Der Lieferservice als Wirtschaftszweig

Der Lieferservice als Wirtschaftszweig

Die Gedanken sind frei, aber manchmal gehen mir meine eigenen Gedanken gehörig auf den Zeiger. Dann nämlich, wenn sie irgend etwas mit dem Alter zu tun haben. Wobei Gedanken stets ein enormes Eigenleben haben. Wer sich schon einmal an Meditation versucht hat, oder zumindest an autogenem Training, wird dieses Phänomen kennen. Das autogenen Training wendet sich in der Grundstufe an das vegetative Nervensystem, später werden die Gedanken durch eine formelhafte Vorsatzbildung in eine bestimmte Richtung beeinflusst, um dem Übenden zu Entspannung zu verhelfen.

Bei der Meditation ist das Ziel die vollkommene Leere, oder Stille, die Befreiung von den eigenen Gedanken. Der eigene Geist soll sich beruhigen. Und um den Gedanken keine Gelegenheit zu geben sich einzumischen, bekommen, zum Beispiel ernsthafte Zen-Schüler, von ihrem Meister einen sogenannten Koan.

Das ist eine kurze Anekdote oder Aufgabe, über die der Schüler (oft jahrelang) während seinen Meditationen nachdenken muss. Ein selbst in der westlichen Welt bekannter Koan ist die Frage nach dem Geräusch einer einzelnen klatschenden Hand. Ein Koan ist häufig vollkommen paradox, unverständlich oder wirkt sinnlos.

Obwohl ich ein bisschen darüber weiß, sind meine Gedanken trotzdem immer noch frei und befassen sich deshalb häufig (und eigenmächtig) mit der Frage ob früher alles besser war.

Naturgemäß kreisen meine Gedanken, als Schreiber dieses Blogs, und als Hobbykoch erst recht, immer wieder um alles was mit dem Thema Essen zu tun hat. So beobachte ich meine Mitmenschen beim Einkauf. Die Waren, die der Kunde vor mir im Supermarkt auf das Laufband geschlichtet hat, werden registriert und still mit dem eventuell vorhandenen Übergewicht des jeweiligen Probanden abgeglichen.

Ich studiere ihre Essgewohnheiten und prüfe die Packungen, die via Lieferando bestellt, bei uns im Büro aufschlagen. Der Service Liefeando ist ein typisches Kind des Internets, derzeit gibt es über 1.100.000 Kundenbewertungen auf der Plattform, was auf großen Erfolg hindeutet. Man kann den nächstgelegensten Lieferanten nach Postleitzahl suchen, aber auch Gerichte nach Länderküchen, Gerichte nach Warengruppen, Gerichte nach A-Z.

Der Lieferservice als Wirtschaftszweig
Sehr beliebte Lieferanten von schnellem Essen sind asiatische Lokale. Der Lieferservice als Wirtschaftszweig

So viel bewegtes Essen war nie

Eine zweite Passion von mir ist das Internet, in dem ich mich schon hast zwei Jahrzehnte bewege, das zunächst ganz unauffällig und von der Masse still belächelt, inzwischen immer noch dabei ist, unsere gesamte Gesellschaft umzukrempeln. Denken wir nur beispielhaft an die Musik- und Verlagsbranche, an den Buchhandel, die Modekette, unsere Kommunikationsmittel oder die einfache Urlaubsreise – ein Ende der Veränderungen ist noch lange nicht abzusehen.

Das Einkaufsverhalten einer ganzen Generation wird bereits vom Internet diktiert und auch hier fällt mir das Thema Ernährung sofort ins Auge. Denn selbst in meiner recht beschaulichen Heimatstadt Nürnberg gibt es eine ungeheuer große Anzahl an Gastronomischen Einrichtungen, die davon leben, die Menschen in der Stadt durch schnelle Fahrrad-Kuriere oder knatternde Roller, auf die Warmhalteboxen montiert sind, mit fertigen Mahlzeiten zu beliefern. Eine komplett neue Branche ist entstanden, die es früher so nicht gab.

Der Lieferservice als Wirtschaftszweig
Der Lieferservice als Wirtschaftszweig bringt auch in anderen Branchen Erfolg. Sei es das Fahrrad, der Roller oder das Auto. Der moderne Mensch ist immer unterwegs.

Meine früheste Erinnerung an eine Mahlzeit, die nicht im Haus meiner Eltern hergestellt, oder nicht direkt mit einem Restaurantbesuch verbunden war, sind ein paar gebackene Karpfen, die mein Vater an einem Feiertag in einem Fischlokal bestellte und die zu einer vorher vereinbarten Zeit abgeholt werden konnten. Da war nix mit Lieferservice. Das war vor geschätzten 45 Jahren. – Ich sage ja, manchmal nerven mich die alten Geschichten in meinem Kopf.

