Le Grand Bordel – Eine Buchbesprechnung


Le Grande Bordel

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Diese Buchbesprechung nimmt an einer Veranstaltung bei Facebook teil, die in einer geschlossenen Gruppe unter dem Titel Jeden Tag ein Buch vom 11.-17. November 2013 veranstaltet wird. Weitere Buchbesprechungen anderer Foodblogger werden für die Öffentlichkeit bei Arthurs Tochter gesammelt, die die Veranstaltung auch initiiert hat.

Leute die nach gelingsicheren Rezepten suchen, werden dieses Buch vermutlich nie zu sehen bekommen. Es liegt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im Eingangsbereich ihres Buchhändlers aus. Es hat keinen abwaschbaren Einband und verfügt nicht über Aufkleber die hohle Phrasen dreschen. Das Buch wurde nach allen, und doch gegen alle Regeln vieler Künste zubereitet. – Mit allem was man für ein nahrhaftes Kochbuch außer guten Rezepten sonst noch alles braucht.

Fantasie, Glück, mindestens zwei Kochplatten, einen Grill, unerschütterlichen Glauben des Teams an fast unmögliche Dinge und einen ganzen LKW voll Requisiten, die über die Alpen bis in die Provence geschaukelt werden mussten.

Irritiert sehen wir auf den Titel und fragen uns, was „Le Grand Bordel“ im Zusammenhang mit Kochen zu tun haben könnte….?

Unsere Irritation geht weiter, während wir uns durch typografisch toll gestalteten Textseiten und zahlreiche ganzseitige Fotos, in denen die schon erwähnten Requisiten zum Einsatz kamen, durch viele Geschichten blättern.

Bis wir an einer Geschichte über das Italien des 19. Jahrhunderts angelangt sind. Darin wird erzählt, die Apenninhalbinsel sei damals noch ein Gebilde aus vielen Provinzen gewesen, die den Österreichern, Franzosen, Preußen, Bourbonen, dem Papst oder den Sarden gehörten. Diesen Verhau aus Fürsten- und Herzogtümern, einst als „Le Grand Bordel“ bezeichnet, zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, gelang letzendlich aber nicht Politikern, Herzögen oder dem König.

Ein Kochbuchautor in der damaligen Zeit schaffte es, die Italiener sicher in ihrem Denken zu machen, dass Ihnen an den Kochtöpfen niemand das Wasser reichen kann und legte dadurch vielleicht sogar den Grundstein für eine eigene Nation.

Pellegrino Artusi hieß der vielgereiste Mann. Er veröffentlichte das erste Kochbuch auf dem italienischen Markt, das sich nicht an Profis wendete, die zu jener Zeit ohnehin alle französisch kochten. Es ist das allererste Buch über die Küchen der Halbinsel und den meisten ihrer Provinzen von Nord nach Süd.

Natürlich nur bis kurz hinter Neapel, wo ehrenwerte Männer nicht von einem Einheitsstaat, oder gar Recht und Gesetz behelligt werden wollen. Sie ordnen sich bekanntermaßen heute noch niemand unter, die Herren von der Cosa Nostra. (…weiter gehts nach dem Fotohinweis…)


© Fotos links: Gerd George


Weitere Geschichten in dem großformatigen Band, der in bedrucktes Leinen gebunden ist, erzählen von Dior, Picasso und den Windsors. Erst auf Seite 135 beginnt der Rezeptteil, der gar nichts mit Italien zu tun hat! Ein toll gestyltes Durcheinander!

Unter den Rezepten befindet sich sehr viel bodenständiges aus Frankreich. Angefangen bei den Tapenaden aus grünen und schwarzen Oliven, über das gegrillte Kotelett vom Iberico-Schwein auf einem roten Kartoffelpüree, bis zum Dessert, zu dem man z.B. Provencalischen Apfelkuchen mit Waldbeereneis servieren könnte.

Alle Rezepte sind verständlich beschrieben, die Zutatenlisten enthalten nur selten Dinge, für die man spezielle Geschäfte aufsuchen müsste. Für jemand der gerne kocht, ist es sicher kein Problem, eine ganze Reihe der toll dargestellten Rezepte in seinen Alltag zu integrieren.

Die Autoren des Titels „Le Grand Bordel“ sind ein Team besonderer Art. Es ist ein Koch aus der Provence (Neffe von Picassos Köchin), dazu die Betreiber der „Brasserie La Provence“ in Hamburg, die ihre liebsten Rezepte sowie eine Menge Erinnerungen aus ihren Vorratskammern holten.

Die Geschichten hat Judith Stoletzky aufgeschrieben, Gerd George schoss die opulenten Fotos. Das wichtige Styling übernahm Elke Ruess, als Art-Direktorin zeichnet Ursula Ritter verantwortlich.

Es ist also ein Buch voller Geschichten, opulenten Fotografien und Rezepten, das zwar ohne Schutzumchlag daherkommt, dafür aber mit zwei Lesebändchen ausgestattet ist. Prächtig als Geschenk geeignet.

In der Kategorie Kochen und Lebensmittel wurde das Buch im 47. Literarischen Wettbewerb der Gastronomischen Akademie Deutschlands 2013 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Dieses Buch kaufen:

Le Grand Bordel:
Ein Buch über das Essen, die Freundschaft und die Mafia, über den
Jet Set und Monsieur Nicolas, selbstbewusste Haushälterinnen,
den Kommunismus … als Picasso von der Côte d’Azur an den grauen
Elbstrand spülten
Autorin: Judith Stoletzky
245 Seiten
Verlag: Becker Joest Volk Verlag
ISBN 978-3-938100-84-4
Format: 32 x 25 x 2,6 cm
Preis: 37,00 Euro

 

8 Antworten : “Le Grand Bordel – Eine Buchbesprechnung”

  1. Sybille sagt:

    Lieber Peter,

    dieses Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste. Deine Rezension begräbt nun meine letzten Zweifel. Danke

  2. Jens sagt:

    Klingt nach einer interessanten Zusammenstellung, wenn man Deinen Ausführungen folgt. Zumindest kein Buch o Rezept an Rezept gereiht ist, das gefällt mir. Vielleicht sollte auch ich mal drüber nachdenken mir das ein oder andere Buch aus der Ecke zu gönnen, denn spannend klingt es allemal. Bisher habe ich mich da sehr stark zurückgehalten.
    Danke für den schönen Tipp!

    Gruß,
    Jens

  3. In dieses Buch würde ich zu gern einen Blick werfen. Deine kundige Rezension trägt dazu ebenso bei wie der lange Untertitel – wer möchte schließlich nicht aus einem Buch kochen, in dem Picasso, die Mafia und Dior gleichzeitig vorkommen ;-).

  4. ninive sagt:

    Wie gut dass ich „nur“ ein sizilianisches Kochbuch habe, da käme dieses Buch als Ergänzung grade recht und deine Beschreibung macht Lust- auf den Rest Italiens.

  5. Eva sagt:

    Das läuft meinem „alten“ italiener glatt den Rang ab. 😉
    Danke für die Vorstellung!

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