Mit Gartenkräutern gefüllte Schweinesteaks vom Grill

Es ist ein schmaler Grad, entlang eines tiefen Abgrunds, den man beim Grillen beschreitet. Denn “Steaks”, respektive Schweinesteaks vom Grill, kann im Prinzip jeder auf den Rost legen. Dabei kann man aber leider sehr viel falsch machen. Zuerst bei der Wahl des Fleisches. Am schlimmsten sind Fleischbrocken, die in eine undefinierbare Marinade getunkt, in eine Plastikschale eingeschweißt sind, aus der Frischetheke eines Mega-Supermarktes stammen und womöglich noch die Bezeichnung Steak tragen. Dann weiß man weder wie das Fleisch aussieht, noch woher es kommt oder wie es riecht, noch womit es überhaupt gewürzt ist und wonach es dem zufolge schmecken wird.

Ohne jemand zu nahe treten zu wollen: für die, die es darauf anlegen, sicher eine ideale Methode um sogenanntes Gammelfleisch im großen Stil unter die Menschheit zu bekommen.

Dann gibt es noch die Pyromanen im achselfreien Feinripp unter den selbsternannten Grillmeistern. Diese ertränken zunächst die gesamte Holzkohle mit einem stinkenden Flüssiganzünder und wenn sie ein brennendes Streichholz hinterher werfen, dann gibt es eine riesige Stichflamme mit einer gewaltigen Verpuffung, die sogar den unbeteiligten Nachbarn aus dem Liegestuhl wirft.

Grillgut und Kohle werden oft eins

Sommer-Küche.
Als Artikel-Serie in den Nürnberger Nachrichten.
(gedruckte Ausgabe)
Teil 4 hier auch als PDF zum Download.

Ist die Kohle nach kurzer Zeit glutrot, wird in Windeseile das Fleisch auf dem Rost verteilt. Die heftig zwischen dem Fleisch hervorzüngelnden Flammen werden mit heimischem Bier zur Räson gebracht, und bereits dreieinhalb Minuten später, in doppelseitig stark angekokeltem Zustand, landet das Fleisch auf den Tellern der Gäste. Das arme Tier, was immer es auch war, wurde in diesem Beispiel zum zweiten Mal getötet. Bei Leuten dieses Kalibers eingeladen zu sein, kann echt zur Tortur werden.

Freunde des Kugel- oder Gasgrills wenden sich jedenfalls von solchen Szenen zu recht mit Grauen ab. Dabei muss auch der Umgang mit diesen Grillgeräten erst gelernt sein, denn man kann sehr viel mit konkreten Temperaturangaben, mit direkter und indirekter Hitze arbeiten. Mit einem großen Gasgrill bin ich in dieser Saison selbst noch am üben und habe dazu das hier folgende Rezept zusammengestellt und erstmals zubereitet.

Bei der Wahl des Fleisches bot sich in der Metzgerei meines Vertrauens ein gutes Kilostück schön durchwachsenen Schweinenackens an, denn der weit verbreiteteten Unsitte, nur noch vom Filet zu leben, egal ob Rind, Schein oder Hähnchenbrust, darf ruhig ein Riegel vorgeschoben werden. Es wird also Schweinesteaks vom Grill geben. Der Begriff Steak, wird er alleine verwendet, bezieht sich immer auf Rindfleisch!

Für alle die sich über wunderbar saftiges Grillgut freuen: Das Fleisch wird mit einer würzigen Mischung aus verschiedenen Gartenkräutern, Brötchen und Ei gefüllt und für den indirekten Grillvorgang mit Speck umwickelt. Serviert werden die Fleischstücke auf frischen Buschböhnchen, die mit Salbeibutter zubereitet werden. Ihre Gäste werden Augen machen!

Mit Gartenkräutern gefüllte Schweinesteaks vom Grill:

Zutaten für 4 Personen: * 1 kg Schweinenacken (am Stück), * 200 g durchwachsener Bauchspeck (benötigt werden auf ein Kilo Fleisch etwa 20-25 Scheiben), * 1½ Brötchen vom Vortag, * 150 ml Milch, * ½ Bund Salbei, * ½ Bund Petersilie, * frischer Majoran, * andere Kräuter aus Ihrem Garten, * ½ Knoblauchzehe, * 1 kleine Schalotte, * 1 Ei, * Salz, * Pfeffer aus der Mühle, * Muskatnuss, * etwas Zimt, * ½ TL gemahlener Koriander, * evtl. Semmelbrösel. – Extras: * Küchengarn, * Fleischthermometer und eine * Aluschale. – Dann noch * 600 g frische Buschbohnen, * Salbeiblätter, * Meersalz, * 60 g Butter.

Zubereitung der Schweinesteaks vom Grill: Zunächst die alten Brötchen in kleine Würfel schneiden und mit heißer Milch übergießen. Zwiebel und Knoblauch sehr fein hacken und kurz in etwas Öl glasig schwitzen. Mit den den fein gehackten Kräutern ebenfalls zu den Brötchen geben. Mit den genannten Gewürzen abschmecken. Das Ei in die Mischung geben und falls nötig mit Semmelbröseln in eine streichfähige Konsistenz bringen.

