Sehr süß! Kulinarische Brandzeichen

Baiser, wie es meine Oma servierte. Mit Schlagsahne und Mandarinen aus der Dose

Barbara, die in den Niederlanden lebt und den schönen Blog „Ein Topf Heimat“ schreibt, hat den Aufruf für ein interessantes Blog Event ins Netz gestellt, dem ich mich nicht entziehen kann.

Gefragt sind unsere kulinarischen Brandzeichen, die oft mit Erlebnissen und Erfahrungen des Lebens verbunden sind. Oft genügt schon ein ganz bestimmter Duft, der uns anspringt und sofort sind uns bestimmte Erinnerungen präsent. Es gibt schon mehrere Beiträge in meinem eigenen Blog, die solche Momente zum Thema haben.

Einer handelt vom Nürnberger Cafe Berger, in dem es einst köstliche Zimtrouladen gab. Ein weiterer handelt vom ungeliebten Hackbraten und liefert ein tolles Rezept. Für Barbaras Blogevent habe ich erneut in meinem Gedächtnis gekramt und bin erwartungsgemäß wieder in meiner Kindheit angekommen. – Und ich hatte wirklich eine schöne solche.

Auch wenn es damals noch üblich war, dass meine Eltern, wenn überhaupt, ohne uns (damals noch drei Kinder, ein viertes entstand wohl auf einer solchen Urlaubsreise) in den Urlaub fuhren. Wir, die lieben Kleinen, durften dann einen Teil der Ferien aufgeteilt bei unseren Omas und Opas verbringen.

Die Unterbringung hätte unterschiedlicher nicht sein können. Meine Großeltern mütterlicherseits wohnten mitten in Nürnberg in einer Wohnung im vierten Stock (ohne Aufzug) mit Aussicht auf die Pegnitz.

Die Mutter meines Vaters wohnte mit ihrem Lebensgefährten(!) in einem kleinen Holzhäuschen das von einem riesigen Grundstück umgeben war in Burgthann, bei Altdorf. Alleine dorthin zu gelangen, hätten wir kein Auto gehabt, zählte damals noch zu den kleinen Abenteuern. Bei der Verwendung des Wortes „damals“ mache ich einen dicken Kringel um die Jahre 1962-1966.

Mein Feriendomizil in Burgthann bei Altdorf
Unser Feriendomizil in Burgthann bei Altdorf. Das Haus existiert leider nicht mehr. Danke für die beiden Burgthann-Fotos an meinen Schwager Christian. Die Bilder dürften etwa 1983 entstanden sein.

Telefon gab es nur auf einem benachbarten Bauernhof, zum Bahnhof war es ein Fußmarsch von 40 Minuten, die alternative Buslinie fuhr an Werktagen maximal dreimal durch die Ortschaft. Die Straßen teilweise noch ungeteert; hinter dem Haus begann sofort ein großes Waldgebiet; der Garten voller Obstbäume und Beete, war dieses Feriendomizil einfach unschlagbar.

Blick auf die Burgthanner Burg
Der Blick auf die Burgthanner Burg vom Haus aus war immer etwas Besonderes.

Die kulinarischen Brandzeichen setzte meine Oma damals gekonnt. Siehe auch meine Geschichte Butterbrot vom Aussterben bedroht.

Das Bauernbrot wurde in langen Scheiben vom Laib geschnitten und wenn es keine Suppen zum Mittagessen gab, dann variierte meine Oma Süßspeisen, dass es eine Freude war. Egal ob Apfelstrudel, Grieß- oder Reisbrei, Kirschenmichel, Scheiterhaufen, Apfelküche, Kaiserschmarrn, süße Aufläufe mit eingemachten Kirschen oder Zwetschgen, dazu selbst hergestellte Säfte oder frische Milch aus der federleichten Blechkanne, die man morgens vom Telefon-Bauernhof nebenan holen ging.

Es war wie ein Traum. Oder noch besser: ziemlich nahe am Schlaraffenland. Das ist also mein positiv besetztes kulinarisches Brandzeichen. Dazu kann ich aber noch ein weiteres nennen, dass negativ belegt ist. Unter all die bereits gesammelten Köstlichkeiten, mischte meine Oma eines Tages nämlich durch Pfannkuchenteig gezogene, und dann in der Pfanne ausgebackene Holunderblüten.

Den Geschmack der Holunderblüten fand ich damals so grauenhaft, dass ich es bis heute, um die 50 Jahre später, immer noch nicht geschafft habe, derartige Holunderblüten-Küchle einmal selbst zuzubereiten und zu probieren.

Aber auch unsere sogenannte „Stadtoma“ wusste sich bei uns Kindern beliebt zu machen. Allerdings mit wesentlich geringerem Aufwand. Als Ehefrau eines Druckereibesitzers hatte sie damals schon ein paar Allüren!

Sie servierte uns gerne Baisers, die zunächst einfach aufgeschnitten wurden. Eine dicke Schicht Schlagsahne kleckste sie auf den unteren Teil der Baiser-Schnitte, darauf kamen gut abgetropfte Mandarinenstückchen aus der Dose. Noch ein kleines bisschen Zimt, erneut etwas Schlagsahne und darauf noch die zweite Hälfte der süßen Schnitte.

Das war auch eine kleine Sensation, vor allem weil es diese mächtige Köstlichkeit sicher nicht öfter als drei oder vier mal im Jahr gab. Heute würde das vermutlich niemand mehr essen. In den Wirtschaftswunderzeiten schon.

Nun würde es sich selbstverständlich anbieten, aus dem reichen Rezeptfundus meiner zuerst gelobten Großmutter ein Rezept aufzuschreiben. Aber das kommt ein andermal. Heute präsentiere ich nur die Herstellung eines einfachen Baisers. Alles andere kann warten.

Rezept französisches Baiser nach Michael Roux

* 3 Eiweiß
* 90 g Zucker
* 90 g Puderzucker

Den Backofen auf 100° vorheizen. Das Backblech mit Backpapier oder einer Silikonbackmatte auslegen. In einer Schüssel die Eiweiße mit dem Mixer zu weichen Spitzen schlagen. Unter rühren den Zucker einrieseln lassen und die Masse schlagen, bis sich feste Spitzen bilden. Den Puderzucker zufügen und die Baiser-Masse 6-8 Minuten weiter schlagen, bis sie steifen Spitzen bildet und weich und glänzend ist.

Mit einem Esslöffel sechs große Nocken formen und auf das vorbereitete Backblech setzen. Alternativ mit einem Spritzbeutel, der mit einer 1,5 cm breiten gezackten Tülle bestückt ist, 4-6 Portionen formen.

Sofort in den Backofen schieben und zwei Stunden backen. Danach aus dem Backofen nehmen, auf ein Kuchengitter setzen und unbedingt an einem trockenen Ort vollständig abkühlen lassen. Luftfeuchtigkeit ist pures Gift für Baiser!

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