GenussErbe – geschützte Produkte auf den Tisch

Biene mit Bienenstock - Fotomontage

Kürzlich wurde ich durch eine Schar VolontärInnen und Volontäre auf ein sehr interessantes Thema aufmerksam. Da ich zufällig im selben Verlag mit den Damen und Herren arbeite, trifft es sich hervorragend, dass man deren Idee in meinem Blog weiterspinnen kann. Dazu muss nur eine einzige Frage an die LeserInnen und vor allem an die anderen FoodbloggerInnen da draußen gestellt werden:
Wer kennt Produkte aus seiner eigenen Region, die im weitesten Sinn etwas mit Essen und Trinken zu tun haben und in bestimmter Form von der EU geschützt sind?

Meine jungen KollegInnen haben jeden Stein in Franken umgedreht und kamen schließlich zu dem Ergebnis: außer den Nürnberger Bratwürsten und den Nürnberger Lebkuchen, gibt es relativ wenige Produkte in der näheren Umgebung, die eines der begehrten EU-Siegel erhielten.

Drei im WegglaSo fragen sich die restlichen Franken, warum die ebenso traditionelle fränkische Bratwurst nicht geschützt ist…! Die Antwort ist einfach. Für die arme Fränkische hat sich bisher noch kein Schwein mit Nachdruck eingesetzt. Für die echten Nürnberger hingegen tritt seit 1998 der Schutzverband Nürnberger Bratwürste e.V. auf EU-Ebene ein.

Die erste per Siegel geschützte Bratwurst der Welt liefert jedoch weiterhin Anlass für Diskussionen: Fränkische Schweine müssen es für die Nürnberger nämlich nicht sein – auch international produziertes Fleisch darf im Brät verwendet werden.

Geschützte Produkte mit EU-Siegel in Franken

KarpfenDie geschützte geographische Herkunftsangabe „Aischgründer Karpfen“ haben sich die Teichwirte in meiner Region erkämpft. Ein Prozess, der gute zehn Jahre lang durch die Mühlen der EU-Bürokratie gemahlen wurde, ehe es im Jahr 2012 endlich so weit war.

Weitere geschützte Lebensmittel/Produkte in meiner Gegend sind:
– Fränkischer Spargel,
– Kulmbacher Bier,
– Bayerischer Meerrettich,
– Schwäbisch-Hällisches Schweinefleisch,
– Spalter Hopfen,
– die schon erwähnten Aischgründer und die (nahen) Oberpfälzer Karpfen,
– dazu die Frankenkarpfen und
– die Kartoffelsorte die um Bamberg großgezogen wird, die berühmten „Bamberger Hörnle“.

Fränkischer SpargelEs gibt aber auch ein Beispiel, bei dem es noch nicht geklappt hat, mit der Zuweisung eines EU-Siegels. So haben die drei bayerischen Imkerverbände bei der Europäischen Union schon 2010 beantragt, dass der süße Nektar aus dem Freistaat künftig als geschützte geografische Angabe gilt (deshalb die Biene oben).

Dazu muss man wissen, dass Bayern die meisten Imker, die meisten Bienenvölker und die höchste Bienendichte Deutschlands aufweisen kann. In den drei Imkerverbänden, die das Schutzvorhaben gestartet haben, sind rund 28.000 Imker organisiert. Sie halten ein Drittel der deutschen Bienenvölker.

Da die EU auch die Zusammensetzung der Produkte prüft, die ein Siegel wünschen, wurde der Antrag der Imker bisher abgelehnt. Denn das Ergebnis besagt: Der Honig ähnelt dem Honig aus Nordfrankreich, da beide Gebiete auf dem selben Breitengrad liegen.

