Mit Wilhelmine von Bayreuth im Schlosspark Eremitage

Mit Wilhelmine von Bayreuth im Schlosspark Eremitage

Obwohl wir goldene Oktobertage, sofern sie aufs Wochenende fallen, stets gerne in heimischen Weinbergen verbringen, hat es uns in diesem Jahr ins Oberfränkische, zu Wilhelmine von Bayreuth gezogen. Ziel war wieder einmal der tolle Schlosspark Eremitage vor den Toren der Stadt. Dort wird man konfontiert mit Kunst, Kultur, Geschichte und jeder Menge Natur! – Ein #KulturBlick

Die Eremitage ist ein herrlicher Park mit dem Alten Schloss, verschiedenen anderen Gebäuden, dazu das Neue Schloss, dessen Bau die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth in Auftrag gab.

Viele Menschen, einschließlich meiner eigenen Enkelkinder, sagen meist, Geschichte sei doof. Denn die Menschen um die es darin geht, sind ja schon tot. Das ist zwar bei Wilhelmine nicht anders, aber immerhin war sie einst eine echte Prinzessin.

Mein #Kulturblick, der Teil einer Blogparade sein soll, besteht deshalb nur aus herbstlichen Bildern und ein gestrenger Deutschlehrer würde deswegen vermutlich (fett rot) an den rechten Rand kritzeln: Thema verfehlt!

Geschrieben wird nichts über Barock und Rokoko, Malerei und Gartenkunst, sondern nur ein kleines bisschen darüber, welchen Hintergrund Wilhelmine von Bayreuth hatte. Das ist interessanter als man vielleicht erwartet hätte und womöglich wissen viele Bayreuther, die „ihre“ Wilhelmine verehren, nichts davon. Für mich auf jeden Fall echte Heimatkultur!

Beim durchblättern ihrer Memoiren (die übrigens auch in der heutigen Zeit noch recht gut lesbar sind was die Sprache angeht) und der Suche in weiteren Quellen, sind mir etliche Menschen und Themen aufgefallen, die ich so nicht kannte. Deshalb muss ich zunächst ein paar Personen vorstellen.

In der Eremitage, bei Wilhelmine von Bayreuth

Wilhelmines Opa…

…war eigentlich Friedrich III. (Markgraf von Brandenburg), krönte sich aber selber zum König in Preußen und nannte sich fortan Friedrich I. in Preußen!

Um diesen Titel zu erhalten, benötigte er die Erlaubnis von Kaiser Leopold, der ihm zwar die Krone gönnte, dafür allerdings eine Unsumme Geldes, zuzüglich enormer Verpflichtungen für die Zukunft einforderte.

Trotzdem gelang es dem frisch Gekrönten, seine recht weit verstreuten und unzusammenhängenen Territorien des entstehenden brandenburg-preußischen Staates zu einem halbwegs stabilen Gebilde zu formen, das fortan zu verteidigen war.

Tiefer zu gehen würde an dieser Stelle nur all jene verstören, die im Geschichtsunterricht Jahreszahlen zu lernen schon immer hassten. Dabei sagt uns ein Blick auf das Kalenderjahr der Krönung: wir schreiben gerade erst 1701.

Der Papa und die Mama

Wilhelmines Vater war Friedrich Wilhelm I. von Preußen, genannt Soldatenkönig (1688-1740). Er war ein echtes Arbeitstier, der nichts mit höfischem Gepränge am Hut hatte. In Geschichtsbüchern sagt man ihm nach, er gehörte zu den fleißigsten Monarchen der Weltgeschichte. In täglicher stunden-, oft nächtelanger Schreibtischarbeit prüfte er die von den Ministern einlaufenden Berichte und traf meist alleine die nötigen Entscheidungen.

Vielleicht ein interessanter Aspekt der damaligen Epoche: Friedrich Wilhelm trieb als Kind jede Menge Schabernack, seine Mutter verwöhnte ihn, erzogen wurde er aber von einer Hugenottin, die zeit ihres Lebens kein Deutsch lernte. Wie die meisten seiner Standesgenossen sprach Friedrich Wilhelm daher ein schlechtes, einfaches Deutsch, durchsetzt mit vielen französischen Worten!

Friedrich der Große und seine Schwester Wilhelmine von Bayreuth

Wilhelmine mit ihrem Bruder Friedrich Gemälde von Antoine Pesne

Was soll man sagen: die Nächte im Winter waren lang, im Schloss war es zugig und kalt. Wohl dem, der ein gemütliches Bett mit einem lieben Weib darin sein eigen nennen konnte. Im Fall von Friedrich Wilhelm war das seine Cousine – Sophie Dorothea von Hannover (1687–1757) – ihres Zeichens Tochter des Königs Georg I. von Großbritannien. Das ist wichtig zu wissen, denn die englische Herkunft ihrer Mutter sollte noch Folgen für Wilhelmine haben.

