Thai Food. Ein tolles Koch- und Kulturbuch


Thai Food

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Thai Food - David Thompson

Thai Food - David Thompson

Thai Food - David Thompson

Thai Food - David Thompson

Kaum zu glauben, dass zwei ursprünglich negative Vorzeichen am Ende zu einem wirklich tollen Ergebnis führen können! – Worum es geht? Ganz einfach um dieses Buch!

Der australische Küchenchef und Autor des vorliegenden Kochbuches, David Thompson, landete nämlich ursprünglich nur wegen eines Versehens beim Buchen einer Urlaubsreise in Thailand. Seit diesem schicksalhaften Aufenthalt vor 20 Jahren, wurde Thailand mit seiner phantastischen Küche, für ihn zu einer zweiten Heimat.

Darüber hinaus hat dieses Buch den Tod zur Grundlage. Damit sind aber nicht die Lebewesen gemeint, die, in einem Kochbuch erst einmal aufgelistet, zwangsläufig, früher oder später in Töpfen und Pfannen landen, sondern die Grundlage dieses Buches ist die ursprüngliche Küche Siams, die in kleinen Toten-Gedenkbüchern weitergegeben wurde.

Ein alter Brauch sorgte dafür, dass auf Beerdigungen diese Erinnerungsstücke an die Verstorbenen unter den Trauergästen verteilt wurden, die von der Herkunft der Toten erzählten, von ihren Eigenschaften, ihren Errungenschaften und ihrem Leben. Und wenn es sich bei den Verstorbenen um Frauen handelte, enthielten die kleinen Bücher häufig Kochrezepte, speziell dann, wenn die Damen in Palästen gelebt hatten.

David Thompson wurde zum eifrigen Leser und Sammler solcher Bestattungsbücher und gewann daraus ein tiefes Verständnis für Thailands außergewöhnliche Küche. Klar ist aber auch, dass Rezepte aus Palästen ganz anders sind als die von einfachen Bauern auf dem Land.

200 Seiten Kultur und Wissen

Möglichst viele Aspekte der interessanten thailändischen Kultur einzufangen, hat sich David Tompson zur Aufgabe gemacht. Eine Aufgabe, die er, wie ich meine, in diesem Buch bravourös gemeistert hat.

Das Werk ist 672 Seiten dick und klar untergliedert. Der erste Teil des Buches, etwa 30 Seiten, geben einen kurzen Einblick in die Geschichte des Landes. Man erfährt zum Beispiel, dass der Name „Siam“, von dem niemand so recht sagen kann woher er wirklich stammt, erst im Jahr 1949 durch „Thailand“ ersetzt wurde, und, dass die Portugiesen im 16. Jahrhundert die Chilischoten nach Thailand brachten, die ja aus deren Küche heute gar nicht mehr wegzudenken sind.

Teil Zwei des Buches befasst sich, ebenfalls auf 30 Seiten, mit Kultur und Gesellschaft der Thais, dann folgen die Religionen und an vierter Stelle finden wir viel wissenswertes über den Dreh- und Angelpunkt in der thailändischen Küche, den Reis. Dabei ist der Reis nicht nur in der Küche wichtig, die Reispflanze prägt durch ihre Ansprüche die Landschaft des gesamten Landes.

David Thompson erklärt uns die wichtigsten Küchengeräte in Thailand ebenso, wie auf über 40 Seiten die Zutaten und die Zubereitung von essentiellen Dingen wie Currypasten und fermentierten Produkten.

Etwa ab Seite 190 des Buches, also für die restlichen 450 Seiten kommen dann die kochwütigen Leser voll auf ihre Kosten.

Thai Food – 450 Seiten mit Rezepten

Der Praxisteil beginnt mit den Relishes und natürlich den Suppen, die man in Thailand nicht auf den Rahmen eines westlichen Menüs beschränkt, also auf einen einzelnen Gang. Stattdessen sind sie ein wesentlicher Bestandteil des Essens.

Als Suppen-Kaspar freue ich mich trotzdem schon darauf, all die Currys auszuprobieren sowie die zahlreichen Fisch und Fleischgerichte.

