüsebrühe habe ich verzichtet. Die Spaghetti wurden durch vorhandene, hübsche “Campanelle” (Glockenform) ersetzt.

 

Zutaten für 2 Personen: * 1 rosa Grapefruit, * 1 EL Schalenabrieb der Grapefruit, * 30ml Saft der Grapefruit, * 200g Pasta, * 4 Scheiben luftgetrockneter Schinken, * 1 EL Öl, * 150ml Schlagsahne, * 3-4 Stiele frischer Basilikum, * 2 frische Eigelb, * Salz + Pfeffer

Zubereitung: Die Grapefruit unter heißem Wasser gründlich säubern, trocken reiben und die Schale fein abreiben. Dann die Frucht filetieren, den Grapefruit-Saft dabei nach Möglichkeit auffangen. Die verbleibenden Trennwände gründlich ausdrücken und zu dem bereits aufgefangenen Saft geben. Etwa 30ml davon abmessen.

Den Backofen auf 160° vorheizen, auf ein Ofenblech eine Lage Backpapier legen und den Schinken darauf verteilen. Je nach Stärke der Scheiben den Schinken im Ofen für ca. 45-60 Minuten trocknen. Zwischendurch das auslaufende Fett mit Küchenkrepp aufsaugen. Wenn die Scheiben fast trocken sind, diese auf Küchenkrepp abtropfen lassen und wenn sie erkaltet sind zu Chips zerbrechen.

Die Pasta nach Packungsanweisung in reichlich Salzwasser kochen. Basilikum waschen und trocken schütteln. In einem Topf die Sahne mit Pfeffer und Salz würzen, mit der Hälfte des Basilikums langsam bei mittlerer Hitze aufkochen. Den abgemessenen Grapefruitsaft und zum Schluss die fein abgeriebene Grapefruitschale zugeben und nochmals etwas einköcheln lassen.

Die beiden Eigelbe in einer kleinen Schüssel verquirlen. 1-2 EL von der heißen Sahne unterrühren, dann die Ei-Mischung zur restlichen Sahne in den Topf geben und gut untermischen. Die Grapefruit-Sahne darf jetzt nicht mehr kochen!

Die abgetropfte Pasta mit der Sauce und den Grapefruitfilets vermischen. Mit dem restlichen Basilikum und dem knusprigen Schinken garniert servieren. – Fertig. Und wirklich lecker!


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12 Antworten : “Grapefruit-Pasta mit Jamón de Teruel”

  1. Ein feines Rezept, das auf meine Nachkochliste kommt. Ich habe einmal ein ähnliches Nudelgericht gekocht, aber statt der Grapefruit Kumquats genommen.
    Gruß Margit

  2. Barbara sagt:

    danke für das Rezept, wurde am Wochenende nachgekocht und für ausgesprochen lecker befunden, könnte mir vorstellen, zur Spargelzeit noch den I-Punkt mit Spargelstückchen draufzusetzen, aber auch die Wintervariante ist nicht zu verachten

  3. Pflegeberatung-Angela sagt:

    Oh, das hört sich aber verdammt lecker an :) Da bekommt man ja glatt Hunger.
    Ich arbeite seit einigen Jahren in einem Pflegeheim in der Küche. Ich glaube dieses Gericht werde ich mal nachkochen für meine Bewohner. Zum Glück haben sind wir eher eine kleine Einrichtung, sodass man da auch mal ausgefallenere gerichte kochen kann :)
    Insgesamt mag ich diese Seite sehr und werde bestimmt noch öfter hier vorbeischauen! Schön :)

  4. Sehr interessante Mischung. Finde ich super!

  5. Juliane sagt:

    Deine Variante sieht toll aus! Gefällt mir gut mit dem Jamón de Teruel und der Zubereitung im Backofen. Und es freut mich sehr, dass es Dir auch gut geschmeckt hat, trotz anfänglicher Skepsis angesichts der Zutatenkombination :)

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

    • Hallo Juliane,
      eine der Weisheiten, die mir schon mein Vater erzählt hat ist die: “Die menschlichen Köpfe sind schließlich rund, damit das Denken die Richtung ändern kann”. Das gilt natürlich auch für zunächst als fragwürdig eingeschätzte Rezepturen ;-).

      Leckere Grüße, Peter

  6. Turtle sagt:

    Spricht was dagegen den Schinken in der Pfanne langsam zu braten? Mir widerstrebt es ein bisschen den Ofen so lange fuer 4 Scheiben Schinken anzuschalten.

    Das Rezept klingt sonst naemlich seeeehr lecker.

    • Hallo Turtle,
      nein. Dagegen spricht nichts.
      Ich erziele damit einfach bessere Ergebnisse.
      Wenn der Schinken in der Pfanne brutzelt muss man mehr aufpassen und die Scheiben gehen eventuell auch nicht alle rein.
      Deshalb mache ich das immer im Ofen.

      Leckere Grüße,
      Peter

  7. Hui, danke für die spannende Hintergrundinfo zur persönlichen Rezeptverwaltung und zu spanischen Schinken. Wieder was gelernt! Ich glaube das Rezept probier ich bei Gelegenheit auch mal…

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