Blogevent mit Anspruch:
Geschützte Produkte – oder jene die es werden wollen – auf den Tisch

Meine Aufforderung an alle TeilnehmerInnen ist trotz der langen Einleitung gar nicht so komplizert:
Wer weiß etwas über schützenswerte Lebensmittel / Produkte / Getränke, am besten in der eigenen Region (einigen wir uns auf 50-100 Kilometer im Umkreis?), in der er/sie lebt. Und kann uns (in Form eines Blogbeitrags) dazu etwas berichten, etwas kochen, ein Getränk auf den Tisch stellen.
Einzige Voraussetzung: es sollte sich um ernsthafte (echte) Bemühungen der Antragsteller handeln und nicht nur um Wunschdenken, auch Produkte mit laufenden Verfahren sind gerne gesehen.
Ansonsten dürfen natürlich auch Produkte aus anderen Landesteilen und EU-Staaten verwendet werden.

Franken dürfen selbstverständlich die bereits genannten Produkte zum Einsatz bringen, wer gar nicht weiß, woher er die Information überhaupt nehmen soll, empfehle ich diese Seite (Karte) und diese Seite als Ausgangspunkt.

Die EU-Siegel und ihre Bedeutung

Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)
Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung: Die gesamte Produktion eines Lebensmittels muss in einer bestimmten Region und nach einem festgelegten Verfahren erfolgen.
Ein Beispiel aus meiner Region ist das Hopfenanbaugebiet im Süden Nürnbergs. Dort wächst der „Spalter Hopfen“. Vom Rohhopfen bis zur fertig abgepackten Dolde – all diese Schritte nehmen die Hersteller in Spalt oder in dem 50 Kilometer entfernten Kinding selbst vor.

Geschützte geografische Angabe (g.g.A.):
Geschützte geografische Angabe (g.g.A.)Nur eine der Produktionsstufen Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung muss in einer bestimmten Region erfolgen. Die Inhaltsstoffe dürfen beispielsweise aus anderen Gegenden kommen. Grundsätzlich braucht das Lebensmittel eine enge Verbindung mit dem Herkunftsgebiet. Bekanntestes Beispiel sind die Nürnberger Bratwurst und der Nürnberger Lebkuchen, die beide in Nürnberg hergestellt werden müssen. Beide Produkte sind sehr eng mit der Stadt verbunden, weil sie hier schon seit Jahrhunderten produziert werden.

Garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.):
Garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.)Das Produkt muss eine traditionelle Zusammensetzung vorweisen oder auf traditionelle Weise hergestellt oder verarbeitet werden. Es spielt keine Rolle, wo das Nahrungsmittel produziert wird. Damit es als „traditionell“ gilt, muss es mindestens 25 Jahre auf dem europäischen Markt sein. Der Serrano-Schinken genießt diesen Schutz – bisher gibt es aber noch kein deutsches Produkt mit dem Siegel.

Quelle der Abbildungen: Wikipedia „EU-Gemeinschaftszeichen gU“ von Kommission der Europäischen Gemeinschaften – Verordnung (EG) Nr. 628/2008 der Kommission (PDF); Lizenziert unter Logo über Wikipedia.

Wichtiger Hinweis:
Am Ende des Blogevents gibt es auf dieser Webseite wieder eine Zusammenfassung (Beispiel siehe Spargel-Blog-Event Duell der Köpfe). Für die Zusammenfassung werden – soweit vorhanden – Bilder aus den eingereichten Beiträgen zur Illustration verwendet. Mit der Bekanntgabe Deines Beitrags über das Kommentarfeld unten, erklärst du Dich damit einverstanden, dass eines Deiner Bilder in kleinerem Format auf der Zusammenfassungs-Seite in meinem Blog eingebaut wird.

Zur Teilnahme genügt es, einen kurzen Kommentar mit einem Link auf den Beitrag in Deinem Blog hier zu hinterlassen. – Einsendeschluss ist Samstag, der 2. Mai 2015 um 23:59 Uhr
 

Blogevent: Geschützte Produkte mit EU-Siegel

Blogevent: Geschützte Produkte mit EU-Siegel

Hier die Bannercodes zum Mitnehmen:

Hochformat 130×250:

Querformat: 450×90:

 

Die beiden Artikel, die meine KollegInnen verfasst haben, sind leider nur in einer iPad-App zu finden. Oder im Internet unter http://www.samson-magazin.de/, allerdings hinter einer PayWall.

