Kürbissuppe „Paul Bocuse“

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Schade, dass man hier kein Ratespielchen mit den Lesern dieser Zeilen veranstalten kann. Denn bevor ich die Karten, respektive das Rezept der Kürbissuppe Paul Bocuse auf den Tisch lege, würde mich interessieren, was die überwiegende Mehrheit der Leser über diesen Paul Bocuse weiß. Ich muss gestehen, ich wusste bis vor kurzem nicht besonders viel über ihn. Überrascht hat mich als erstes, dass er immer noch lebt. Sechsundachtzigjährig, immer noch aktiv und Geschäftstüchtig! Und obwohl mir natürlich bekannt war, dass Paul Bocuse als einer der Gründer der „Nouvelle Cuisine“ gilt, habe ich mich noch nie mit ihm und seinen Gerichten beschäftigt. Das haben ja unter anderem schon Eckart Witzigmann und Heinz Winkler getan, die beide Schüler von ihm sind.

Die drei Sterne des Paul Bocuse

Für mich war er immer zu weit weg. Der Sockel zu hoch auf dem er steht, und die Michelin-Sterne, die er hat, zu zahlreich, als dass ich eine Chance gesehen hätte, seine Gerichte in unsere Alltags-, Freundes- und Familienküche einzubauen. Denn, das muss man sich mal vorstellen: sein Restaurant „L’Auberge du Pont de Collonges“, bei Lyon, wird seit 1965 ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet! Auch wenn er dort natürlich nicht immer selbst gekocht hat.

Was, laut FOCUS, übrigens die Kritikerkollegen vom Guide „Gault & Millau“ im Jahr 1989 dazu trieb, ihm einen von seinen 19,5 Punkten zu streichen, die er in deren Führer inne hatte. Worauf Bocuse in einem Interview angeblich konterte: „Enzo Ferrari zieht doch auch nicht eigenhändig die Schrauben der Formel-1-Reifen an“.

Der Mann ist also auch noch ein Schalk. In einem anderen Interview soll er unumwunden zugegeben haben, längst nicht mehr selbst zu kochen. Auf die Frage, wer denn koche, wenn er selbst gerade nicht da sei, sagte er: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“

Die drei Frauen des Paul Bocuse

Paul Bocuse kann auch gar keine Zeit haben, zu kochen, denn in seinen, im Jahr 2006 veröffentlichten Memoiren, enthüllte er unter anderem Details aus seinem Privatleben. Danach lebt er seit vielen Jahren mit drei Frauen zusammen und unterhält gleichzeitig drei Haushalte. Mit seiner Ehefrau Raymonde ist er seit 1946 verheiratet. Mit der Mutter seines Sohns Jérôme ist er seit mehr als 50 Jahren zusammen und mit einer dritten Frau seit 35 Jahren. Zitat: „Ich mache das, wovon jeder Mann träumt.”

Dass Bocuese sich selbst hervorragend vermarktet und ein ausgezeichneter Medienstar ist, gilt in der heutigen Zeit schon fast als ein „muss“ für einen Koch wie ihn. Dazu ist er ein französischer Nationalheld wie er im Buche steht! Selbstverständlich betreibt er neben seiner Zentrale fünf weitere Restaurants in Lyon, verklopft Delikatessprodukte unter seinem Namen und hat eigene Weinberge. Im übrigen stammt Paul Bocuese aus einer alten Gastronomen-Familie. Schon sein Urgroßvater Nicolas eröffnete im Jahr 1840 ein Restaurant, das Bocuse dann in dritter Generation von seinem Vater übernahm.

Die Nouvelle Cuisine

Was es nun mit dem Begriff „Nouvelle Cuisine“ auf sich hat, der Anfang der 1970er Jahre in den besten Restaurants Frankreichs mit neuem Leben gefüllt wurde, ist schnell erklärt.

Ein weit verbreitetes unsinniges Klischee, was man sich darunter vorzustellen hat, wäre ein einzelnes Salatblatt mit einer sehr kleinen, geschnitzten Karotte und drei Erbsen, auf einem großen Gourmetteller kunstvoll arrangiert! – Dabei geht es bei dieser wenig opulente Kochkunst in erster Linie um die Bewahrung des Eigengeschmacks von Nahrungsmitteln.

Die beiden Gastrokritiker Henri Gault und Chris­tian Mil­lau legten 1972 die „zehn Gebote“ der „Nouevelle Cuisine“ folgendermaßen fest, (komplett nachzulesen bei Wikipedia), hier ein Auszug:

Die Ableh­nung alles unnö­tig Komplizierten.
Ver­kür­zung der Koch­zei­ten (wichtigste Garmethode ist das Dämp­fen).
Zuta­ten müssen frisch sein.
Die Spei­se­folge wird auf wenige Gerichte beschränkt.
Kräf­tige Mari­na­den wer­den aus den Küchen verbannt.
Regio­nale Produkte und Gerichte haben Vortritt.

