Hackbraten in Kräuterhülle mit Erinnerungen an Wimpy und Popeye

Was koche ich heute? Hackbraten!

Meine persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse an und mit Hackbraten sind unschön. Zuhause bei Muttern sah das Ding ziemlich abschreckend aus. Da wir eine sechsköpfige Familie waren, breitete sich kurz vor dem Servieren ein ziemlich großer, fast unförmiger, dampfender brauner Haufen auf dem Ofenblech aus und füllte dieses zu mehr als der Hälfte der Fläche.

Als dieses monströse Etwas zerteilt war, entsprach eine Portion fast der Größe einer Bauernbrotscheibe, die alsbald unter einer dunklen Soße verschwand und zu der Kartoffelbrei gereicht wurde. Wir schrieben damals etwa das Jahr 1965 und um die Familie mit Vitaminen zu versorgen, wurden als Gemüsebeilage gerne Erbsen und Karotten aus der Dose (oder schon als TK?) gereicht, die mir ebenfalls ein Graus waren.

Gegen dieses Gericht entwickelte ich als Kind bald Strategien, die mich von der Teilnahme an der Mahlzeit befreien halfen. Bauchweh und Übelkeit zu simulieren war ja nicht so schwierig. Das Problem war, sollte es Pudding als Nachtisch geben, rechtzeitig wieder auf dem Damm zu sein! Ich mochte diesen trockenen Hackfleischhaufen einfach nicht. Weder seinen Geschmack, noch seine Konsistenz, nicht den Kartoffelbrei dazu und auch nicht die Soße.

Pasta Schuta kommt von Pasta asciutta

Die Abneigung gegen Kartoffelbrei konnte ich dann doch irgendwann in Freundschaft umkehren. Die gegen Hackfleisch hat mich aber jahrzehntelang begleitet. Weder die ersten Cevapcici, die in unseren Breitengraden Mitte der 1960er Jahre im jugoslawischen „Balkangrill“ serviert wurden, noch die ebenfalls revolutionäre Einführung der „Pasta asciutta“, die gleich eingedeutscht und künftig „Pasta Schuta“ genannt wurde, und schon gar nicht die Fleischklöpse aus den Fastfood-Ketten konnten daran etwas ändern. Bis heute ziehe ich meist ein komplettes Stück Fleisch der undefinierbaren Masse von Durchgedrehtem vor.

Popeye

Von Popeye und Wimpy

Die einzige Ausnahme bildete eine Zeit in den Siebzigern, ich schätze 1972/1973, als in der Nürnberger Königstraße ein sehr modernes und gepflegtes Schnellrestaurant namens „Wimpy“ eröffnete, in dem die Hamburger frisch auf Edelstahl gebrutzelt wurden, wobei man zusehen konnte.

Mein Top-Favorit war damals der Hawaiiburger (es war ja noch keine 20 Jahre her, dass Fernsehkoch Clemens Wilmenrod den Toast Hawaii erstmals dem deutschen TV-Zuschauer vorgestellt hatte), der außer dem Gehackten selbstverständlich eine dicke Scheibe Ananas und Schmelzkäse enthielt. Der Name „Wimpy“ geht übrigens auf eine Comicfigur zurück, die als Hamburger-Schmarotzer bereits  1931 in den frühen Popeye-Comics auftauchte.

Hackbraten auf den Tisch: (Ehe-)Glück gerettet

Die beste Ehefrau von allen muss leider seit vielen Jahren unter meiner Abneigung leiden, denn sie mag Sachen aus dem Fleischwolf und hat ganz andere Erinnerungen an Hackbraten als ich. Aber was wäre das Leben ohne Kompromisse?

Zum (Ehe-)Glück verirrte sich eines schönen Tages das folgende Rezept in unsere Küche und versprach mir schon beim Lesen der Zutaten und vor allem der Zubereitungstechnik einen recht saftigen Genuss.

Was koche ich heute? Hackbraten!

Hackbraten-Zutaten für 4 Personen:
* 700 gemischtes Hackfleisch
* 1 Zwiebel
* 2 Eier
* 5 EL Semmelbrösel
* 1 Salz
* Pfeffer aus der Mühle
* 4 EL Schlagsahne
* 50 g (1 Pckg.) ital. Kräutermischung (Zwiebeln, Petersilie, Basilikum, Knoblauch, Oregano, Thymian).

Für die Füllung:
* rote Spitzpaprika (gehäutet, aus dem Glas)
* 2 Knoblauchzehen
* 1 Bund Basilikum
* 250 g Frischkäse
Für die Kräuterhülle
* eine zweite Packung ital. Kräutermischung (50 g, mit Zwiebeln, Petersilie, Basilikum, Knoblauch, Oregano, Thymian)
und weitere
* 5 EL Semmelbrösel.
Außerdem benötigt man
* Küchengarn (Schnur) und mindestens
* 2 Bogen Backpapier

Hackbraten in Kräuterhülle – Die Zubereitung:

Die Paprika aus dem Glas nehmen und gut abtropfen lassen. Den Knoblauch fein hacken, den ganzen Bund Basilikum fein schneiden. Den Frischkäse mit Knoblauch, Basilikum und Salz vermischen. Dann den Frischkäse in die abgetropften Paprikaschoten füllen und kühl stellen.

