Die Erbeeren in meiner Konfitüre kommen nicht aus China

Erdbeermarmelade muss Konfitüre heißen

Wenn ich die Fernbedienung erst einmal in der Hand habe, hat die beste Ehefrau von allen meistens verloren. Aber keine Panik, sie muss sich keine Fußballspiele oder Sportsendungen ansehen. Ich stoppe den Zapp-Vorgang durch die unzähligen Programme unseres Tuners immer dann, wenn es ums Kochen geht. Oder um Lebensmittel und allem was damit zusammen hängt.

Dabei erfährt man oft interessante Dinge. Bereits vor Jahren habe ich zum Beispiel gelernt, dass meine Erdbeermarmelade laut einer Konfitürenverordnung der EU aus dem Jahr 1982(!) in Wirklichkeit eine Konfitüre ist. Die EU-Vorschrift verbietet es, Fruchtaufstriche aus anderen als Zitrusfrüchten (im Verkauf!) als „Marmelade“ zu bezeichnen.

Was im Endeffekt bedeutet, dass die in Deutschland geltende begriffliche Unterscheidung zwischen „Marmelade“ als Aufstrich ohne sichtbare Fruchtstücke und „Konfitüre“ als Aufstrich mit sichtbaren Fruchtstückchen verpönt ist. Ob sich im Supermarkt-Alltag jemand daran hält, ist eine ganz andere Frage.

Ich weiß das auch gar nicht so genau, denn wir machen unsere Marmelade selber. Schon seit Jahrzehnten. Und fast immer pur. Denn was sollte man reifen Erdbeeren oder Pfirsichen oder Aprikosen schon beigeben, um deren Geschmack im Marmeladenglas noch zu heben oder zu verfeinern?

Jaja. Ingwer, Pfeffer, Balsamico und den ganzen anderen Sums in der Marmelade haben wir auch probiert. Ein Löffelchen davon ist auch mal lecker. Aber wer will schon ein ganzes Glas voll davon? Wenn wir also unsere Küche entern um Marmelade herzustellen, die sowieso Konfitüre wäre, weil wir immer Fruchtstückchen darin lassen, machen wir uns sehr gerne Erdbeermarmelade. EU-Sprachregelung hin oder her.

Unsere Methode zur Herstellung von Erdbeermarmelade:

Die Früchte waschen, gegebenenfalls ausschneiden, je nach Größe meistens in vier Teile schneiden und dann mit 3:1 Gelier-Zucker in einem Topf für 3-4 Stunden ziehen lassen. Also 1,5 Kilogramm Früchte auf 500 Gramm des Spezial-Zuckers. Dazu noch den Saft einer Zitrone. In der angesetzten Ruhezeit ziehen die Früchte jede Menge Saft. Erst wenn das geschehen ist, wird das Gemisch für vier Minuten gekocht und anschließend sofort in Gläser gefüllt. Ob man dann mit dem Zauberstab noch kurz in die Erdbeeren fährt, um einen Teil der Erdbeeren richtig zu pürieren oder nicht, das ist eine reine Glaubensfrage. Wir haben gerne Stückchen.

Wartet man die Ruhezeit vor dem Kochvorgang nicht ab, ziehen die Früchte nach dem Kochvorgang erst den Saft, die ganze Konfitürenmarmelade wird also wesentlich flüssiger als erwünscht!

Ziemlichen Stress hatte meine Göttergatting übrigens bei der Beschaffung der oben zu sehenden Gläser. – Marke Weck. – Form Mini-Tulpe. Die gab es vor Jahrzehnten nämlich nicht einfach im Internet zu kaufen, sondern man musste von Laden zu Laden springen um eine ausreichende Zahl der Vorratsbehälter zu ergattern. Heute würde ein Klick an der richtigen Stelle im Internet genügen.

Erdbeeren aus China?

