Prodigy – Kevin Fehling


Prodigy – Kevin Fehling, Deutschlands jüngster 3-Sterne-Koch

Prodigy - Kevin Fehling

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Prodigy – Kevin Fehling

Alle hier dargestellten Fotos sind aus dem Buch abfotografierte Seiten.

Prodigy - Kevin Fehling

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Hinweis in eigener Sache:
Das Prodigy – Kevin Fehling wurde mir vom Verlag Edition Fackelträger zur Rezension kostenlos überlassen.

Kevin Fehling ist eine Ausnahme-Erscheinung unter den 3-Sterne-Köchen Deutschlands, von denen es auch in der neuesten Ausgabe des Guide Michelin (2016) nur zehn in unserem Lande gibt. Er ist nicht nur der jüngste, dem das gelungen ist (1977 geboren), kürzlich ist ihm sogar ein weiterer Geniestreich gelungen.

Doch der Reihe nach. Richtig begonnen hat er als eigenständiger Küchenchef, von Harald Wohlfahrt und dem Restaurant Wullenwever in Lübeck kommend, im „La Belle Epoque“ in Travemünde. Angetreten mit dem Anspruch, sich die Sterne vom Gourmet-Himmel zu holen.

In seinem ersten Jahr dort, das war 2005, wurde das Hotelrestaurant nach seinen Vorstellungen umgestaltet und er litt 2006 unter der Missachtung des Guide Michelin. Erst 2007 gab es den ersten Stern für das La Belle Epoque unter seiner Leitung. Dieser zeigte ihm immerhin, auf dem richtigen Weg zu sein.

Im Jahr 2011 gab es endlich den zweiten Stern und 2013 den überaus seltenen dritten Michelin-Stern.

Im März 2015 gab Fehling bekannt, dass er das Restaurant „La belle Epoque“ verlassen werde, um sich selbständig zu machen. Im August 2015 eröffnete er sein eigenes Restaurant „The Table“ in der Hamburger Hafen-City.

Das besondere an dem Restaurant: die Gäste sitzen an einem großen, schlangenförmigen Tisch, an dem sie bei der Zubereitung der Speisen zusehen können.

Was ihm mit „The Table“ gelang ist wahrscheinlich einmalig auf der Welt: das soeben eröffnete Restaurant wurde bereits im November 2015 – sozusagen aus dem Stand – ebenfalls mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

So viel zum Werdegang Kevin Fehlings.

Prodigy – Kevin Fehling

Im November 2014 brachte Fehling zusammen mit Thomas Ruhl sein erstes Kochbuch „Prodigy“ heraus, das nun schon ein geschlagenes Jahr auf einem Stapel zu rezensierender Bücher bei mir verbracht hat.

Thomas Ruhl schreibt zur Einleitung in dem Band: Wunderknabe kann man mit „Prodigy“ übersetzen. Darum heißt das vorliegende Buch so. Glücklicher Zufall, dass auch eine von Kevin Fehlings Lieblingsbands „The Prodigy“ war.

Ich selbst bin nur ein Hobbykoch, gelernter Schriftsetzer, Typografie-Enthusiast und kann mich sehr für schön gemachte Bücher begeistern.

Und es ist wirklich nicht einfach für mich als Foodblogger, eine schlechte Kritik über ein Buch zu schreiben, das im Laden 69 Euro kostet, mir aber kostenlos zur Verfügung gestellt wurde um etwas darüber zu berichten.

Meistens gehen solche Agreements gut. In diesem Fall ging es gründlich daneben.

Das beginnt schon bei der Selbstdarstellung Fehlings, dem in der Küche kaum jemand das Wasser reichen kann. Aber wenn ich mich nicht verzählt habe, befinden sich in dem Buch 50 ganzseitige Fotos, auf denen er selbst zu sehen ist.

Kevin Fehling, Deutschlands jüngster 3-Sterne-Koch

Was die Typografie angeht, so bestehen fast alle Texte aus nur schwer leserlichen, weil annähernd 20 Zentimeter langen Zeilen.

Dem schnell erschöpften Auge hat man nicht mal Raum an den Absätzen gegönnt, an denen sie sich wenigstens hätten orientieren können. Besonders lästig ist dieser typografische Mittelachsen-Murks in einigen komplett negativ angelegten Seiten.

Die Fotos der Gerichte in dem Buch sind von Thomas Ruhl und auf einem Niveau, das man hier erwartet. Allerdings kann man den Bildern eine gewisse Gleichförmigkeit nicht absprechen. Alle kleinen Kunstwerke der Küche sind perfekt ausgeleuchtet und zeigen die Kunst des Meisters, aber Lebendigkeit, die man von Lebensmitteln erwarten sollte? Fehlanzeige.

Auch wenn ich vielleicht durch die Bücher anderer 3-Sterne-Köche wie Sven Elverfeld oder Christian Jürgens schon verwöhnt bin: Ich habe nicht den Eindruck, hier etwas gesehen zu haben, was es nicht auch anderswo geben könnte. Von einem Mann der als Motto auf einem seiner Bilder angibt, sein Ziel sei es, kopiert zu werden, hatte ich mir mehr erwartet.

Zum Finale eine Feststellung: meine bisherige Kritik kratzt vielleicht noch zu sehr an der Oberfläche.

Was mir absolut nicht klar ist, ist die Zielgruppe, die Kevin Fehling mit diesem Buch ansprechen will.

Natürlich ist das Buch voller Rezepte, Komponenten, Zutaten. Aber mir als Hobbykoch fehlen rudimentäre Dinge in dem Buch, was die Herstellung der Speisen selbst betrifft. Es gibt keine Angaben für Grundlegendes – und kaum ein Gericht, das man alleine wegen der Idee oder der spannenden Kombination versuchen wollte, zuhause nachzukochen. – Geheimniskrämerei?

Ich gehöre also nicht zur Zielgruppe. – Aber ich habe einen Schwung Privatfotos von Kevin Fehling im Regal und sehe auf den anderen Bildern, was er so in seiner Küche treibt. Ein schöner Bildband. Nicht mehr.
 

Prodigy – Kevin Fehling – Trotzdem kaufen:

Prodigy
Von Kevin Fehling und Thomas Ruhl
Fackelträger Verlag (17. Oktober 2014)
312 Seiten, 24,7 x 28,7 cm
Gebundene Ausgabe: 69 Euro
ISBN-13: 978-3771645441

Prodigy – Kevin Fehling

1 Antwort : “Prodigy – Kevin Fehling”

  1. Ingrid sagt:

    Super geschrieben. Ich mache mir nicht viel aus Rezessionen doch hier war ich neugierig und kann nur dazu schreiben, wenn ich die Bilder hier so sehe, allein die Aufmachung dieses Buches ist für mich schon zu abgehoben.
    Ich mag Sterneküche und auch manche Sternkochbuchautoren mit den vielen Büchern die auf dem Markt sind. Einige die mir sehr gefallen und mir auch Inspirationen geliefert haben, vor allem wenn die Zutaten im Vordergrund stehen und auch bebildert sind.
    Ich bin Kochbuchfreak und danke Dir hier für diesen ehrlichen Bericht.
    Liebe Grüße
    Ingrid

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