Ernährungstipps aus dem Bücherregal?

Sebastian Kneipp

Unsere Bücher und CDs zu zählen, dazu verspüre ich keinerlei Lust. Ich kann nicht mal eine Schätzung abgeben wieviele Bücher unser Haus füllen. Im Wohnzimmer dürften es immer noch drei Meter sein. Bis an die Decke. Aber nur, weil wir uns vor etlichen Jahren dazu durchgerungen haben, die anderen zig-Meter aus dem Raum zu werfen. Man will ja irgendwann auch mal ein Bild an die Wand hängen können.

Seit dieser Tat haben wir im Schlafzimmer ein Bücherregal, dort wo andere Leute ihren Kleiderschrank haben. Und die Bücher, die als nächstes das Haus verlassen müssen, füllen (Altpapiertonnengeweiht) noch etwa vier Meter Kellerwand. Obwohl es inzwischen E-Books (auch in unserem Haushalt) gibt, müssen wir die ständig wachsende Zahl der Bücher immer wieder mal umschichten. Von einem Regal ins andere und natürlich auch von einem Raum in den anderen.

Ein Buch, von dem ich überhaupt nicht mehr weiß, von wem wir es geerbt haben, und das jede Umschichtung auch in Zukunft gut überstehen wird, fällt mir dabei immer wieder in die Hände. Es ist ziemlich alt und sehr dick. Aber es ist keine Bibel.

Es handelt sich um das große Kneippbuch aus dem Jahr 1918. Der Band hat 1260 Seiten, danach kommen nochmals circa 100 Seiten Register, Anhang und Schautafeln von wichtigen Pflanzen.

Es ist also bei weitem nicht so, dass der selige Pfarrer Kneipp nur die Wasserkur mit der Wassertreterei erfunden hat. Was übrigens auch gar nicht der Fall ist, sie wurde durch ihn nur sehr bekannt.

Sebastian Kneipp
Das Werk von Pfarrer Kneipp wurde gar nicht von ihm selber zusammengestellt.

Ich schmökere gerne in solch alten Büchern herum. Man entdeckt darin oft interessante Dinge die uns nachdenklich machen können. Hier geht das schon im Vorwort des Buches los, wo sich der eigentliche Autor des Buches, ein gewisser „Fr. Bonifaz Reile“, seines Zeichens Prior der barmherzigen Brüder in Wörishofen und langjähriger Sekretär des Prälaten Kneipp, darüber beschwert, was es für eine Mühe war, das ganze Buch zusammenzustellen.

Er habe dazu noch zu Lebzeiten Kneipps (der 1897 verstorben war) den Auftrag erhalten. Da der alte Pfarrer Kneipp so viele Schriften hinterlassen habe, die sich alle immer wieder um dieselbe Materie drehten, musste er aber alles vergleichend durchsehen.

Aus unzähligen Wiederholungen, die es darin gebe, musste er erst die Essenz aus Kneipps Denken und Lehre herausfiltern, was eine „sachkundige Hand und ein vollständiges Vertrautsein mit den Kneipp’schen Eigenthümlichkeiten“ erforderte.

Dass zwischendurch auch noch der ursprüngliche Verleger das Zeitliche segnete, führte dazu, dass das Buch für seine Entstehung praktisch rund 20 Jahre gebraucht hat. Wobei der gute Bonifaz Reile darin nur Gutes sieht: „Ich habe jedoch die feste Überzeugung, daß gerade der Umstand (Anm.: Tod des Verlegers) der Arbeit zum Vortheil gereicht, daß das langwierige Werk ohne Ueberstürzung von Statten ging.“

Alleine diese letzte Zeile spricht Bände und sowohl die Sicht der Dinge, als auch die Handlungsweise sind in de heutigen Zeit längst undenkbar. Dabei gab es doch damals schon die Uhr der Zukunft! – Ein Grund mehr jedenfalls, zu überprüfen was uns der Pfarrer Kneipp denn heute noch zu sagen hätte.