Schwierig wird es auch für den Verbraucher, wenn er sich dagegen entschieden hat seine Marmelade selbst zu kochen. Denn dann hat er mit großer Wahrscheinlichkeit Erdbeeren aus verschiedenen anderen Ländern oder aus China in seiner gekauften Marmelade – ähhh – Konfitüre. Und die haben immerhin eine gewaltige Reise hinter sich. Der Versuch, nur regionale Produkte zu verwenden ist hier zu Ende.

Wie man im WDR-Ratgeber „Markt“ kürzlich erfahren konnte, gehören Erdbeeren zu den absoluten Lieblingsfrüchten der Deutschen. (Womit wir wieder beim Thema „zappen“ sind!) Und obwohl in Deutschland jährlich ca. 155.000 Tonnen Erdbeeren produziert werden, reicht das bei weitem nicht um den Marmeladenhunger der Bundesrepublikaner zu stillen.

Zwar mühen Sich auch Polen, Spanier, Marokkaner, Italiener, Rumänen, Türken und sogar Ägypter redlich den deutschen Erdbeermarkt mit guter Ware zu füllen. Doch de facto ist China Marktführer mit einem Anteil von ca. 80 %. Jährlich werden tiefgekühlte Erdbeeren im Wert von über 33 Millionen Euro aus China importiert und weiterverarbeitet. Und das zu einem Preis von ca. 600 Euro pro Tonne, was nur einem Drittel des Preises der deutschen Erdbeere-Tonne entspricht.

Der Erdbeer-Marmeladentest im WDR – Woher kommen die Früchte?

Den ganzen Bericht vom 3. Juni 2013 habe ich hier eingebettet. Falls das Video eines Tages nicht mehr funktioniert, hat es der WDR selber gelöscht. In dem Video ist an erster Stelle ein Test von neun verschiedenen Marmeladenmarken zu sehen. Danach folgt erst die Reportage über die Erdbeeren und den deutschen Markt. Wer also genug Zeit hat….

Erdbeermarmelade muss Konfitüre heißen

11 Antworten : “Die Erbeeren in meiner Konfitüre kommen nicht aus China”

  1. Tine Peters sagt:

    Es geht nichts über selbstgemachte Erdbeermarmelade. In meiner Marmeladenexperimentierküche hab ich auch schon folgende Varianten ausprobiert: Erdbeer- Rhabarber; Gepfefferte Erdbeere; Erdbeer-Chili…auch sehr empfehlenswert; Erdbeer-Minze – selbstverständlich auch aus dem Garten und nicht aus China!!! 😀

  2. Ingrid sagt:

    Lieber Peter,
    diese Marmelade sieht sehr fein aus und die Gläser sind der „Hingucker“. Ich finde die Gläser auch sehr schön nur das Handling, dass macht mich kribbelig und ich habe keine Geduld, deshalb nehme ich Twist-off-Gläser. Und diese schönen Weckgläser nur für wenige „Extras“:). Auch die Größe ist toll.
    Ja und diese China-Importe und alles in unserer Nahrungskette und erst kürzlich mit diesen Erdbeeren was war da noch?
    Ich bin froh das ich im Garten und Kübeln Erdbeeren habe und für mehr große Felder in der Nähe, da weis ich was ich habe und das ist ganz super.
    Viele Grüße
    Ingrid

    • Liebe Ingrid,
      eines wollte ich mit meinem Posting ganz bestimmt nicht erreichen:
      die Erdbeeren aus China generell zu verteufeln.
      Wie man in dem eingebauten Video in dem Posting sehen kann, gibt es durchaus Produktionsbetriebe, die den gleichen Standard haben wie in Deutschland/Europa.
      Mir geht es wie immer um die Saison und generell darum die Kirche mal im Dorf zu lassen.
      Wenn also die Erdbeeren auf fränkischen Feldern reif sind, werden wir sie uns von dort besorgen. Und nicht im Beutel aus der TK-Truhe kaufen.
      Aber offensichtlich werden die TK-Erdbeeren ja überall verarbeitet. Sei es zu Marmelade, Eis, den beliebten Smoothies usw. usw. usw. Wo kommen sonst die etwa 55.000 Tonnen chinesischer Erdbeeren hin?
      Leckere Grüße, Peter

