Tartiflette mit Reblochon – Kartoffelauflauf

Tartiflette mit Reblochon - Kartofffelauflauf mit Käse

Von Savoyen ist bei uns nur selten die Rede. Das liegt vielleicht daran, dass Savoyen so klein ist, aber trotzdem so hoch liegt. Nicht im Norden. Sondern über dem Meer. Savoyen ist die höchstgelegene Landschaft Europas mit nur etwas über einer Million Menschen darin. Den Savoyarden (so nennt man die Einwohner) gehören zum Beispiel die Savoyer Alpen. Die höchste Erhebung dort ist der Mont Blanc (4810 m), der immerhin als höchster Berg der Alpen (oder, je nach Betrachtungsweise, gar als der höchste Europas) gilt.

Ein bisschen eingekesselt liegt Savoyen zwischen der Schweiz und Italien, im Wesentlichen gehört das Gebiet aber seit 150 Jahren zu Frankreich. Auch wenn das Wappen schwer nach Schweiz aussieht und die Savoyarden am liebsten unabhängig wären.

Eines der bekanntesten Produkte aus Savoyen ist naturgemäß Käse. Allen voran der Reblochon, ein halbfester Schnittkäse aus Kuhmilch, der bereits seit 1958 herkunftsgeschützt ist.

Marketingmaßnahme: Tartiflette mit Reblochon

Um den Verkauf des Käses mal so richtig anzukurbeln, wurde von einer Organisation, die die Interessen der Hersteller vertritt, im Jahr 1980 ein Rezept als Marketingmaßnahme entwickelt: Tartiflette mit Reblochon! – Das ist die bittere Wahrheit.

Es handelt sich also keineswegs – wie manch einer gerne glauben möchte – um ein traditionelles Gericht, welches die Bergbauern dort vor tausend Jahren schon verspachtelt hätten. – Okay, vielleicht haben sie es getan. – Aber dann bestimmt nicht als “Tartiflette mit Reblochon”.

Tartiflette mit Reblochon

Die Marketingsmaßnahme war übrigens erfolgreich. Der Begriff “Tartiflette” ist längst fest in den Savoyen verankert und es gibt ungezählte Rezepte davon im Internet, die meist nur marginal voneinander abweichen.

Benötigt werden für 4 Personen:
* 1 Reblochon-Käse (ca. 45% i. Tr.)
* 6-8 Kartoffeln je nach Größe und Vorliebe
* durchwachsener Speck (wer will)
* 2 Zwiebeln
* Crème fraîche (nach Lust und Laune)
* Salz und Pfeffer aus der Mühle

Tartiflette mit Reblochon - Kartofffelauflauf

Was nun die Rezept-Varianten angeht: die einen fügen anstelle der Crème fraîche ein bisschen Weißwein dazu. Echte Vegetarier lassen selbstverständlich den Speck weg und experimentieren vielleicht mit Kräutern. – Auf welche Ideen VeganerInnen kommen könnten, um das Gericht ihrer Lebensphilosophie anzupassen, habe ich nicht erforscht und ich möchte es auch gar nicht wissen.

Wir retten was zu retten istWas ich allerdings erforscht habe, ist die Frage, wie sich die Lebensmittel-Industrie zu dem Gericht stellt. Als Mitglied einer bereits mehrfach vorgestellten Facebook-Gruppe (Wir retten was zu retten ist), in der überwiegend von Frauen überaus wortreich darüber diskutiert wird, was man wie und wann allmonatlich unbedingt retten muss, heißt das Thema im Januar: Rezepte mit Kartoffeln.

Die Kartoffel macht sich nackig

Die Kartoffel ist nämlich der Lebensmittel-Industrie längst hilflos ausgeliefert, sie macht sich fast immer nackig, denn ungeschält wird sie nur selten verarbeitet. Was man heute alles im Supermarkt kaufen kann, aber aus Kartoffeln ebenso selber machen könnte, wird in der Link-Liste am Ende dieses Beitrags ersichtlich. Die Damen von der Rettungsfront erinnern an so manches Produkt, das unsere Mütter und Omas noch ganz selbstverständlich hergestellt haben.