Anzeigen aus dem Buch des Pfarrer Kneipp

Einfluß von Speise und Trank auf die Gesundheit

Das Buch ist in sieben „Theile“ gegliedert und schon nach dem „1. Theil“, in dem es um den Bau und die Pflege des menschlichen Körpers geht, folgt der zweite Abschnitt, der mich am meisten interessiert hat, mit dem Titel: „Einfluß von Speise und Trank auf die Gesundheit“.

Wollte man sich heute mit diesem Thema beschäftigen würde man einen Suchbegriff bei Google eingeben . Ich nehme an, Pfarrer Kneipp wäre von der Geschwindigkeit, in der das geht, sofort schwindlig. (Ratschläge, wie man Schwindel am besten behandelt, werden in dem Buch übrigens auf Seite 1036-1038 gegeben).

Da sich Pfarrer Kneipp auf circa 100 Seiten über die Ernährung auslässt, lassen sich diese hier natürlich nicht wiedergeben. Lustig ist die Tatsache, dass der Mann damals schon folgenden Umstand beklagte:

„Das größte Unglück ist, daß man bei Kindern nicht anfängt, sie an die einfache Kost zu gewöhnen. Durch die Modekost, die heutzutage gang und gäbe ist, werden die Kinder verdorben und verweichlicht, so daß sie eine gesunde und kräftige Kost gar nicht mehr vertragen können.“

Empfohlen hat er prinzipiell als „wohlfeile“ Kost (zum Frühstück) natürlich Brod, Erdäpfel, Milch, Suppe, und Muß. Womit ein Getreidebrei aus Hafer und Gerstenmehl, gekocht mit Milch gemeint war.

Pfarrer Kneipp meinte: Kaffee betrügt den Menschen

Entsetzt war er über die sich damals immer weiter verbreitende Sitte, zum Frühstück Kaffee zu sich zu nehmen. „Und was bekommt die Natur davon? Erstens hat der Kaffee keinen Stickstoff und zweitens geht er nur halbverdaut wieder aus dem Magen heraus und nimmt Milch und Brod mit sich fort. Der betrogene Mensch aber hat von ihm bloß einen angenehmen Reiz und eine scheinbare Kräftigung bekommen, aber keine Nähstoffe die seine Kraft erhalten oder vermehren.“

Merkt Euch das! Ihr Kaffeesüchtlinge dieser Welt. – Schwer geirrt hat er sich übrigens auch. Wünschte er sich doch, daß „all‘ diese einfachen Nahrungsmittel aus den fernsten Welttheilen importiert werden müßten. Dann würden Sie auch geschätzt und gebraucht; denn bekanntlich hat heutzutage nur das den größten Wert, was aus Amerika oder Australien kommt.“

Wir wollen ihm sein damaliges Denken nicht zum Vorwurf machen. Er konnte ja nicht ahnen, dass ein 1,5-kg-Säckchen mit Zwiebeln heute für einen Euro im Supermarkt zu haben ist. Aus Neuseeland!

Dass es auch zu seinen Lebzeiten schon heftige Auseinandersetzungen zwischen Vegetariern und Fleischessern gab, wusste ich noch gar nicht. Es führte aber dazu, dass auf fast fünf Seiten des Buches eine Stellungnahme veröffentlicht wurde mit dem Titel:

„Fleisch- und Pflanzenkost und wie ich über den Vegetarianimus denke“

Darin meint er einerseits, sowohl die Fleischesser als auch die Vegetarier hätten mit ihren Argumenten recht. Menschen beider Gruppen, die in ihren Extremen verharren, nannte er aber gleichzeitig krank. Denn Ihnen würden immer die Nährstoffe der Gegenpartei fehlen.

