Apfelstrudel – in luftiger Höhe

Apfelstrudel

An anderer Stelle in diesem Blog, habe ich schon einmal zu Protokoll gegeben, sehr skeptisch zu sein, wenn mir jemand erzählt, dieser oder jener wäre der „beste“ Italiener der Stadt. Oder wenn jemand behauptet, bei der Bäckerei „Mehlstaub“ gebe es den besten Apfelstrudel und außerdem verfüge der Bäcker noch über das beste Gugelhupf Rezept der Stadt. Das würde ja voraussetzen, dass der/die Informant/In schon alle anderen Italiener besucht, und dort auch Probe gegessen hat, um anschließend solche Halbwahrheiten zu verkünden. In München sehr, sehr unwahrscheinlich. In Bad Kissingen dagegen im Bereich des Möglichen.

Selbstverständlich würde es im Falle der Apfelstrudel- oder Gugelhupf-Bewertung ebenfalls umfangreiche Tests voraussetzen, um so eine Behauptung glaubhaft zu untermauern.

Beim durchblättern unseres „Back-Ordners“, der jede Menge tolle Rezepte enthält, auf der Suche nach diesem (sehr guten) Apfelstrudel, den ich schon lange nicht mehr gemacht habe, ist mir kürzlich eine kleine Anekdote eingefallen.

Allerdings stolperte ich fast zeitgleich über die Erinnerung an einen wirklich sehr guten Apfelstrudel, den ich vor einiger Zeit im schweizerischen Arosa, im Bergrestaurant Alpenblick, gegessen habe. Obwohl ich dort nur Convenience Food erwartet hatte, war der Apfelstrudel ungewöhnlich gut. Und das auf einer Höhe von 1951 Metern!

Blick vom Restaurant Alpenblick nach Arosa
Blick vom Restaurant Alpenblick nach Arosa

Das ist zwar einerseits eine ganz ordentliche Höhe, trotzdem sitzt man recht nahe an der Erde. Anders verhält sich das beim Verzehr von Apfelstrudel in der Höhe von etwa 181 Metern über der Erde. Dort gabs auch schon mal Apfelstrudel für mich. Und das war viel beeindruckender. Den Zeitpunkt dieses denkwürdigen Ereignisses genau zu bestimmen gelang mir und meinen Schwestern, die als Zeitzeugen befragt wurden, nicht mehr, aber mit der Jahresangabe Mai 1973 liegen wir sicher nicht ganz verkehrt.

Der Olympiaturm in München war erst wenige Jahre alt, als wir vier Kinder mit unseren Eltern dort eine kleine Jause im Drehrestaurant machten. Geordert wurde unter anderem köstlicher Apfelstrudel und während wir diesen vertilgten, bemerkte mein Vater, dass er gar nicht mehr genug Geld in der Tasche hatte, um die Zeche zu bezahlen.

Das war noch in der Ära, in der es Wählscheiben und Kabel an Telefonen, und so gut wie keine EC oder Kreditkarten gab. Wir armen Schüler mussten also unsere Taschen leeren und die dort aufgefundenen Kleinstbeträge in den Hut meines Vaters werfen, den dieser von der Garderobe geholt und als Kollekte um den Tisch kreisen ließ.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir vor der eventuellen Peinlichkeit der Bezahlung mit meiner Mutter auf die Aussichtsplattform geflüchtet sind um dort den Verlauf der Dinge abzuwarten. Nachdem mein Vater aber kurz darauf wieder zu uns stieß, stand fest, dass er keinen Küchendienst verrichten musste, und das gesammelte Geld gerade so reichte….! Für uns auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis, das annähernd 40 Jahre später immer noch recht frisch im Gedächtnis herumliegt.

Jetzt aber genug erzählt, ich lege zu dieser kleinen Geschichte nur noch schnell ein Geständnis ab, dann gehts los mit dem Rezept: Wir machen unseren Strudelteig nicht selber!

Den brauchen wir viel zu selten und deshalb ist Strudelteig eines der ganz, ganz wenigen Fertigprodukte, das wir lässig im Supermarkt in den Einkaufswagen werfen. Trotzdem ist der folgende Altwiener Apfelstrudel jedesmal eine Köstlichkeit. Woher er seinen Namen hat, ist mir nicht so wichtig. Vielleicht weil Alkohol darin vorkommt und er deshalb nicht unbedingt für Kinder geeignet ist.