Etwas überspitzt formuliert könnte man sagen: Kaum lag der König im Bett, schon war die Königin schwanger. Immerhin gingen aus der Ehe 14 Kinder hervor, von denen aber drei im ersten Lebensjahr verstarben.

Wilhelmine (1709–1758) war deshalb das Älteste Kind der Familie. Berühmter als sie selbst wurde allerdings ihr Bruder Friedrich (1712–1786 – der eiserne Fritz), als Friedrich II. später König von Preußen. Die Geschwister standen sich lange Zeit sehr nahe, es gibt sogar einen literarisch interessanten Briefwechsel der beiden.
(‚… solange wir zu zweit sind.‘
Friedrich der Große und Wilhelmine Markgräfin von Bayreuth in Briefen.)

Die misshandelte Prinzessin Wilhelmine

Die besten Partien möglichst früh vom Heiratsmarkt zu schnappen, war in der Welt des Adels schon immer ein probates Mittel um Macht und Einfluss des eigenen Hauses zu steigern. Die erst achtjährige Prinzessin Wilhelmine wurde deshalb mit ihrem Cousin Friedrich verlobt, der selber erst zehn Lenze zählte, aber 15. Prince of Wales war und weiteren Titel-Firelfanz vorweisen konnte. Dass der Junge ein Sohn des englischen Königs Georgs II. von Großbritannien war, machte den Plan so reizvoll.

Wie es in Familien außerdem häufig zu beobachten ist, sind sie gerne ein Hort von Zwistigkeiten. Im Fall von Wilhelmine ging es um die auseinanderstrebenden Interessen Ihrer Eltern. Trotz der Verlobung wünschte König Friedrich Wilhelm eine Verbindung seiner ältesten Tochter mit den Habsburgern, während seine Frau Sophie stets die Verwandten des englisch-hannoveranisches Königshauses präferierte.

Zusätzlich intregierten im Hintergrund noch zwei Minister des Königs, die weitergehende Interessen und Pläne für Wilhelmine verfolgten.

Wilhelmine von Bayreuth

Das Kindermädchen – die Leti

An dieser Stelle spielt deshalb das rabiate Kindermädchen „Leti“ für Wilhelmine eine Rolle, die die beiden Minister bzw. Vertrauten des Königs darüber informieren sollte, was die Eltern zum Thema Heiratspläne zu sagen hatten.
Leti versuchte die Gespräche der Eltern aus dem Kind zu pressen, was Wilhelmine in Ihren Memoiren unter anderem so beschreibt:

…denn ich fürchtete die Leti wie das Feuer, sie schlug und mißhandelte mich sehr oft.

Und gleich ein paar Zeilen weiter:

…Ich gab ihr die Antwort, welche die Königin mir vorgeschrieben hatte. Sie genügte ihr nicht, und sie stellte mir so viele Fragen, daß ich in Verwirrung geriet. Sie war zu schlau, um nicht zu merken, daß ich unterwiesen worden war; und um es zu erfahren, überschüttete sie mich mit Zärtlichkeiten. Aber da sie durch Güte nichts bei mir ausrichtete, geriet sie in einen gräßlichen Zorn, schlug mich auf den Arm und stieß mich die Estrade hinab.

Meine Gelenkigkeit bewahrte mich vor einem Fall, und ich kam mit ein paar Beulen davon. Die Szene wiederholte sich am folgenden Abend, nur mit viel größerer Heftigkeit; sie warf mir einen Leuchter an den Kopf, der mich hätte töten können; mein Gesicht war ganz blutig, und mein Geschrei rief die gute Mermann herbei, die mich den Händen dieser Megäre entriß und ihr drohte, die Königin zu benachrichtigen, wenn sie nicht anders mit mir verführe….

Quelle: Wilhelmine von Bayreuth, Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (German Edition) (S.36-37). Projekt Gutenberg-DE.

Dass es einer Prinzessin am preußischen Hof so ergehen konnte, erschien mir bisher unvorstellbar. Jedoch, ein paar Seiten später schreibt Wilhelmine:

…Der Anfang des Jahres 1721 ließ sich so schlimm an wie das vorhergehende. Meine Drangsal dauerte noch immer fort. Die Leti wollte sich für die Weigerung der Königin rächen; und da sie fest entschlossen war, mich zu verlassen, wollte sie mir noch einen Denkzettel hinterlassen.

Ich glaube, sie hätte mir am liebsten einen Arm oder ein Bein gebrochen; nur wagte sie es nicht, aus Furcht, daß es herauskommen würde. So tat sie denn, was sie nur konnte, um mir das Gesicht zu verderben, gab mir Faustschläge auf die Nase, daß ich manchmal davon blutete wie ein Ochse…

Quelle: Wilhelmine von Bayreuth, Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (German Edition) (S.45-46). Projekt Gutenberg-DE.