Die Zwiebel sehr fein hacken, mit 5 EL Semmelbröseln, der ersten Packung Kräuter und der Sahne vermengen, dann zum Hackfleisch geben. Eier, Salz und Pfeffer dazugeben und alles gut mit den Händen verkneten. Nun zunächst auf einem Bogen Backpapier flach drücken (ca. 1 cm hoch).

Die zweite Packung Kräuter mit den restlichen Semmelbröseln vermischen und auf einem weiteren Stück Backpapier gleichmäßig verteilen. Links und rechts einen Rand von etwa 5 cm lassen, damit man das ganze später wie ein Bonbon zubinden kann.

Das Hackfleisch nun auf die Kräuterbrösel umschichten. Die gefüllten Paprika in die Mitte legen und das Fleisch mit Hilfe des Papiers darum herum aufrollen. Die Enden des Papiers wie ein Bonbon verschließen und mit dem Küchengarn festbinden. Auf ein Blech geben und im heißen Ofen bei 200 °C (Ober- und Unterhitze) etwa 40 bis 45 Minuten backen. Den Hackbraten in Scheiben aufschneiden. Dazu passt frisches Baguett und ein frischer Salat.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass auf meinen Fotos dem Hackbraten die Kräuterkruste fehlt. Aber so ist das wenn man fotografiert, statt zu kochen.

Das Grünzeug auf dem Foto oben ist übrigens Portulak. Also ein Blattsalat, der ein ganz kleines bisschen Ähnlichkeit mit Feldsalat hat.  Auf jeden Fall mehr Ähnlichkeit als mit Kopfsalat!

 


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8 Antworten : “Hackbraten in Kräuterhülle mit Erinnerungen an Wimpy und Popeye”

  1. Ignatius Käse sagt:

    Hallo Peter!

    Sehr leckeres Rezept, habe es gerade mit Kartoffelbrei genossen 🙂
    Mich haben allerdings beim Einkaufen noch braune Champignons angelacht… und die wurden dann fein geschnitten, kurz in der Pfanne angelassen und kamen dann mit in den Frischkäse hinein. Kann ich nur empfehlen!

  2. Lieber Peter

    Habe den Hackbraten gestern Abend ausprobiert – super lecker. Das wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Ergebnis kannst Du bei mir nachlesen und gucken.

    Lieben Gruss von der Wilden Henne

  3. Peter, Bruder im Geiste (oder Schwester – hmm, wie sagt man das jetzt richtig – aha, vielleicht Federvieh im Geiste oder so)- mir ging es mit Hackbraten jahrelang gleich wie Dir. Da koch ich doch seit über 30 Jahren schon – aber ich gestehe, ich hab in meinem ganzen Leben noch nie einen Hackbraten fabriziert *schäm*. Dabei, wenn er gut gemacht ist, mag ich ihn eigentlich schon. Aber meist ist er eben nicht lecker 🙁

    Lieben Gruss vom Wilden Huhn

    • Lieb Henne,
      je älter man wird, ohne Dir ausgerechnet am Valentinstag unterstellen zu wollen Du seiest alt ;-), um so mehr Dinge kann man plötzlich essen.
      Und man kann Aversionen aus der Jugend bestimmten Lebensmitteln gegenüber abbauen, wenn man die Sache selbst in die Hand nimmt. Dann kommt es nur noch auf die richtige Rezeptur an. Dieser Hackbraten ist wirklich lecker, weil er in dem Backpapier schön saftig bleibt und durch die Füllung zusätzliche Frische bekommt.
      Natürlich lässt sich auch hier (wie immer) an den Gewürzen drehen.
      Vielleicht startets Du demnächst Deine Premiere. Dann lass es mich wissen!

      Leckere Grüße in die Schweiz, Peter

  4. Lemon sagt:

    Der Hackbraten hier sieht auf jeden Fall köstlich aus.

    • Liebe Lemon,
      (in Ermangelung eines anderen Namens, der auch in Deinem eigenen Blog nicht auffindbar war, nenne ich Dich so), wie schon in dem Posting nachzulesen ist, hat es mich einige Überwindung gekostet, mich dem Thema Hackbraten zu nähern. Aber er ist wirklich gelungen. Während ich Spaghetti an jedem Freitag essen kann, wird der Rhythmus beim Hackbraten trotzdem eher bei einmal in 24 Monaten liegen bleiben 😉

      Leckere Grüße, Peter

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