
Da bin ich also. Mit meinem Lieblingsspruch (von Virginia Woolf):
One cannot think well, love well, sleep well, if one has not dined well.
- Als Topfgucker war ich schon als Kind berüchtigt. Und als Nudelfan.
- Gegessen habe ich schon immer.
- Und obwohl ich seit über 34 Jahren mit einer wunderbaren Köchin und Kuchenbäckerin verheiratet bin, ergab es sich in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dass ich selber begann zu kochen. Damals noch schichtarbeitender Vater von drei Kindern, wurde das ein gewisser Automatismus. Spezialität zunächst: Pfannkuchen.
- Vegetarier? Ja, ja, waren wir auch schon mal. Damals, in den 80ern. Jahrelang.
Aus Anlass des ersten großen Fleischskandals. Haben wir jetzt aber längst wieder hinter uns, diese Phase.
- Chemie in Lebensmitteln? Das Buch erschien 1981/82. Und wir haben es hochgehalten wie eine Bibel, haben gesprochen mit erhobenem Zeigefinger. Und ein bisschen missioniert haben wir sicher auch. Sensibilisiert sind wir seitdem allemal.
Inzwischen hat sich vieles abgeschliffen. Man kann auch sagen, wir kaufen keine Tütensuppen, Fertigprodukte und Tiefkühlpizza. Somit kaum Zusatzstoffe und auch keinen Analogkäse. Kümmert uns also nur sehr peripher, dieses ganze Gebiet.
- Bio? Ja. Wo es sich im normalen Rahmen machen lässt. – Wir fahren aber nicht 12 Kilometer und verbrauchen einen Liter Diesel mit dem Auto um uns einen Liter echte Biomilch zu besorgen.
- Im Freundeskreis wird über mich erzählt, ich wäre zu den wilden Campingurlauben in freier Natur stets mit echtem Porzellan, richtigen Gläsern und weißen Tischdecken angerückt. Dabei hatten wir oft auch Tischdecken in der Kiste, die gar nicht weiß waren!
- Die Kinder mussten dann spätestens ab dem 12. Geburtstag einmal wöchentlich mit uns in die Küche. Abwechselnd. Wenn man von drei Kindern “das mag ich nicht” oft genug gehört hat, ist es eine gute Erziehungsmaßnahme, dem Kind beizubringen, was die vier anderen Personen am Tisch auch alles nicht mögen.
Die Strategie lautete also – Kinder: was gibt es heute zu essen? Was brauchen wir? Was muss eingekauft werden, wie bereitet man das zu? – Harte Schule. Jahrelang. Was gelernt fürs Leben, die lieben Kleinen!
- In all der Zeit habe ich Rezepte gesammelt und wusste: irgendwann ist auch der letzte Nachwuchs aus dem Haus. Und dann koche ich mich durch meine Sammlung, und es gibt (fast) jeden Tag etwas anderes zu essen.
- In der Zwischenzeit habe ich mir Anerkennung als Dessertkönig geholt. Auf diesem Fachgebiet kann man auch bei Kindern recht schnell hohe Punktzahlen kassieren. Wenn es nicht gerade Sauerkirschen mit Ziegenkäsecreme gibt.
- Geschafft haben wir dann, nach dem Auszug des Nachwuchses, an den ersten 365 Tagen immerhin gute 250 Rezepte. – Die Kinder kommen ja weiterhin zu Besuch!
- Damals habe ich aber noch nicht gebloggt. Und die Digitalfotografie steckte noch in den Kinderschuhen.
- Jetzt also, nachdem wir dabei zugesehen haben, wie die vier Enkelkinder riefen “das mag ich aber nicht”, schließen wir die Tür hinter ihnen, und kochen uns am nächsten Tag wieder das, wonach uns gerade der Sinn steht. Wie es zum Wetter oder in die Jahreszeit passt. Wir hauen auch gerne Gewürze in unsere Gerichte, die der Herr Otto Normalverbraucher noch nie in seinem Leben gesehen hat. Oder hacken Kräuter und mischen diese unter, auch wenn sie grün sind. Was Kindern bekanntlich prinzipiell sehr suspekt ist.
- Was es sonst noch zu sagen gibt? Manchmal beschwert sich die beste Ehefrau von allen darüber, dass ihr Essen kalt ist, weil die Fotoaktion nach dem Kochen wieder viel zu lange gedauert hat.
- Was ich gar nicht mag? Das ist einfach! Das ist chefkoch.de
Warum das so ist? Wer braucht schon 867 verschiedene Kartoffelsalat-Rezepte? Und das womöglich noch von Leuten, die ihr eingestelltes Rezept selber nie ausprobiert haben….
- Prinzipiell strebe ich nach mehr Bruttoinlandsglück….
- …und bin stets auf der Suche nach freier Zeit für den Müßiggang
Peter G. Spandl
Für weitere Themen unterhalte ich noch den Blog planet-bratwurst.de