Wilhelmine von Bayreuth

Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth

Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth

Selbstverständlich würde es den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wollte man über das restliche Leben der preußischen Königsfamilie weiter im Detail informieren. Zum Beispiel Details zur Katastrophe, die sich 1730 ereignete. Diese hat mit ihrem Bruder Friedrich zu tun, weshalb wir das hier nicht weiter vertiefen wollen.

Nur so viel: Das was man am Hofe damals als „die englische Affäre“ bezeichnete, nämlich die Heirat Wilhelmines mit ihrem Verlobten aus Kindertagen, kam nicht zustande, weshalb Wilhelmine 1731 mit dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth verheiratet wurde.

Obwohl sie sich mit ihrem Gemahl recht gut verstand, fühlte sie sich im bäuerlichen Bayreuth unzufrieden und abseits der großen Welt.

Zum Ausgleich widmete sie sich umso intensiver der Kunst und schuf sich einen Musenhof, den sie als Gegenstück zu dem ihres Bruders in Potsdam betrachtete. An erster Stelle standen Musik und Literatur, aber auch mit Bau- und Gartenkunst beschäftigte sich die Markgräfin. Später beteiligte sie sich auch an der Modernisierung des kleinen Landes.

Die Eremitage schenkte ihr der Markgraf zum 35. Geburtstag. In den folgenden Jahren baute sie diesen Landschaftspark zu einem wahren Kleinod aus. Er zählt noch heute zu den bekanntesten und schönsten Gartenanlagen Deutschlands im Barockstil. Besonders im goldenen Oktober.

Der Schlosspark Eremitage im Herbst

Mit Wilhelmine von Bayreuth im Schlosspark Eremitage

INFOS: Das Neue Schloss in der Eremitage wird zu musealen Zwecken genutzt und kann nur bei einer Führung besichtigt werden. Im Ostflügel des Neuen Schlosses gibt es ein Café und einen Museumsshop. In den Sommermonaten finden regelmäßig Kunstausstellungen, Aufführungen der Studiobühne Bayreuth und das Sommernachtsfest statt. Das Zentralgebäude sowie der Sonnentempel können für private Feiern angemietet werden.

Die Wasserspiele vor dem neuen Schloss sind nur von Mai bis Oktober zu bewundern. Sie dauern ca. 6-7 Minuten und starten von 10 bis 18 Uhr zu jeder vollen Stunde.

Die Wasserspiele an der unteren Grotte beginnen jeweils von 10:15 bis 17:15 Uhr


Blogparade Kulturblick #KultBlick

Das Archäologische Museum Hamburg lädt zur Blogparade ein. Das Thema: „Verloren und wiedergefunden?! – Dein Kulturblick“. Beiträge können noch bis 22. Oktober 2017 eingereicht werden.
Die Initiatoren der Blogparade des Archäologischen Museums Hamburg.
Tanja Praske (Mitorganisatorin): Wie blicke ich auf Kultur? // 28.09.2017

Mein erster eigener Beitrag: Mein Kulturblick als Endverbraucher | #KultBlick // 04.10.2017

2 Antworten : “Mit Wilhelmine von Bayreuth im Schlosspark Eremitage”

  1. Hach, was für ein schöner Post am Dienstagvormittag, lieber Peter! Ich liebe es, wenn du jenseits deiner Kochtöpfe schaust, wobei diese Zeit hier sicherlich einige Schmankerl zu bieten hätte. Gut, den Biberschwanz darfste heute nicht mehr verarbeiten 😉

    Ich reiche deinen Beitrag auch mal an die Schlösserverwaltung weiter. Die wird sich sicherlich darüber freuen. Wunderbare Herbstbilder zeigst du uns – merci!

    Herzlich,
    Tanja

    P.S.: Dr. Peter Peter schreibt einiges über kulturhistorisches Essen. Vielleicht gibt es Anregungen für dich bei ihm. Er schrieb zum #Lustwandeln in Schleißheim 2016 einen Gastartikel bei mir, der vielleicht für dich spannend ist: https://www.tanjapraske.de/kultur-erleben/kulturgenuss/frisches-obst-alte-sorten-edle-sorten-lustwandeln/.

    • Danke Tanja,
      den Biberschwanz habe ich mir schon angeschaut.
      Bin mir aber nicht sicher ob der in meinen Kochtopf passen würde 😉

      Die Bilder sind leider alle sehr pixelig, da meine Kamera am Ende einen Softwarefehler produziert hat und alle Fotos in dieser seltsamen Qualität überschrieben hat.
      Keine Ahnug was da los war. Aber da die Mühe schon gemacht war, habe ich sie trotzdem verwendet.

      Frisches Obst und alte Sorten?

      Werde ich gleich lesen!

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