 

 

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18 Antworten : “GenussErbe – geschützte Produkte auf den Tisch”

  1. Barbara sagt:

    Ich hab’s zeitlich nicht geschafft, etwas neues auf die Beine zu stellen, daher nur ein Hinweis aufs Archiv: Kartoffelklöße! Für mich etwas typisch fränkisches! So als Spätzlekind war das für mich früher ein Erlebnis, dass man anderswo große Klöße bekommt, aus Kartoffeln, total exotisch! 😉
    Die Nürnberger sind wieder ganz anders als die im Frankenwald, darüber habe ich letzten Herbst hier geschrieben: http://barbaras-spielwiese.blogspot.de/2014/11/kartoffelkloe.html

  2. Tilo sagt:

    Blinder Alarm. Der 1. Kommentar zählt!

  3. Tilo sagt:

    Moin,moin!
    Hier mein Event-Beitrag aus dem hohen Norden. Schnüsch. Von der Jahreszeit her noch etwas früh. Man kann also die Vorfreude auskosten und sich schon mal etwas hineinlesen.
    Beste Grüße von der Flensburger Förde
    Tilo

  4. Tilo sagt:

    Moin,moin!
    Hier mein Beitrag aus dem hohen Norden: Schnüsch. Eigentlich noch etwas früh, aber der Sommer kommt und dann gibt’s Gemüse satt. Bis dahin ist Vorfreude angesagt, und man kann sich ja schon mal ein bisschen reinlesen 😉
    http://allerbesterkram.de/?p=2193
    Beste Grüße aus dem Norden
    Tilo

  5. Barbara sagt:

    Hallo Peter, mein Beitrag führt tief ins Westfälische. Es gibt Pumpernickel-Klößchen und Westfälischen Knochenschinken. Viel Spaß damit!

    http://xn--schlecktre-heb.de/westfaelisches-abendmahl-mit-pumpernickel-schinken/

  6. Ulrike sagt:

    So, hier kommt der Beitrag aus Schleswig-Holstein von der Kieler Förde: Holsteiner Katenschinken mit Spargel, Pellkartoffeln und Butter

  7. Daniela sagt:

    Von mir gibts ein wenig Flüssignahrung: http://leberkassemmel.blogspot.com/2015/04/munchen-und-seine-biere.html
    Mal schaun, ob ich demnächst noch weitere Teile zu dem Thema.
    Viele Grüße,
    Daniela

  8. Doc. Eva sagt:

    Hi, nicht regional, dafür aber ebenso authentisch: Ich habe mit Jamón Ibérico gekocht.
    http://dental-food.blogspot.de/2015/03/schubi-dubi-du-cup-cup-cup.html

  9. Tilo sagt:

    Moin, moin!
    Schleswig-Holstein verfügt über 5 derartige Produkte (alle g.g.A.) Holsteiner Tilsiter, Holsteiner Karpfen, Lübecker Marzipan, Holsteiner Katenschinken und Dithmarscher Kohl. Werde zum Event von mir hören lassen.
    Beste Grüße von der Flensburger Förde
    Tilo

  10. Ulrike sagt:

    In deinem Banner im Querformat hast du einen falschen Link eingebaut, der führt zum Event auf Messers Schneide 😉

  11. nini sagt:

    na, das liest sich ja spannend- mal schauen wie und wo ich hier was finde. Zwetschgen vielleicht? Bloß die haben ja grad überhaupt keine Saison…ich geh mal auf Recherche.

  12. padrone sagt:

    Lieber Peter, ich steuere hierzu natürlich ein Leib- und Magenthema von Slow Food bei: Den Schutz der Biodiversität. Gelebt durch die Presidi (http://www.slowfood.de/biodiversitaet/presidi/)und die Arche des Geschmacks (http://www.slowfood.de/biodiversitaet/die_arche_passagiere/)!
    Lieben Gruß, Micha

    • Danke Micha.
      Ich hoffe doch, Du findest auch EU geschützte Produkte in Deiner Region die Du uns in einem eigenen Blogbeitrag und /oder im Kochtopf vorstellst?
      Du hast darin ja Übung 😉

      Mit leckerem Gruß, Peter

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