Kürbissuppe Paul Bocuse brocken wir uns gerne ein

Auf das Suppenrezept von Bocuse, um das es hier ja eigentlich gehen soll, bin ich durch das bereits mehrfach gelobte Kochbuch des Engländers Simon Hopkinson „Alles Gemüse“ (hier meine Rezension) gestoßen. Um es mit Karl Valentin zu halten, von dem der schöne Satz stammt: „….es wurde alles gesagt, nur nicht von Jedem….“, sei hier noch vermerkt, dass das Rezept, seit erscheinen des Buches, von allen Foodbloggern, die Rang und Namen haben, auch schon zubereitet und entsprechende Geschichten dazu veröffentlicht wurden.

Laut Hopkinson stand das Bocuse-Rezept alljährlich auf Neujahrsgrußkarten, die der Großmeister der französischen Küche verschickte. Und wie es die Regeln der Nouvelle Cuisine verlangen, kann es einfacher kaum sein. Wahre Suppenfans werden daran allerdigs die Konsistenz kritisieren, die eher an eine dickliche Creme als an eine Suppe erinnert. Was dem Geschmack aber keinesfalls schadet. Das Kürbisfleisch wird beim Auslöffeln der Füllung mit ausgekratzt.

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Kürbissuppe Paul Bocuse. Die Zutaten für 4 Personen:
* 1 Hokkaidokürbis (1,8 bis 2 kg schwer) oder 4 kleine Hokkaidos á 1 Kilogramm.
* 1 große Knoblauchzehe
* Salz
* Pfeffer
* Croûtons.
* 150 g Gruyère (frisch gerieben)
* 100 ml Schlagsahne
* 400 ml Creme double.
Wer keine Creme double bekommt, kann sich auch mit Mascarpone behelfen (mind. 40% Fett), die man ebenfalls mit 100 ml Sahne vemischt.

Die Zubereitung der Kürbissuppe Paul Bocuse:
Die Kappe des Kürbis großzügig als Deckel abschneiden (Fotos). Aus dem Inneren des Kürbis mit einem Löffel die Kerne und Fasern kratzen. Einige Scheiben altes Baguette oder Brötchen vom Frühstück in sehr kleine Würfel schneiden, in reichlich zerlassener Butter, in die man eine gehackte Knoblauchzehe und etwas Salz gegeben hat, die Croûtons knusprig braten und auf Küchenkrepp erkalten lassen.

Die Crème double erwärmen, kräftig salzen, pfeffern und eine Zehe Knoblauch (gehackt) zugeben. Die Menge gegebenenfalls mit etwas Sahne dickflüssig rühren und 10 Minuten ziehen lassen.

Den Backofen auf 200° (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Die Crème double durch ein Sieb streichen, den geriebenen Käse einrühren, den Kürbis wechselweise mit Croûtons und dem Käsegemisch füllen, mit dem Deckel verschließen. Einige Croutons zurückbehalten.

Stellen Sie den Kürbis sicherheitshalber in eine passende Auflaufform oder auf ein Ofenblech, für den Fall, dass er durch die Hitze aufplatzen sollte und etwas Flüssigkeit austritt. Den Kürbis im vorgeheizten Ofen für 1,5 bis 2 Stunden garen, bis das Kürbisfleisch weich ist. Die Schale des Kürbis wird dabei leicht braun. Die Hitze bei Bedarf etwas reduzieren. Vor dem Servieren mit den restlichen knusprigen Croûtons bestreuen.

Nachdem diese Suppe ausgelöffelt ist, brauchen Sie sich keine Sorgen mehr darüber machen, ob alle satt geworden sind!

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So sieht sie aus, die Kürbissuppe Paul Bocuse

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Kürbissuppe Paul Bocuse

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Bevor sie in den Ofen kommt noch ein Abschiedsfoto von der Kürbissuppe Paul Bocuse im Rohzustand.

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16 Antworten : “Kürbissuppe „Paul Bocuse“”

  1. Josephine sagt:

    wie ist man denn diese Suppe? Löffelt man sie nur aus? wird der Kürbis zerteilt? Schabt man das weiche Innere dazu?

    Liebe Grüße

    Josephine

  2. Faehrmann-Anders sagt:

    Als schon etwas älteres (weibl.) Semester ist mir Paul Bocuse aus den 80ern bekannt. Mir ist diese Art zu kochen – die ich zweifellos sehr bewundere – eine Nummer zu groß.
    Jedoch habe ich einmal es gewagt, aus einem seiner Kochbücher Butterwaffeln exact nach seinem Rezept zu bereiten. Wow. Ein himmlischer Genuß, jedoch leicht kostspielig, kalorienhaltig und kleinportioniert. Aber er ist wirklich ein Vorreiter der edlen Küche und für mich DER Kochkünstler.