Ich war selbst ein bisschen erstaunt darüber, was heutzutage alles an Kartoffel-Fertigprodukten auf dem Markt ist. Selbstverständlich haben etliche davon auch ihre Daseinsberechtigung, bei anderen fragt man sich wirklich: warum machen das die Leute nicht selber?

La Tartiflette au Reblochon gehört dazu!

Man kann das Gericht tatsächlich in Dosen kaufen. Und ein Hersteller versorgt den modernen Mensch in seinem Pantoffelkino mit Chips, die angeblich nach Tartiflette schmecken sollten, würden, könnten. Oder es auch wirklich tun. Mir ist das egal.

#wirrettenwaszurettenist

Tartiflette als Konserve und als Chips

Wer jetzt endlich wissen möchte, wie man ein Tartiflette mit Reblochon selber macht, dem kann geholfen werden.

Zubereitung Tartiflette mit Reblochon

Die Kartoffeln ungeschält in wenig Wasser dämpfen bis sie so etwas wie “al dente” sind. Sie können ruhig noch ein bisschen Biss haben, schließlich landen Sie auch noch im Ofen.

Speck würfeln und ohne Öl in einer Pfanne auslassen. Die Zwiebeln häuten, in nicht zu feine Ringe schneiden und mit dem Speck braten bis sie schön goldbraun sind.

Unterdessen den Backofen auf 200°C vorheizen (Ober- und Unterhitze).

Die gekochten Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden. Die Kartoffeln, Zwiebeln und den Speck in eine feuerfeste Form schichten, mit Salz und Pfeffer würzen. Eventuell etwas Crème fraîche darüber geben.

Den Reblochon quer halbieren und in Stücke schneiden, je nachdem welche Form Sie für ihre Auflaufform benötigen. Den Reblochon auf der Kartoffel-Zwiebel-Mischung verteilen. Wichtig ist: die Käserinde nach oben.

Die Auflaufform in den Ofen schieben und für ca. 20 Minuten backen bis der Käse geschmolzen und die Rinde schön goldbraun und leicht knusprig ist.
Dazu reichen Sie am besten frischen Salat der Saison.

Tartiflette mit Reblochon

Tartiflette mit Reblochon

Tartiflette mit Reblochon
Wer mag, kann ein bisschen Crème fraîche auf der Mischung verteilen. Das macht die ganze Konsistenz der Tartiflette au Reblochon etwas geschmeidiger, aber auch etwas milder.

Tartiflette mit Reblochon

Rezepte mit Kartoffeln – Rettungsaktion vom 20.01.2016


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31 thoughts on “Tartiflette mit Reblochon – Kartoffelauflauf”

  • Von Tartiflette hatte ich bisher noch nie etwas gehört, und offenbar ist mir da wirklich was entgangen. Wieder einmal ein ganz toller Beitrag (bei Dir lerne ich immer noch etwas ;) )
    Lg

  • Tja, manchmal ist selbst eine Marketingkampagne von kulinarischem Nutzen. Jedenfalls mehr als Dosenfutter und Chipstüte. Ein einfaches Gericht mit (nehme ich an) typischen Aroma dank des besonderen Käses. Wenn mich nicht alles täuscht, war ich bei meiner Wanderung im Vanoise-Massiv im Herzen von Savoyen. Da gibt es nicht nur feine Käse, sondern auch viele feine Berge.

  • Lieber Peter,
    auf deine Beiträge freue ich mich immer ganz besonders, denn meistens lerne ich etwas dazu.
    Vielen Dank für die Hintergrundinfos zu Tartiflette und Reblochon – Kartoffeln und Käse waren einfach schon immer eine Traumkombi.
    Und Tartiflette aus der Dose??? Noch nie gesehen, zum Glück!
    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende Janke

  • Lieber Peter,
    nachdem wir das Kommentierproblem ja letztes Mal lösen konnten, steht meinem Kommentar nichts mehr im Wege, juhu!
    Von diesem Rezept hatte ich als Nordlicht noch nie gehört. Es klingt aber äußerst gut und der Käse sieht toll aus! Danke für dieses neue Gericht!

    Liebe Grüße,
    Marie-Louise

  • Diese Marketinggags… Seit den 1980ern denkt auch jeder, dass die Haut ph-neutral geseift gehört, auch eine Idee von Marketingleuten. Da gefällt mir Deine Geschichte besser.

