Gestürzter (Blut)Orangenkuchen – Upside-Down Cake

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Was die Tarte Tatin mit Äpfeln für die Franzosen ist, nennt man in den USA „Upside-Down Cake“. Auch wenn es da weitere Unterschiede gibt. Zum Beispiel den, dass die Upside-Down Cakes früher in eisernen Pfannen (Skillet) gemacht wurden, weshalb entsprechende Kuchen auch mit dem Begriff Upside-Down Skillet Cake bekannt sind.

Eine der bekanntesten Varianten ist der gute alte Pineapple Upside-Down Skillet Cake, für den zuerst Zucker in die Pfanne gekippt wird, bis ein schöner Karamell entstanden ist. Dieser wird mit Ananassaft vermischt und wenn sich alles gut verbunden hat, wird die Pfanne vom Herd genommen.

Nun schlichtet man einige dicke Ananas-Scheiben dazu, kippt den inzwischen angerührten Teig darüber, bäckt das Ganze, lässt es ein bisschen abkühlen und stürzt den „Upside-Down Skillet Cake“ auf eine Platte. Natürlich mit den Früchten nach oben, sodass er seinem Namen gerecht werden kann. Dazu ein bisschen Schlagsahne, und fertig ist das relativ einfache Dessert.

So kennen Sie das (vielleicht), und so steht es auch in dem sehr alten, sehr populären Kochbuch von Fannie Merritt Farmer. Das Buch „The Fannie Farmer Cookbook“ erschien in den USA übrigens bereits 1896 und steht in einer Ausgabe von 1989 auch in unserem Regal.

Was das Kochbuch damals gleich sooooo populär machte, dass man es bis heute kaufen kann, war die Tatsache, dass jedes Rezept mit einer genauen Liste der Zutaten begann. Dadurch unterschied es sich grundlegend von den zuvor in den USA veröffentlichten Kochbüchern, die meist nur in wenigen Absätzen eine vage Idee des zu kochenden Rezeptes vermittelten und sowieso darauf bauten, dass der Leser schon die dafür notwendigen Kochkenntnisse besaß.

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Ananaskuchen hin oder her: jetzt ist Blutorangenzeit, und der Teig, den Fannie Farmer uns aufgeschrieben hat, gefällt uns nicht so recht. Deshalb steht heute ein gestürzter (Blut)Orangenkuchen auf dem Tisch, der auch nicht unbedingt warm verzehrt werden muss.

Ein bisschen Schade ist nur, dass man beim Kauf von Blutorangen, keine automatische Sicherheit über den Rot-Anteil des Fruchtfleisches erwirbt. Selbst beim Kauf echter Moro-Orangen, die teilweise in dünnes Seidenpapier gewickelt in der Kiste liegen, kann man sich nicht sicher sein, dass deren Fruchtfleisch richtig rot sein wird.

Kauft man sich dafür namenlose Blutorangen im Supermarkt, meist in einem 1,5 kg Netz, erwirbt man erst recht eine Wundertüte, die Enttäuschungen von „unblutigen“ Orangen mit vielen Kernen enthalten kann. Empfehlen würde ich, auf jeden Fall die Blutorangen zu filetieren, denn sie haben meist sehr dicke Schalen. Und wer will darauf schon herumbeißen?

Blutorangen filetieren - Gestürzter Blutorangenkuchen
Echte Moro Blutorangen, die trotzdem kein rotes Fruchtfleisch haben.

Blutorangen filetieren
Echte Moro Blutorangen, die trotzdem kein rotes Fruchtfleisch haben.

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Gestürzter Blutorangenkuchen
Die Scheiben der Orangen sollten mindestens 8-10 mm dick sein, denn sie verlieren beim Backen viel Saft und schrumpfen ohnehin.

Jetzt geht es los: Das Orangenkuchen-Rezept

Was die Teigmenge angeht, so haben wir diese um die Hälfte reduziert, da wir nur eine 26-cm-Tarteform verwendet haben. Für eine solche Form sind die nachfolgenden Mengenangaben demnach aureichend. Wer gerne dicken Boden mag, muss eine Springform verwenden und die unten angegebene Teigmange verdoppeln. Bis auf die Eier, davon genügen dann fünf Stück.

Die Zutaten für den Rührteig:
* 150 g Butter (weich und zimmerwarm)
* 150 g Zucker
* 150 g Mehl
* 3 kleine Eier
* 1 Bio-Orange (unbehandelt)
* ½ Tütchen Backpulver
* etwas Fett für die Form

Für den Belag:
* 5-7 Moro-Blutorangen (die leider nicht immer alle rot sind)
* 50 g Zucker
* 75 ml Orangensaft (frisch gepresst)

So wird er gemacht: Gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Die Orangen für den Belag sauber filetieren und quer in mindestens 8-10 mm dicke Scheiben schneiden. Kerne, die man dabei entdeckt, gleich entfernen. Dann 75 ml Orangensaft auspressen. Den Zucker für den Belag in einem kleinen Topf hellbraun karamellisieren, mit dem Orangensaft ablöschen. Dabei klumpt sich der Zucker mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zusammen, weshalb man ihn bei sehr geringer Temperatur so lange köchelt, bis alles wieder eine homogene, sirupartige Masse ist.

Den Sirup in die Form gießen, gleichmäßig verteilen, etwas abkühlen lassen. Dann die Orangenscheiben sehr dicht aneinander in die Form schlichten. Leerräume eventuell mit kleineren Segmenten der Orangenscheiben füllen.

Der Rührteig

Den Ofen auf 160 Grad Umluft vorheizen.
Für den Rührteig zunächst etwas Schale der unbehandelten Orange fein abreiben. Die weiche Butter und den Zucker mit den Quirlen des Handrührers oder der Küchenmaschine 10 Minuten(!) cremig aufschlagen, dann den Abrieb der Orangenschale und die Eier nach und nach zugeben und ebenfalls sorgfältig unterrühren. Zuletzt Mehl und Backpulver einarbeiten.
Die lange Rührzeit ist entscheidend für die Konsitenz des fertigen Gebäcks!

Den Teig auf den Orangen verteilen, im vorgeheizten Backofen auf der zweiten Einschubleiste von unten bei 160 Grad Umluft für ca. 30-35 Minuten backen.
Den fertig gebackenen Blut-Orangenkuchen aus dem Ofen nehmen, ca. 10-15 Minuten abkühlen lassen, dann auf eine Platte stürzen. Schmeckt auch lauwarm sehr gut und eignet sich als Dessert mit etwas Schlagsahne.

Wer den Kuchen 1-2 Tage aufbewahren will, sollte ihm noch einen dünnen Überzug feiner englischer und geschmolzener Orangenmarmelade verpassen.

Mehr zum Thema Blutorangen gibt es hier!

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen
So sieht er vor und nach dem Backen aus: gestürzter (Blut)Orangenkuchen

Gestürzter (Blut)Orangenkuchen
Ein Stück gestürzter (Blut)Orangenkuchen mit etwas Schlagsahne

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4 Antworten : “Gestürzter (Blut)Orangenkuchen – Upside-Down Cake”

  1. oh, das sieht aber gut aus.

  2. Friederike sagt:

    tolles Rezept!!
    bereits nachgemacht (ein bisschen anders) und für ausgezeichnet befunden!!
    lg

  3. Bettina sagt:

    Das sieht lecker aus. Liebe Grüße, Bettina

  4. Susan sagt:

    Hallo Peter,

    schoen! Hast du es schon einmal mit braunem Zucker anstelle des weißen fuer den Belag gemacht?

    Gruessle aus den USA, Susan

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