Grillspieß mit Pfefferschwein. Albanien – EM16

Grillspieß mit Pfefferschwein. Albanien - EM16

Es ist furchtbar kompliziert. Die Sache mit Albanien. Politisch schon immer. Aber auch geschichtlich betrachtet, stehen eine Menge Fettnäpfchen für Leute bereit, die sich mit dem kleinen Land auseinandersetzen und etwas darüber schreiben möchten. Karl May hat sich darum nicht gekümmert.

Bei ihm sind Kurden und Indianer der ideale Typ Mensch. Alle anderen bekommen zu spüren, was der Autor von Ihnen hielt. Wobei die Albaner noch verhältnismäßig gut wegkamen.

Er ließ seinen Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi und dessen Begleiter gleich in zwei Bänden, in „Durch das Land der Skipetaren“ und in „Der Schut“ (beide 1892 erschienen) im albanischen Siedlungsraum wirken.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum ich mir zum Start der Fußball Europameisterschaft 2016 in Frankreich ausgerechnet Albanien ausgesucht habe. Wo doch das Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien ausgetragen wird!

Rezepte gibt es hier dienstags und freitags

Es liegt einfach an der Exotik, die das kleine Land am Rande Europas ausstrahlt. Und in den nächsten vier Wochen finden Sie an dieser Stelle, immer dienstags und freitags, kleine Geschichten und Rezepte aus Ländern deren Küche wir normalerweise nicht unbedingt auf dem Speisezettel haben.

Jeder kann bei uns französisch essen gehen, spanisch und italienisch sowieso. Aber was sind bitte typische Alltags-Mahlzeiten der Menschen in Wales? In Island? In Nordirland oder eben in Albanien? Sicher auch Hamburger, Sushi, Pasta und Pizza, aber das ist nicht das, was uns hier interessieren muss.

Albaniens Fußball?

EuropaKochen 2016 - Wir kochen uns durch Europa

Falls Sie zu den göttlichen weiblichen Geschöpfen auf dieser Erde zählen und mit Fußball so gar nichts am Hut haben, sollten Sie sich die folgende kleine Begebenheit merken, womit Sie vielleicht Fußballfans in Ihrem Umfeld beeindrucken können:

Es geht um einen kurzen, sportlichen Rückblick auf die Europameisterschaft 1968, übrigens die erste echte ihrer Art. Der Blick förderte ans Licht, dass die deutsche Nationalelf an dem Turnier nicht teilnahm. Zwar wurde die Albanische Nationalelf bei der Qualifikation zum Turnier am 9. April 1967 im Dortmunder Westfalenstadion mit 6:0 vom Platz gefegt. Vierfacher Torschütze an diesem Tag: Gerd Müller! Aber eine 1:0 Niederlage gegen Jugoslawien nahm der Mannschaft von Helmut Schön bereits die ersten Chancen.

Beim Rückspiel gegen Albanien in Tirana („einem Sandplatz mit ein paar Grasbüscheln“) gelang der deutschen Mannschaft trotz drückender Überlegenheit nur ein 0:0 und zog sich dabei sogar den Hohn der albanischen Zuschauer zu. Mitspielen durften die Albaner bei der EM trotzdem nicht. Nur die Jugoslawen als Gruppensieger qualifizierten sich.

Skurriles Ereignis im Stadion

Ansonsten gibt es Skurriles aus der albanischen Fußballwelt zu berichten. Bei einem EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien in Belgrad kam es im Oktober 2014 zu Tätlichkeiten zwischen den Spielern. Der englische Schiedsrichter unterbrach das Spiel kurz vor der Halbzeit beim Stand von 0:0.

Grund für die Unterbrechung war eine Flugdrohne über dem Stadion. An dieser flatterte eine Fahne, die ein potenzielles Großalbanien zeigte. Aufgebrachte serbische Zuschauer rasteten vollkommen aus, stürmten das Spielfeld und attakierten sogar die albanischen Spieler.

Für die Provokation soll der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama verantwortlich sein, der die Drohne von der VIP-Loge aus gestartet hatte. Das Spiel wurde nicht mehr fortgesetzt, aber immerhin mit 3:0 für Albanien gewertet.