Derzeit am neugierigsten bin ich auf den knusprig gebratenen Schweinebauch (muu grop – Rezept ab Seite 399) für dessen Zubereitung man am besten schon vier Tage vor dem Servieren beginnt. Das Fleisch wird zwei Tage in Salz, Zucker und Sojasauce mariniert, dann 30 Minuten gedämpft, abgekühlt, in Streifen geschnitten, die Haut eingestochen, mit Salz und Essig eingerieben und dann am besten für 48 Stunden getrocknet. Erst nach diesem Prozess wird das Fleisch in frischem Öl frittiert, bis die Schwarte Blasen wirft.

Meistens lassen die Thais, oder Meister Thompson, aber nicht die Schweineschwarte krachen. Es gibt auch die einfachen Snacks und die Rezepte der Straßenküchen zu entdecken. Vielseitig, im wahrsten Sinn des Wortes, sind die aufgelisteten Menüs. Aus der ersten Kombination lacht mit Sicherheit bald die geschmorte Makrele mit grüner Papaya (thom kem pla insri) aus meinem Kochtopf. Selbst spannende Desserts gibt es in dem Buch zu entdecken. Der Region entsprechend gibt es auch hier vieles mit Reis, frischen Früchten und duftenden Blüten. Karamellisierte Kokosklöße in Kokoscreme (kanom koh) klingt auf jeden Fall recht aussichtsreich.

Selbstverständlich sind die Fotos von Earl Carter von hoher Qualität, obwohl insgesamt festgehalten werden kann: es handelt sich hier nicht um einen Bildband. – Speziell im Rezeptteil wäre das ein oder andere Foto mehr sogar angebracht. – Auch der Druck und das kräftige, leicht glänzend gestrichene Papier sowie die ganze Verarbeitung des Buches sind zu loben.

Ein paar kleine Haken hat das Gesamtwerk trotzdem. Auch wenn man, was nun kommt, nur als typisch deutsches Jammern auf hohem Niveau einordnen sollte:
Um das Buch mit in die Küche zu nehmen ist es viel zu schön! Der dicke, pinkfarbene Schuber schützt das im gleichfarbigen Leinen(!) gebundene Buch nur im Regal. Und um es als Lektüre mit ins Bett zu nehmen, was für die ersten ca. 200 Seiten durchaus angebracht wäre, ist es viel zu schwer. Das war’s dann aber schon aus der Abteilung Kritik!

Das Hauptproblem, nach all der Begeisterung die das Buch für Thailand und seine Küche entfacht hat, wird aber nicht der Leser haben, sondern die/der Hobbyköchin/Hobbykoch damit, einige wichtige Produkte zu bekommen, die in den Rezepturen verlangt werden.

Trotz der kleinen Einschränkungen und des stolzen Preises (75 €) empfehle ich „Thai Food“ bedingungslos zum Kauf. So viel fundierte Information über die Esskultur eines fernen Landes, in Kombination mit einer Unmenge toller Rezepte, findet man wirklich nur sehr selten.

Eine gute Quelle für asiatische Lebensmittel in Nürnberg ist übrigens der in einem Hinterhof versteckte, „Dung La Asia Supermarkt“ in Nürnberg (Stadtteil Eibach), Jägerstraße 57, Telefon 0911/6494968.
KORREKTUR 2015:
Das oben genannte Geschäft befindet sich jetzt als Asia Supermarkt Lebensmittelhandel, in der Waldstraße 38, 90763 Fürth. Die Telefon-Nummer ist gleich geblieben: 0911/6494968.

 

Das Buch direkt bei Amazon bestellen:
Thai Food
David Thompson
674 Seiten, EUR 75,00
Collection Rolf Heyne
26,2 x 18,5 x 6 cm

 

3 Antworten : “Thai Food. Ein tolles Koch- und Kulturbuch”

  1. Dzoli sagt:

    Ich liebe solcher Buecher die auch Mehr denn nur Rezepten haben:)

  2. Sarah sagt:

    wow, das klingt spannend: ein rezeptbuch, welches nicht nur blind leckerein auflistet, sondern dazu auch was dazu zu berichten hat. super idee! 🙂

  3. Peter sagt:

    Diese „Bibel“ ist ein Muss für jeden Thai-Koch. Thompson ist für eine absolut authentische Thai-Küche bekannt. Die englische Version des Buches ist oft unter 30 € zu haben.
    Die Produkte erhält man oft auch in vietnamnesischen Läden. In Nürnberg fällt mir als Einkaufsadresse die GVS in der Lehrberger str. 12 ein. Außer Gemüse erhält man dort ziemlich alles.

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