Kühne – ganz in Familie

Rippchen aus dem Ofen

Es gibt Geschichten, die ich nicht in diesem Blog verewigen würde, weil sie im Prinzip niemand etwas angehen. Trotzdem geht das Leben manchmal seltsame Wege. Einer dieser Wege ist der meines Schwiegervaters, der am vergangenen Ostersonntag, achtzigjährig, nach einem erfüllten Leben und kurzer schwerer Krankheit starb. Diese Information geht im Prinzip niemand etwas an, weshalb ich ein bisschen mit mir gerungen habe, ob ich das hier an den Anfang stellen soll.

Das interessante daran sind aber für mich – und speziell für meine einzige Lieblingsfrau – die Erinnerungen an Ihn. Und plötzlich sind wir an der richtigen Stelle angelangt, denn obwohl mein Schwiegervater sein Leben lang Metall bearbeitet hat, kamen die Gegenstände die er herstellte, in der Produktion von Lebensmitteln zum Einsatz. Und diese sind wiederum untrennbar mit Firmennamen wie www.kuehne.de, aber auch mit Hengstenberg und Stute verbunden.

Er arbeitete nämlich sein Leben lang bei der relativ kleinen Firma ‚ten brink‘ hier in Nürnberg, wo er bereits mit 14 Jahren eine Lehre als Kupferschmied begann. Das war 1947 und meine Heimatstadt lag in weiten Teilen noch in Schutt und Asche.

Kundenspezifisches Konstruieren von Maschinen

Jahre später wurde aus der kleinen Kupferschmiede in der Südstadt ein stabiler, mittelständischer Betrieb, der Apparate zur Obst- und Gemüseverarbeitung herstellte. Es ging also bald um gewaltige Edelstahl-Trommeln und -Bottiche, in die man vorne (theoretisch) einen Kopf Rotkohl einwarf und hinten kam das fertig gewaschene, gehackte, homogenisierte, gewürzte, gekochte, und somit haltbar gemachte Produkt in einer Dose wieder heraus. – So funktioniert Konservenherstellung zwar nur für Dummies, aber der kluge Leser wird wissen was gemeint ist.

Eines der ersten Convenience-Produkte auf dem deutschen Markt

Warum ich speziell die Firma Kühne in diesem Zusammenhang erwähne, liegt daran, dass ich erst dieser Tage gelernt habe, dass es die Firma schon seit 1722 bzw. seit 1761 gibt. Und natürlich weil mein Schwiegervater gerne als Montageleiter bei Kühne und anderswo die monströsen Apparaturen mit seinem Team aufstellte, die in Nürnberg gefertigt wurden. Ich weiß zwar nicht sicher, ob er bereits 1957, als Kühne als erster Hersteller einen tafelfertigen Rotkohl auf den Lebensmittelmarkt brachte, involviert war, aber das spielt heute keine große Rolle mehr.

Die tollste Geschichte, die in der Familie kursiert und von der meine Frau noch heute schwärmt, ist eine, in der es um die Anlieferung einer Lkw-Ladung voller Konserven in ihrem Elternhaus ging. Die Entscheider und Macher in Betrieben des Wirtschaftswunderlandes Deutschland waren in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts meist hemdsärmlige Männer, die auch ihre Zulieferer und Lieferanten persönlich kannten und schätzten.

Als das Schlaraffenland kam

So geschah es, dass eines Tages – nach arbeitsreichen Wochen in der Ferne – ein goßer Lkw bei meinen Schwiegereltern vorfuhr. Ausgeladen wurden so viele Kartons und kleine Paletten mit Konserven, Soßen und andere Leckereien, wie in das Kellerabteil des Mietshauses passten, in dem die Familie wohnte. Einfach als Dankeschön an das Familienoberhaupt für geleistete Arbeit. – Und für die Kinder natürlich ein Fest. Pfirsiche aus der Dose zu schnabulieren oder im Winter ein ganzes Glas Kirschen zu verspeisen, das wäre vorher undenkbar gewesen. Toast Hawai gab es sicher satt.

Mir begegnete die Firma Kühne erst wieder genau drei Wochen nach dem Tod meines Schwiegervaters. Allerdings nicht im Supermarkt, was zu erwarten gewesen wäre, sondern wie selbstverständlich mit einem Video. Und das obwohl ich selber gar keine Videos anschaue. Außer man empfiehlt sie mir. – Ich finde den jungen Koch sehr nett. Obwohl ich nicht verstehe, warum er seine Rippchen im Ofen zubereitet. Bei dieser Hitze gehören die doch auf den Grill!

2 Antworten : “Kühne – ganz in Familie”

  1. Moin, jetzt dachte ich bei Deiner Beschreibung zuerst an die Firma Kühne+Nagel, die ja aber eher im Logistikgeschäft tätig ist. Bis ich dann darauf kam, dass Du tatsächlich die Firma Kühne, die ja im weitesten Sinn im Lebensmittelgeschäft tätig ist, meinst. Aber hurray, beide Firmen haben ihre (Haupt-)Verwaltung in Hamburg.

    Wegen des Todes Deines Schwiegervaters – nachträglich herzliches Beileid – und das Posten im Blog würde ich mir nicht so viele Gedanken machen. Das ist ganz menschlich, dass man bestimmte Überlegungen, Gedanken oder Ereignisse mit so etwas verbindet und dann vielleicht darüber schreiben will. Mein Vater ist vor einigen Jahren mit 83 Jahren verstorben, leider in den letzten Jahren zu 100 % altersbedingt behindert. Und ich selbst habe vor zwei Jahren unwissentlich genau an seinem Geburtstag – zumindest nicht an seinem Todestag – mein Foodblog ins Leben gerufen. Das ist mir aber erst letztes Jahr aufgefallen.

    Ich starte ja am 30. Mai einen Foodblog-Event zu diesem Jubiläum und hatte in dem Ankündigungspost für das Event, das ich schon einmal vorsorglich geschrieben habe, anfangs noch diesen Zusammenhang erwähnt. Dann jedoch habe ich es wieder gelöscht. Es geht niemanden etwas an und es interessiert vermutlich auch niemanden. Es ist eben eine private Sache. Nichtsdestotrotz finde ich Dein Erwähnen dieser privaten Sache mit dem Tod Deines Schwiegervaters nicht verwerflich und kritikwürdig. Ich kann es verstehen und akzeptieren. Du hast zumindest eine schöne Geschichte im Blog daraus gemacht und geschrieben. 🙂 Und seien wir ehrlich, beide – mein Vater und Dein Schwiegervater – haben doch ein beachtliches und würdiges Alter erreicht, meinst Du nicht?

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