Sauerei im Backofen

Lebkuchenhaus in Nürnberg

Manchmal fallen mir Sachen ein, von denen ich mir gar nicht sicher bin, ob es Sinn hat, sie in meinen Blog zu schreiben. Aber nur ein Rezept nach dem anderen rauszuhauen, das macht mir auf die Dauer keinen rechten Spaß. Deshalb streue ich gerne Bilder von Reisen oder andere Geschichten hier ein. Sie müssen gar nicht unbedingt spektakulär sein. Schließlich leben wir schon im Zeitalter der Superlative, da begnüge ich mich gerne mit Kleinigkeiten, die heute vielleicht übersehen oder nicht mehr wertgeschätzt werden.

Und da ich schon ein gewisses Alter erreicht habe, kann ich manchmal von „damals“ erzählen. Also aus einer Zeit, in der angeblich alles besser war…! Was übrigens definitiv nicht stimmt.

Es gibt aber Dinge, die sich nie zu ändern scheinen. So begegnete mir bei meinem letzten Besuch auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt wieder mein liebster Backofen. Es ist zwar gar kein echter solcher (siehe Bild oben), aber es gab eine Zeit, da freute ich mich irre über das kleine schwarze schmiedeeiserne Türchen und die kleine Abgrenzung, in die nur Kinder passen, die klein genug sind. Und ja, das war ich auch einmal.

Erinnerungen die weit zurückreichen trügen ja eventuell, aber ich denke, dass das Lebkuchenhaus einer bekannten Nürnberger Lebküchnerei schon vor über 50 Jahren alljährlich dort aufgebaut wurde. In der Zeit, von der hier die Rede ist, eventuell noch von einer anderen Lebkuchen-Firma, aber das spielt für mich keine Rolle. Das Häuschen ist immer noch da, und zu bestimmten Zeiten können sich kleine Kinder noch heute dort anstellen, eine kleine Klappe geht auf, und es fällt ein kostenloses Päckchen mit Lebkuchen heraus (Zeiten siehe nächstes Foto). Reines Marketing also.

Hänsel und Gretel noch immer Allgemeinbildung?

Dass auf der anderen Seite des „Hexenhäuschens“ ganz schnöde Lebkuchen verkauft werden, hat mich damals nicht interessiert. Alleine schon die Bezeichnung Lebkuchen- oder Hexenhaus ließen bei einem Kind wie mir Assoziationen aufkommen, die sofort in den tiefen Wald von Hänsel und Gretel führten und die böse Hexe auf den Plan riefen.

Am Hexenofen

Hatte ich meine Lebkuchen dort ergattert, war mein Christkindlesmarkt-Besuch gerettet und ich war froh der Hexe entronnen zu sein, die in meiner Phantasie selbstverständlich nur einen guten Tag hatte und mich mit den anderen Kindern anlocken wollte! – Hegt ein modernes Kind noch solche Gedanken?

Vermutlich nicht, denn in modernen Wohnungen steht der CD-Player im Kinderzimmer und womöglich ein TV-Gerät. Da ist eine echte Oma mit dem Märchenbuch, das so grauenvolle Geschichten enthält, gar nicht unbedingt gefragt.

Aber nicht nur der Alltag hat sich gewandelt. Auch unsere Behausungen haben sich in den letzten Jahrzehnten derart verändert… man denke nur an den Möbelkauf! Wer schleppte bitte früher seine Möbel in Kartons selber nach Hause – womöglich sogar ganze Küchen?

Immerhin weht in den Küchen dieser Welt durch Umluft im Backofen und mächtigen Dunstabzugshauben meist ein recht frischer Wind! War der weiße Elektroherd mit vier Platten einst eine tolle Errungenschaft, den man zunächst mit dem alten Küchenbüffet und später mit anderen einfachen Küchenmöbeln kombinieren konnte, ist man inzwischen längst beim schicken Einbaubackofen angelangt, der mit Edelstahldesign ausgerüstet zu vielen modernen Fronten der heutigen Küchen passt.

Das beste an einem Einbaubackofen ist natürlich, dass man ihn autark an beliebigen Stellen in eine Einbauküche integrieren kann. Man muss also keine Rücksicht mehr auf das übliche Set aus Kochfeld und Backofen nehmen. Ein 90cm breites Cerankochfeld an einer Stelle in der Küche zu betreiben und den modernen Backofen von Bosch in der Einbauküche auf Griffhöhe an der anderen Wandseite, ist null Problem und erleichtert viele Arbeitsabläufe beim Kochen enorm.

Was vor dem Kauf eines Backofens unbedingt noch geklärt werden muss, ist die Frage: Pyrolyse oder nicht Pyrolyse! Womit wir wieder beim Thema sind: Früher war nämlich doch nicht alles besser! Die beste Ehefrau von allen und ich selbst bereuen es seit Jahren, keinen Backofen mit Selbstreinigungsfunktion gekauft zu haben.

So war das damals

Eine weitere Kindheitserinnerung, die mir ebenfalls vor nicht allzulanger Zeit begegnete und die ganz gut hierher passt, ist ein Herd, wie er einst in der Küche meiner Eltern stand. Vom Einbaubackofen gab es damals noch keine Spur! Den unten abgebildeten Herd mit Backofen entdeckte ich zwar in einem Haus, das jahrelang nicht benutzt wurde, aber vom Typ her könnte es der meiner Mutter sein. – Die ihn selbstverständlich nicht so verschmutzt zurückgelassen hätte. – Männerhaushalt eben!

Herd mit Backofen
Herd mit Backofen aus grauer Vorzeit

Mir ist es vollkommen unbegreiflich, wie man in so einem Ofen überhaupt irgend etwas braten oder backen konnte. Offenes Feuer, beziehungsweise die Hitze in diesen alten Herden zu regulieren? Die Weihnachtsgans? Den Stollen? Die Plätzchen? Wie konnte das nur gelingen? – Ich muss meine Mutter anrufen und sie fragen, wie man das damals bewerkstelligt hat.

Heutzutage findet man Temperaturangaben in Sous-vide Büchern, die sich lesen wie folgt:
> Rindfleisch-Kerntemperatur
> Blutig (rare) 51,5°C / Englisch (medium-rare) 54,5°C / Medium (medium) 60°C

Will man ein 35 mm dickes Stück Rindfleisch mit der Sous Vide Methode „medium“ bekommen, so dauert das laut Gar-Tabelle 1 Stunde und 36 Minuten, vorausgesetzt, das Fleisch hat beim Start des Vorgangs drei Grad. Die Temperatur des Wasserbades muss dabei 0,5 Grad höher sein als die gewünschte Kerntemperatur.

Allerdings verspüre ich keinerlei Lust auf eine Weihnachtsgans, die mit der Sous-vide Methode zubereitet wäre. Da nehme ich doch mit dem spritzenden Fett und der ganzen Sauerei im Backofen vorlieb und kaufe uns bei nächster Gelegenheit einen Herd mit Pyrolyse! Bis es so weit ist wird eben von Hand geschrubbt.

Zum Abschluss noch zwei kleine Späße die zwar schon alt, aber immer wieder unterhaltsam sind

1) Lässig Kochen mit Joe Waschel – Ein Weihnachtsspecial

Wer 12 Minuten Zeit, und gern gute Laune hätte, sollte sich dieses Video ansehen. Günter Grünwald, alias Joe Waschel in einem nicht mehr neuen Weihnachtsspecial mit seiner damaligen Partnerin Monika Gruber. Als Gast brät Alfons Schuhbeck eine Ente. – Was für ein Spaß!

2 ) Mr Bean – Christmas Turkey

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.