  3. Eva sagt:

    Ich koche sie auch immer alle selbst, die Fruchtaufstriche. 😉 Allerdings ganz altmodisch mit dem guten 1:1 Zucker oder sogar mit Zucker und Apfelpektin. Ich habe mir mal die Inhaltsstoffe auf dem 3:1 Zucker durchgelesen und wollte sie nicht in meinem Glas haben… Außerdem sie sie mit der 1:1 Methode länger haltbar und bei den vielen Sorten ist es schon ganz schön, im März noch ein Glas Erdbeere aus dem Vorjahr im Schrank zu haben. 🙂

  4. War da nicht mal was, dass die gesamte Welternte an Erdbeeren nicht einmal den Bedarf von Deutschland decken würde? Ich kann es es jetzt nicht mehr beschwören, aber so irgendwie ging das. Was dann in den restlichen Produkten mit Erdbeergeschmack drinnen ist, will ich gar nicht so wirklich wissen.

    Ich koche immer nur so wenig Erdbeermarmelade ein, dass sie auf jeden Fall vor Weihnachten verbraucht ist. Meine kriegt dann immer so eine grau-beige-rosarote Farbe, nicht wirklich appetitlich. Machst du irgendwas, dass die Marmelade die Farbe ein Jahr lang behält?

    • Nein Turbohausfrau,
      ich gebe keine weiteren Zusatzstoffe bei. Mit der stattfindenden Farbveränderung kann ich leben.

      Mit leckerem Gruß, Peter

    • Ingrid sagt:

      Liebe Turbohausfrau das kenne ich mit der Farbe und ich finde die schmeckt dann auch nicht mehr so. Ich friere die Marmelade ein, nehme auch kleine 200 ml Gläser, auftauen und genießen.
      Die Marmelade wird gekocht aus selbst gepfückten Erdbeeren und 1:1 Zucker, etwas Zitrone, bei mir.
      Liebe Grüße
      Ingrid

  5. ninive sagt:

    Erdbeeren nur aus einem Umkreis von maximal 200 km- in Südbaden reifen sie doch noch etwas früher und kommen mit den Spargel- Büdchen vor die Haustüre, also nahezu regional. Wenns dann hiesige gibt, gibt es kein Halten mehr- das tägliche Kilo wird verputzt, gnadenlos- und wenn Zeit und Lust da ist, gibt es auch mal Marmelade- allerdings nehme ich 1:1 Zucker- davo ca 700g auf 1 kilo, etwas Zitrone, und meist noch ein Schuß Cassis- Likör, feine Unterstreichungen des feinen Aromas. Meine Oma machte immer rote Gelastine mit rein. dadurch hielt die Marmelade ihre fantastische Farbe… und schmeckte nochmal so gut.
    Kocht ihr die Gläschen dann noch ein, oder hält der Verschluß dicht wenn die Marmelade kochend eingefüllt wird? Wäre mir sehr sympathisch…

    • Liebe Ninive,
      ich nehme an Du meintest 700 Gramm (nicht 6700 Gramm) auf 1 Kilo Erdbeeren.
      Ich habe das mal eigenmächtig geändert.

      Und nein, wir kochen die Gläser nicht nochmals extra ein.
      Die Gummiringe werden feucht gemacht.
      Für etwa 12-18 Monate halten die Gläser auf jeden Fall dicht.
      Und älter wird die Marmelade ohnehin nicht.
      Ich mag die Form einfach gerne und die geringe Menge (200ml).

      Mit leckerem Gruß, Peter

      • ninive sagt:

        700 gramm… die Konzentration nach den Dienst-Nächten….
        und 200ml find ich auch eine gute Größe, da werd ich mal Ausschau halten. Wegen diverser Handicaps kämpfe ich nämlich sehr mit den Schraubverschlüssen, die meisten überleben das Öffnen nicht wenn ich mit der Spezial- Zange drangehen muß.

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