Den Grill vorbereiten, benötigt werden ca. 250°. Das Fleisch so aufschneiden, dass man es, nachdem man die Füllung auf die entstandene Fläche gestrichen hat, wieder in seine ursprüngliche Form bringen kann. Die Speckstreifen der Länge nach so auslegen, dass der Speck um das Fleisch herumreicht. Restliche Scheiben vorher diagonal über das Fleisch legen um die Füllung besser zu fixieren. Alles mit Küchengarn zu einer einheitlichen Form gut zusammen binden.

Indirekte starke Hitze bedeutet im Kugel- oder geschlossenem Gasgrill, dass das Fleisch auf der oberen Stufe des Grills, abseits der Flammen seinen Platz findet. Um das tropfende Fett des Specks aufzufangen, eine Aluschale darunter platzieren. Für etwa 70 bis 90 Minuten bei geschlossenem Deckel und 230-250 Grad grillen, regelmäßig alle 15 Minuten wenden, so dass der Speck ringsum knusprig und braun wird.

Die Kerntemperatur des Fleisches sollte nach der angegebenen Zeit (diese variiert je nach Fleischmenge) bei 75 Grad (Fleischthermometer) liegen. Das Fleisch vom Grill nehmen und für gute 10 Minuten ruhen lassen. In dieser Zeit erhöht sich die Temperatur um weitere 2-3 Grad.

Unterdessen die Bohnen putzen, waschen und für 3-4 Minuten in reichlich Salzwasser kochen. Abgießen, unter fließendem kalten Wasser abschrecken und für einige Minuten in eine Schüssel mit Eiswasser geben. Dadurch wird der Garungsprozess der Bohnen unterbrochen und sie behalten ihre Farbe, auch wenn sie nun nochmals in einem Topf mit reichlich Butter in ca. 5-10 Minuten fertig, aber noch bissfest gegart werden. In den letzten Minuten einige grob gehackte Salbeiblätter dazu geben und mit Meersalz abschmecken.

Die Bohnen in einer Reihe auf Tellern anrichten und das inzwischen aufgeschnittene Fleisch darauf platzieren. Guten Appetit.

Mit Gartenkräutern gefüllter Schweinesteaks vom Grill

Mit Gartenkräutern gefüllter Schweinenacken vom Grill

Mit Gartenkräutern gefüllter Schweinesteaks vom Grill

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6 Antworten : “Mit Gartenkräutern gefüllte Schweinesteaks vom Grill”

  1. Siggi sagt:

    Hallo Feinschmecker Peter ;-)

    Vielen, vielen Dank für die deutlichen Worte im ersten Absatz!!
    Das müssen die Leute endlich mal verstehen. Die Fleischqualität spielt eine entscheidende Rolle (wenn man schon Fleisch essen muss). Aus einem abgepackten Billig-Braten aus dem angesprochenen Mega-Supermarkt wird eben in den seltensten Fällen ein leckerer Sonntagsbraten!!!
    Mal ganz davon abgesehen das eigentlich keiner die Tierhaltung die dahinter steht unterstützen will. Aber das ist ein anderes Thema.

    Zum Grill an sich kann ich nur sagen: Hauptsache ein Deckel ist dabei! Und natürlich sollte er eine gewisse Größe haben wegen der Temperaturzonen. Am besten mal googlen nach direkt und indirekt grillen.
    So einen Braten kann man aber auch im Ofen machen wenn der richtige Grill noch nicht im Garten steht.

    Sehr geiles Rezept übrigens!!!
    Weiter so … ich mag deine Seite sehr!!

    Grüße
    Siggi

  2. Das sieht ja phantastisch aus Peter. So hat es sicher auch geschmeckt ;-)

  3. Sandra sagt:

    Oh Gott, sieht das lecker aus, da läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen! Das Rezept ist für einen Grill-Anfänger wohl eher nicht geeignet oder?! Und könnte man das denn auf einem 0-8-15-Grill überhaupt grillen, oder wäre das vergebene Liebesmüh?
    VG Sandra

    • Hallo Sandra,
      auf einem 0-8-15-Grill würde ich das nicht versuchen. Denn Du bekommst ja keine gleichmäßige Hitze hin. Außer er ist groß genug um “kohlefreie” Stellen zu schaffen, wo das Fleisch langsam garen kann. Aber dann stimmen natürlich auch die Zeitangaben nicht mehr.
      Die Anschaffung einen Kugel- oder Gasgrills macht aber Sinn ;-)
      Mit leckerem Gruß, Peter

      • Sandra sagt:

        Danke Peter. Dann werde ich die Anschaffung eines ordentlichen Grills wohl mal ernsthaft überdenken. Ist ja auch eine gute Geschenkidee für meinen Liebsten :).

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