Elfmal hatten die Albaner in der jüngeren Vergangenheit versucht, ihr Ticket für die EM-Endrunde zu lösen. Zehnmal waren die Skipetaren dabei in der Qualifikation nicht über den vorletzten Platz in ihrer Gruppe herausgekommen.

Entsprechend groß ist jetzt die Begeisterung in dem kleinen Land, dass sich die Adler oder „die Rot-Schwarzen“, wie Albaniens Fußballhelden genannt werden, wieder auf großer Bühne präsentieren können.

Vielleicht sehen wir dabei zu. Vorher bereiten wir uns noch einen feinen Grillspieß mit Pfefferschwein zu, auch wenn es in Albanien reichlich Muslime gibt. Wieviele sich zu dieser Religion bekennen, wissen wir nicht so genau. Denn in Albanien gibt es keine Konfessions-Statistik.

Grillspieß mit Pfefferschwein. Albanien - EM16
Grillspieß mit Pfefferschwein. Albanien – EM16

Im folgenden Rezept wird Schweineschulter verwendet. Diese ist nicht dafür bekannt, besonders zart zu sein. Wichtig sind also drei Dinge: das marinieren des Fleisches (gute 4-6 Stunden), die richtige Behandlung auf dem Grill – und – man sollte das Fett nicht wegschneiden.

Die Zutaten für sechs Spieße:
* 2 bis 2,5 kg Schweineschulter (ohne Knochen)
* 1 große Zwiebel
* 2 saftige, große, reife Tomaten
* 2 EL grobes Salz
* 2 EL Rosenpaprika (mild)
* 1 TL Cayennepfeffer
* 2 EL Oregano (getrocknet)
* 1 Msp. Kreuzkümmel (gemahlen)
* 1 EL Pfeffer aus der Mühle
* 2-3 EL Tomatenmark (in etwas heißem Wasser auflösen)
* 2 Paprikaschoten (Farbe egal) in Stücke geschnitten
* 4-6 EL gutes Olivenöl

Vor- und Zubereitung:
Das Fleisch nur in grobe Stücke schneiden (etwa 6-8 cm). Darauf achten, dass jedes Stück einen angenehmen Fettanteil hat.

Die Zwiebel häuten, an einem Ende den Strunk abschneiden, die Zwiebel dann mit einer groben Küchenreibe raffeln. Dabei lässt sich das obere Ende der Zwiebel gut als Griff verwenden. Die beiden Tomaten ebenfalls über die Reibe ziehen, wenn man sich geschickt anstellt, bleiben nur die Schalen übrig. Man kann die ersten beiden Komponenten auch in einem Mixer verarbeiten.

Alle Gewürze zu den Zwiebeln und Tomaten geben, das Tomatenmark untermischen. Einen Teil (etwa ein Drittel) der Würzpaste aufbewahren, damit kann man das fertig gegrillte Fleisch später nappieren. Den Großteil der Würzpaste über die Fleischstücke geben, gut durchmischen und mehrere Stunden abgedeckt kühl stellen.

Die Paprikaschoten in Stücke schneiden, die Marinade vom Fleisch tropfen lassen, das Fleisch mit den Paprikastücken abwechselnd auf Spieße stecken.

TIPP: Den Grill auf starke Hitze vorheizen, die Spieße von allen Seiten, jeweils nach der Methode 60-60 angrillen. Bei dieser Methode legt man das Grillgut für 60 Sekunden auf den Grill und dreht es danach für weitere 60 Sekunden nur um 45 Grad. Das ergibt ein schönes Grillmuster auf dem Fleisch. So wird auf jeder Seite des Fleisches verfahren, wodurch sich eine Grillzeit von acht Minuten ergibt.

Die Spieße danach weit abseits der Hitze gar ziehen lassen. Gewünschte Kerntemperatur des Schweinefleisches = 85 Grad an der dicksten Stelle, also durch.

Vor dem Servieren die Spieße mit der restlichen Würzpaste einstreichen und mit knusprigem Brot servieren.

Guten Appetit.

Grillspieß mit Pfefferschwein. Albanien - EM16


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