  3. Hallo Peter, das Rezept ist wirklich wunderbar. Ich hab’s genossen, es war wirklich sehr, sehr lecker.

  4. Tom sagt:

    Ist eben eines der wenigen von Bocuse das man auch wirklich „kurz mal“ nach kochen kann 😉 Super einfach, super lecker und extrem sättigend. Eigentlich ja ein richtiges Familienrezept. Und das von Bocuse. Toll 🙂

    PS: Als Vorspeise mit Vorsicht zu genießen. Ich habe damit schon Leute vor dem Hauptgang an ihre Grenzen gebracht 😀

    Gruß Tom

  5. Ich muss die Suppe auch unbedingt mal machen, nur habe ich keinen Hokkaido unter 3 kg. Jetzt werde ich die Füllung verdoppeln und die Garzeit um 30 – 40 min verlängern? Hast du einen Anhaltspunkt, wie man erkennt, ob die Suppe sicher fertig ist?

    • Peter, übrigens, ich habe weder die Crème-Fraîche-Sauce passiert, was mich persönlich echt nicht gestört hat, da durch die Brotwürfel in der Suppe das ganze ohnehin nicht „ohne Stückchen“ war, noch habe ich die Croutons schichtweise mit der Soße hineingegeben. Ich bin ja immer eher faul und pragmatisch, dachte mir, das verwirbelt eh beim Einschichten, also habe ich alle Croutons (bis auf die Deko-Dinger) hineingegeben, mit der Sauce aufgegossen und alles einfach im Kürbis verrührt. Du bist ja bei Deinen Gerichten immer ein Perfektionist 😀 aber ich glaube, das Ergebnis zeigt, die Mühe ist es nicht unbedingt wert 🙂 Nichts für ungut, ist nur meine Sicht!
      Liebe Grüße von einem neuen Fan der „Bocuse-Suppe“ 🙂

      • Das ist doch das Schöne am Kochen.
        Jeder kann Rezepte so anpassen wie er will.
        Wenn Du jetzt allerdings geschrieben hättest, Du hast anstelle der fetten Sachen nur Gemüsebrühe eingefüllt, dann hätte mir das nicht gefallen 😉

        Mit leckerem Gruß, Peter

  6. Ein tolles Foto von einer tollen Suppe!!!
    Diese wunderbare Kürbissuppe, habe ich das erstemal in den späten 1970er Jahren gekocht, als ich das Kochbuch von Paul Bocuse „Neue Küche“ geschenkt bekam. Es kam 1977 im Econ Verlag heraus. Bei Bocuse kommen Sahne, Crème fraiche épaisse, Käse und Hühnerbrühe in den Kürbis und natürlich die Croùtons…Bocuse soll diese Kürbissuppe erstmals 1975 zum Frühstück im Elysée Palast für Präsident Giscard d’Estaing serviert haben, als er mit dem Verdienstorden der Légion d’honneur ausgezeichnet wurde…

    • Hallo Margit,
      vielen Dank für das Foto-Lob. Und was die Suppe, bzw. die Geschichten angeht, die sich darum ranken: So ist das eben mit alten berühmten Menschen. Die Biografie von Bocuse zu lesen, wäre sicher sehr interessant.
      Mit leckerem Gruß, Peter

  7. Florian sagt:

    Hallo,

    ich habe das Rezept erst letzte Woche ausprobiert. Wirklich sehr lecker und sehr sättigend. Mir ist leider auch einer der Kürbisse aufgeplatzt. Gibt es irgendwelche Tricks um dies zu verhindern?

    Viele Grüße
    Florian

    • Hallo Florian, mir ist das zum Glück noch nicht passiert.
      Aber ich könnte mir folgende Gründe vorstellen:
      1. vielleicht war es doch zu heiß im Herd (heißer als 200°)?
      2. Vielleicht war das Fruchtfleisch zu stark ausgekratzt, die Wände also zu dünn?
      Aber das sind leider nur Vermutungen. Wir bräuchten einen Physiker hier 😉
      Mit leckerem Gruß, Peter

      • Florian sagt:

        Das Fruchtfleisch habe ich sehr vorsichtig ausgekratzt. Aber ich probiere mal mit weniger Hitze.
        Könnte es was bringen, denKürbis noch etwas mit Wasser oder Öl einzupinseln?

  8. Sarah sagt:

    Die Suppe ist der Hammer!
    Hab mich letztes Jahr dran versucht und war hin und weg.

    LG Sarah

  9. Daniela Huber sagt:

    Hey,

    das ist echt ein tolles Rezept. Vielen Dank!
    Gerade jetzt im Oktober und kurz vor Halloween sind Kürbisse ja eh sehr begehrt und angesagt. Ich selbst koche auch gerne Kürbissuppen, aber dieses Rezept kannte ich noch nicht.
    Da werde ich am Wochenende gleich mal meine Kochtöpfe in Schwung bringen und los legen.
    Beste Grüße

    Daniela

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