Seine Ansicht ist die eines echten Kirchenmannes: „Ich stimme für beides, für Fleischgenuss wie für vegetabilische Kost, aus folgenden Gründen: die ganze Schöpfung stimmt wie für den Fleischgenuss, so auch für die Vegetarianische Kost. Was soll man mit den Hausthieren thun, mit den Thieren des Waldes, mit den Fischen im Wasser, mit den Vögeln in der Luft? Zum Dasein und Krepieren sind sie gewiss nicht vom Schöpfer bestimmt, sondern sie sind für den Menschen geschaffen, dass er sie gebrauche. Der Mensch sollte Nutznießer von der ganzen Schöpfung sein.“

Soweit also der Herr Kneipp. An dieser Stelle klappe ich den Schinken zu und stelle ihn wieder an seinen Platz. Bis sich mal Blähungen oder etwas anderes habe. Dann darf er mir wieder einen Rat geben, den ich dann im Internet checken werde. – Theilweise sehr lustig sind die Anzeigen am Ende des Buches, die scheinbar bei der Finanzierung helfen mussten.

Anzeigen aus dem Buch des Pfarrer Kneipp
Anzeigen aus dem Buch des Pfarrer Kneipp

Anzeigen aus dem Buch des Pfarrer Kneipp
Anzeigen aus dem Buch des Pfarrer Kneipp

Ernährungstipps von Sebastian Kneipp

7 Antworten : “Ernährungstipps aus dem Bücherregal?”

  1. Wilde Henne sagt:

    Ein Leben ohne Bücher – unvorstellbar. Bei uns im Wohnzimmer vom Boden bis zur Decke auf 5,5 Metern. Aber sei ehrlich, ein Schriftsetzer ohne Bücher wäre doch sehr seltsam.
    Ich habe übrigens zu Weihnachten ein EBook bzw. einen Reader geschenkt gekriegt.Ab und an Leser ich im Zug oder im Flugzeug ein bisschen darin. Aber ich mag das Teil nicht. Ich brauche dass Papier in den Händen. Ich will ein Buch nicht nur lesen, sondern auch erleben. Dazu muss ich es aber spüren. Ich rieche an neuen Büchern auch immer zuerst, bevor ich anfange zu lesen.Ich liebe den Geruch von Papier und Druckfarbe. Als ich das letztens jemandem erzählt habe, bekam ich vier Tage später ein Geschenk mit dem Titel «Paper Passion»: ein Buch, in dessen Innern ein Parfumflakon ist. Das Parfum riecht nach Papier und Druckfarbe. Da schlägt jedes Setzerherz höher…

    • Ein Schriftsetzer ohne Bücher ist wirklich unvorstellbar.
      Wir haben die Flut ja auch nur eingedämmt.
      Das mit dem Paper Passion klingt witzig.
      Denn Druckerschwärze ist ja auch nicht mehr das was sie mal war.
      Vor allem wenn man „Books on demand“ bestellt, die vom Laser gedruckt werden.

      • WildeHenne sagt:

        Jessäs, die Tippfehler in meinem ersten Kommentar – da glaubt ja keiner, dass ich Schriftsetzerin bin. Aber den Kommentar hatte ich auf dem Handy geschrieben…

        Apropos Bücher, die riechen: Ich hab da gewisse Verlage, die ich sehr gerne rieche. Piper z.B. – da schnüffle ich an den gebundenen Büchern liebend gerne 🙂
        Diogenes: Da riechen die gebundenen Ausgaben auch gut, die Taschenbücher jedoch irgendwie seltsam nach Leim.

        Vielleicht sollte ich mal bei «Wetten dass» mitmachen 😉

  2. ninive sagt:

    Amol als Tropfen gibt es heute noch…. meine ich zumindest. Und Bücher…. in jedem Zimmer außer dem Bad wohnen welche, unvorstellbar ohne.

  3. Eva sagt:

    Herrliche Schwarte. 😉 Und was bin ich froh, dass bei unserer Haushaltsauflösung seinerzeit alle Bücher auf dem Flohmarkt verjubelt wurden – Platz an den Wänden für Bilder, kein lästiges Abstauben und auch der nächste Umzug wird ein Kinderspiel. 🙂
    Das mit dem Kaffe kann ich nicht glauben…

    • Liebe Eva,
      eine Behausung ganz ohne Bücher bleibt für mich weiterhin unvostellbar. Trotz des E-Books.
      Und das mit dem Kaffee war wirklich seine Meinung…. 😉

      Mit leckerem Gruß, Peter

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.