Übrigens bestellt fast die Hälfte der Deutschen in unterschiedlichen Abständen Essen bei einem Lieferservice. Besonders beliebt sind Pizzaketten, bei denen die Kunden online, telefonisch oder auch direkt vor Ort Speisen und Getränke bestellen können. Aber auch Sushi, Asia- und Texmex-Food steht in der Gunst ziemlich weit oben.

In einer Umfrage, die ich kürzlich gelesen habe, beantworteten von 1.000 Bundesbürger die Frage danach, wie häufig pro Woche sie bei einem Lieferservice bestellen oder ihr Essen unterwegs abholen, immerhin zwischen 11 und 13% positiv.

Sollte dieses Ergebnis wirklich repräsentativ sein, könnte man es auf die Gesamteinwohnerzahl hochrechnen. In einer Stadt wie Nürnberg, deren Einwohnerzahl um die halbe Million pendelt, liegt laut Zensus 2011 die Bevölkerungsgruppe der Erwachsenen (18-64 Jahre), bei 313.230 Personen. Wenn von dieser Gruppe tatsächlich 11-13% mindestens einmal pro Woche den Lieferservice ruft oder sich im nahen Imbiss-Büdchen mit Futter eindeckt, kann man selbst errechnen was für ein Wirtschaftszweig hier entstanden ist.

Der Lieferservice als Wirtschaftszweig
Die Möglichkeit, sich mit schnellem Essen eizudecken gibt es an vielen Punkten in der Großstadt. Der Lieferservice als Wirtschaftszweig

7 Antworten : “Der Lieferservice als Wirtschaftszweig”

  1. Lara sagt:

    Hallo, wir wohnen auf dem Land und nutzen seit Jahren keinen Lieferservice. Wir fahren lieber los und gehen essen. Dann haben die Kinder einer Luftveränderung und wir können in Ruhe essen (kein Telefon klingelt, die Kinder haben nicht das Bedürfnis aufstehen zu wollen etc.).
    Zu Hause gibt es nur selbstgemachtes (ggf. Tiefkühlkost). Selbst als wir noch in Hamburg wohnten, bestelltes wir nichts über einen Lieferservice, weil man nie wusste, wann die kommen.

    Ingesamt mag ein Bringservice bei Krankheiten oder im Büro praktisch sein, aber für eine Familie ist das in meinen Augen keine Alternative.

  2. ninive sagt:

    Na, man kann ja auch Erfahrungen sammeln, zumindest hier in der Kleinstadt spricht sich dies und jenes schnell herum- so gab es die beste Pizza weit und breit (außer meiner eigenen natürlich), aus dem Steinofen, knusperdünn und richtig schmackhaft mit guten Zutaten belegt- von einem Mini- Pizza- Büdchen mit Lieferservice. Leider Vergangenheit…. Und auch eine asiatische Imbißbude hier schlägt von der Qualität ihres Essens jedes Lokal dieser Sparte. Wobei dies sicher Ausnahmen sind- und ich selber höchstens mal im Notdienst was bestelle, vielleicht 1-2x im Jahr.

  3. Toettchen sagt:

    @ Susanne & Eva

    Vielleicht liegt es daran, dass wir immer auf dem Landes lebten – aber so einen Lieferservice hatte die Familie und inzwischen ich alleine nie benutzt. Hier in der Stadt gibt es ums Eck herum einen indischen Fastfood. Es ist schier unglaublich, was die alles anbieten und ins Haus bringen.
    Das ist aber nur etwas für Menschen, die satt werden aber nicht genießen wollen.

  4. Susanne sagt:

    Wer muss schon kochen, wenn es doch das Internet gibt 😉
    Im Ernst. Meine Kinder leiden. Manchmal. Ein bißchen. Wir sind nämlich die Außenseiter, die nix bestellen. Es gibt die wunderbare Erfindung des Butterbrots. Und dann kann man ja immer noch Essen gehen, wenn man raus will…Besser als Pizza-Pampe aus der Pappschachtel vorm Fernseher ist das allemal.

    • Da hast Du vollkommen recht, Susanne.
      Bleib hart bei Deiner Linie!
      Später werden die Kinder sicher ausbrechen, aber dann später voll Wehmut doch an das wunderbare Essen im Elternhaus erinnern.

  5. Eva sagt:

    Danke, ich bin sehr froh, nicht die einzige zu sein, die das Einkaufsverhalten der Mitmenschen auf diese Weise beobachtet. 😉
    Und Lieferservice? Hier niemals, dann lieber Knifte. Frühere Erfahrungen damit waren einfach zu schlecht…

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