Rezept: Altwiener Apfelstrudel

Die Zutaten für 4-6 Portionen: * 1 Packung Strudelteig, * 750 Gramm Äpfel, * ½ Zitrone (unbehandelt), * 1 Msp. Abrieb der Zitronenschale, * 20 Gramm Butter, * 40 Gramm Semmelbrösel, * 50 Gramm Zucker, * Zimt, * 30 Gramm Rosinen, * 20 ml Rum, * 20 ml Calvados, * 60 Gramm Haselnnüsse (gehackt), * 40 Gramm Butter, * Puderzucker, * 150 ml Sauerrahm

Zubereitung: Einen Teil der Semmelbrösel in etwas zerlassener Butter hellbraun rösten.
Die Äpfel fein schneiden, anschließend mit etwas Zitronensaft, Abrieb der Zitronenschale, Zucker, Zimt, Calvados, Rum, mit den restlichen Semmelbröseln und mit den Rosinen gut vermischen und eine Stunde ziehen lassen.

Den Ofen auf ca. 160 Grad vorheizen. Den Strudelteig auf ein frisches Geschirrtuch auslegen. Etwa zwei Drittel des Teigs mit den in Butter hellbraun gerösteten Semmelbröseln bestreuen (ca. 2 cm am Rand frei lassen). Darauf wird die durchgezogene Apfelmischung verteilt (weiterhin ein Drittel des Teigs unbedeckt lassen). Nun möglichst gleichmäßig den glattgerührten Sauerrahm und ca. 60 g der grobgehackten Haselnüsse verteilen.

Das freigelassene Teigdrittel mit Hilfe eines Pinsels mit zerlassener Butter bestreichen. Nun das Geschirrtuch anheben und den Strudel gegen die freie Teigseite vorsichtig aufrollen. Die beiden schmalen Seiten verschließen. Ein Backblech leicht einfetten (oder einen Bogen Backpapier verwenden) und den Strudel mit der Teignaht nach unten auf das Blech legen. Jetzt bestreicht man ihn mit zerlassener Butter.

Den Strudel während der ca. 35-minütigen Backzeit (ca. 160 Grad) dreimal mit zerlassener Butter bepinseln.

Apfelstrudel

8 Antworten : “Apfelstrudel – in luftiger Höhe”

  1. Samuel Kargl sagt:

    Hallo!
    Bist du ein Österr. Fan. weil du doch einige Österr. Rezepte bäckst.
    Sind dir sehr gut gelungen.
    Respekt u. alles Gute weiterhin.
    Sam

  2. Sybille sagt:

    Der Teig ist wirklich nicht so kompliziert…das probierst du einfach beim nächsten Mal aus. Es gibt eh keinen besseren Kuchen als Apfelstrudel! 🙂

    http://tomatenbluete.wordpress.com/2012/02/05/apfelstrudel/

    • Liebe Sybille,
      es ist keine Frage des „könnens“ sondern meist einfach der Zeit.
      Mein Leben ist wirklich sehr vielseitig, bunt und meistens mit (zu) vielen Aktivitäten angefüllt. Da muss ich hin und wieder Prioritäten setzen 🙂
      Deshalb ist die Herstellung des Teigs bisher immer unter den Tisch gefallen.
      Danke für das Rezept. Vielleicht im nächsten Urlaub.

      Mit leckerem Gruß, Peter

  3. Marion sagt:

    Eine Packung Strudelteig? Jetzt enttäuscht du mich aber – ein Fertigprodukt in einem deiner Rezepte…tststs…und wie soll ich das jetzt machen? 🙂

    • Liebe Marion,
      soll das heißen in China gibt es keinen Strudelteig? Soll ich Dir ein Päckchen schicken?
      Um Strudelteig als Fertigprodukt ranken sich immerhin noch keinerlei Lebensmittelskandale.
      Also kein Pferdefleisch und keine Pestizide, keine Hormone und keineSchimmelpilze.
      Bisher!
      Lass es Dir gut gehen….

  4. WildeHenne sagt:

    Dass ich Deinen Post jetzt gelesen habe, grenzt an Selbstzerstümmelung. Wer ist denn auch so doof, währen einer Fastenwoche, Beiträge über Apfelstrudel zu lesen *KopfaufTischkanteknall*

    Schöne Geschichte… und dass euch als Kids das sehr unangenehm war, kann ich gut verstehen. Für Kinder sollen Eltern unfehlbar sein, alles andere ist grottenpeinlich 😉

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