Ein Stück Regenwald unter dem Rost

Ein Gastbeitrag von Andreas Kirchmayer, erschienen am 5. Mai 2016 im Ressort Wirtschaft, in der gedruckten Ausgabe der NÜRNBERGER NACHRICHTEN. – Vielen Dank an den Autor und für die Genehmigung des Verlages!

Holzkohle stammt oft aus den Tropen

Ein lauer Sommerabend, ein Bier in der Hand, Steaks auf dem Rost: Die Deutschen grillen leidenschaftlich gern und oft. Doch während sich immer mehr Menschen Gedanken um gesunden Fleischkonsum machen oder nur Gemüse auf den Grill legen, achtet kaum jemand auf eine weitere Hauptzutat: Grillkohle und Briketts. Die werden zwar oft in Deutschland und von deutschen Händlern verpackt. Das Holz aber stammt fast nie aus heimischen Forsten.

Holzkohle stammt oft aus den Tropen

Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 74.000 Tonnen Grillkohle allein aus Polen importiert. Dort sitzt der größte Produzent von Holzkohle in Europa. An zweiter Stelle der Importländer liegt Paraguay mit 34.000 Tonnen, gefolgt von Nigeria. Insgesamt wurden 2015 über 227.000 Tonnen Grillkohle nach Deutschland importiert, tausende Tonnen auch aus Indonesien, Namibia, Argentinien.

Hierzulande wird die Ware in Säcke à drei, zehn oder auch 20 Kilogramm abgefüllt und verkauft. „Oft steht auf der Verpackung ,Kein Tropenholz‘, aber der Verbraucher kann das nicht nachprüfen“, sagt Indra Enterlein vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sie rät, auf Siegel wie das FSC („Forest Stewardship Council“) zu achten. Damit könne man zumindest ausschließen, dass es sich um Holz aus illegaler Rodung handele.

Umweltbewusste Alternativen aus Buche, Olivenkernen oder Kokos

Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, keine Tropenhölzer zu verfeuern, kann etwa Produkte von Pro Fagus kaufen. Die Firma aus Niedersachsen rühmt sich damit, das einzige Unternehmen zu sein, das hierzulande Grillkohle und Briketts selbst herstellt. Verarbeitet werden demnach ausschließlich naturbelassene Buchenholz-Reste. In der Kohle seien oft noch die Jahresringe der verarbeiteten Buchen zu erkennen. In den Tropen, so die Auskunft von Pro Fagus, gebe es keine Jahreszeiten und deshalb auch keine Jahresringe – so könne man also nachprüfen, woher das Material stamme.

Holzkohle stammt oft aus den Tropen
Achten Sie beim Einkauf darauf: Holzkohle stammt oft aus den Tropen

Als Insider-Tipp für umweltbewusste Griller haben die Briketts von Oliobric ihre Nische gefunden. Sie werden laut Angaben der Firma zu 100 Prozent aus Abfällen aus der Olivenproduktion hergestellt. Ein ähnliches Modell verfolgt der Hersteller McBrikett. Er vertreibt Grillkohle und Briketts, die laut seinen Angaben ausnahmslos aus natürlichen Abfallprodukten der Kokosmilchindustrie hergestellt wurden. Dafür müsse kein Baum gefällt werden und die Kohle eigne sich dann auch noch als Dünger, gibt McBrikett an.

Oliobric wirbt auf seiner Homepage mit dem Slogan „Grillen mit einem guten Gefühl“, verweist auf die Empfehlung vom Naturschutzbund und wird unter anderem in Biomärkten verkauft – zu einem saftigen Preis. Das könne man sich schon mal leisten, findet Indra Enterlein von Nabu. Man grillt schließlich nicht jeden Tag. Und der Preis, den die Natur zahle, wenn für die Grillparty extra Bäume weichen müssen, sei ungleich höher: „Tropische Wälder werden oft illegal abgeholzt, mit riesigen Maschinen. Das ist verheerend für die Wälder.“ Bäume binden beim Wachsen Kohlenstoffdioxid – wird ihr Holz verbrannt, setzen sie es wieder frei – das verstärkt den Treibhauseffekt.

Nicht nur das gute Gewissen spricht für die heimische Buchenholz-Grillkohle oder die Produkte aus Oliven- oder Kokosabfällen: Alle drei haben in unabhängigen Tests beim Grillen gute Ergebnisse erzielt. Sie sorgen für eine starke, konstante Hitze. Wer also nicht an den Kosten spart, hat dafür mehr von der Kohle.

Holzkohle stammt oft aus den Tropen
Holzkohle stammt oft aus den Tropen, auch im Ausland. Wie hier im Urlaub auf Sizilien


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