    Tartiflette bekommt man auch immer mal in französischen Bistros, danach könnte man alle Berge Savoyens besteigen, so viel Energie gibt das… Ich mag die Gegend: In der 4. Klasse war ich zum ersten Mal im Schüleraustausch in unserer Partnerstadt Albertville, danach noch einige Male dort und in der Gegend und letzten Herbst fiel mir in Turin die Nähe zu Savoyen ins Auge, auch wenn man anders anreist. Turin war ja auch mal Hauptstadt der Herzöge von Savoyen. Interessantes Volk, traumhaft schöne Region. Und interessantes Gericht, gerade im Winter super.

  • Es sieht sehr appetitlich aus und ich würde es sofort jetzt essen ! Und ich gestehe: Ich habe weder davon gehört, noch die Fertigpackungen dazu gesehen. Aber eins weiß ich, demnächst werde ich zubereiten !

  • Oh ja, wir haben als Gästebuch zu unserer Hochzeit einen Rezeotordner bekommen, das ist so ein ähnliches Rezept drin. Das muss unbedingt mal wieder gegessen sein, so oft geraten deine Gerichte in Vergessenheit bei der Menge. Merci fürs Erinnern…
    Liebs Grüessli
    Irene

  • Lieber Peter,
    ein Gericht, dass ich das letzte Mal vor vielen Jahren (wie viele wollt ihr alle gar nicht wissen) während meiner Au-Pair Zeit bei der Schweizer Gastfamilie gegessen habe. Seither nie mehr und ich freu mich über Dein Rezept, denn das werde ich bald mal nach kochen.
    Liebe Grüße aus Südtirol,
    Kebo

  • Ein super Rezept und für mich als “echte Vegetarierin” kein Problem den Speck wegzulassen. ;) Wird sicherlich dennoch gut schmecken, sieht auf jeden Fall mit dem Berg Käse köstlich aus und den hätte ich ja dennoch! Da freut sich Rebochlon nun sicherlich, wenn 30 kochwütige Blogger einen Batzen davon kaufen gehen. ;)

    Liebe Grüße
    Nadine

  • Also ich nehm dann gleich mal eine Portion mit Speck! Hab noch nie von diesem Gericht gehört, aber wenn man auf den Bildern sieht, was du gezaubert hast und dann schaut was die Fertigindustrie in Dosen stampft, dann wähl ich eindeutig dein Gericht aus! Sieht lecker aus :)

    Liebe Grüße, Tanja

  • Ich kenne dieses Gericht gar nicht und habe auch noch keine Dosen mit diesem Inhalt gesehen. Aber mit soviel Käse kann es nur gut sein. Ich schau mal, ob ich den hier irgendwo bekomme. Gibt es anderen Käse den man alternativ nehmen könnte?

    LG Jette

  • Diese Dose! Du lieber HImmel…wer kauft denn sowas bitte? Mir kommen die Tränen…aber aus Freude dass Du das für uns aufgeschrieben hast, wie es geht. Würde zwar hier keiner essen außer mir, aber dann ess ich halt allles alleine auf.

    Liebe Grüße von der wortreichen Sina

  • ganz große Klasse, ich werd also gleich nach diesem Käse Ausschau halten. Für Kartoffeln hab ich einen Spezial-Bauern als Lieferant- unvergleichlich gut und eine klasse Auswahl. Hierfür eher eine vorwiegend festkochende Sorte, oder?

  • Lieber Peter,
    danke, dass es hier mein Lieblingsrezept gibt. Tja das war eine super Marketing-Idee mit dem Rezept, ich dachte auch an die Bergbauern die das zu schätzen wußten schon vor ganz langer Zeit. Egal es ist einfach umwerfend und bei Dir hier noch ein Stern dazu, klasse.
    Liebe Grüße und einen wunderschönen Tag
    Ingrid

  • Ich liebe Tartiflette – auch wenn Du mir die Illusionen geraubt hast, was die wahre Entstehung des Gerichts angeht.
    Über die Dosen schweige ich. Das ist kein Essen.
    ….und Veganer nehmen selbstverständlich selbstgeklöppelten Cashewkäse :-)

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