Besuch der Fürther Kirchweih mit Bildergalerie

Evangelische Küchle auf der Fürther Michaelis Kirchweih

Die Fürther Michaelis-Kirchweih wird gerne als die „Königin der fränkischen Kirchweihen“ bezeichnet. Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass man der Kirchweih eine Tradition von mehr als 900 Jahren nachsagt. Es ist dieses besondere Flair, das aufgrund des Standorts im Herzen der Innenstadt entsteht. Dort ist sie historisch gewachsen und nicht, wie andere bekannte Volksfeste, von einstigen Stadtoberen zur allgemeinen Volksbelustigung verordnet worden. Zuletzt ist es aber immer noch diese Mischung aus Jahrmarkt und Kirchweih.

Michaelis-Kärwa

Namensgeberin der „Michaelis-Kärwa“ ist die zweitälteste Kirche der Stadt Fürth, St. Michael, benannt nach dem streitbaren Erzengel. Vermutlich wurde das schmucklose Gotteshaus im Jahr 1100 erbaut.

Da schon Papst Gregor im Jahr 601 eine Verfügung erlassen hatte, dass eine Kircheinweihung nicht nur mit einem geistlichen Akt, sondern immer auch mit einem weltlichen Festessen begangen werden sollte, gehen Historiker davon aus, dass die erste Fürther Michaelis-Kirchweih zur Fertigstellung des Bauwerks stattfand. Woraus sich unschwer über 900 Jahre errechnen lassen.

Natürlich haben andere Volksfeste größere Attraktionen an Fahrgeschäften zu bieten als die Fürther Kirchweih. Die enge Innenstadt bietet dafür nur wenig Raum. Der Anziehungskraft und dem Reiz der „Kärwa“ schadet dies jedoch nie. Früher waren es Varietés, Menagerien und Panoptiken, heute sind es computergesteuerte High-Tech-Fahrzeuge.

Uns zieht es alljährlich zur Fürther Kirchweih in die Nachbarstadt. Zur Stärkung genießen wir, was an den zahlreichen Ständen angeboten wird, dazu gibt es fränkisches Bier und auch Federweißer ist überall im Angebot.

Der Vorteil an der Fürther Kirchweih: Es gibt ruhigere Verbindungssträßchen, in denen richtige Marktstände stehen an denen man sich mit Dingen für den Alltag des Lebens eindecken kann. Sei es die Autopolitur, der praktische Fensterwischer, Socken, Kopfbedeckungen, Gewürze, Blumenzwiebeln oder Schuhsohlen. Die Auswahl ist bunt und lässt Platz für unterhaltsame Propagandisten-Auftritte oder Einkäufe.

Der Crêpes zum Abschluss des Besuches auf der Fürther Kirchweih ist Pflicht
Der Crêpes zum Abschluss des Besuches auf der Fürther Kirchweih gehört zu meinem Programm

Küchle, Kiachla, Köichla …

… heißt ein in Butterschmalz ausgebackenes Hefegebäck auf der Michaelis Kirchweih. Es gehört zu jeder ordentlichen Kirchweih, so auch in Fürth. In anderen Landesteilen nennt man die mit Puderzucker bestäubten Gebäckstücke „Ausgezog’na Krapfm“, nur Auszogne (Ausgezogene), Streubla, Krapfen oder Küchl (Kiacherl oder Kiachl), vielleicht sogar Krapfen oder Pfannkuchen.

Auf der Fürther Kirchweih ist mir diesmal ein Schild begegnet, auf dem „evangelische Küchle“ offeriert wurden. Was das ist, fragen Sie sich? Dazu gibt es eine Erklärung, die die beiden Verkäufer selber nicht kannten.

Es gibt Küchle nämlich auch in viereckiger Form. Die augenzwinkernde Erklärung dafür lautet etwa so:
Runde Küchle wurden in katholischen Gebieten gebacken, die Eckigen in evangelischen Orten. Früher wurden die Teiglinge von den Frauen angeblich über dem Knie ausgezogen. Und da ordentliche Katholikinnen durch das viele knien im Gottesdienst viel „rundere“ Knie haben als die „Lutherischen“, ergeben sich darau automatisch die runden Küchle.

Schauen Sie ihren Mitmenschen also auf die Knie. Dann erkennen Sie welche Form deren Küchle haben – würden sie denn welche herstellen.

Die Zutaten für die Küchle
Der Teig besteht aus Mehl, Hefe, Eiern, Butter, Milch und in der Oberpfalz kommt manchmal sogar ein guter Schnaps dazu.
* 500 g Mehl
* 250 bis 375 ml Milch
* 20 g Hefe
* 1 Prise Salz
* 1-2 Eier
* 50 g Butter
* 20-50 g Puderzucker zum bestäuben
* Butterschmalz zum Ausbacken

Die Zubereitung der Küchle
Aus Hefe und lauwarmer Milch einen Vorteig herstellen. Die andern Zutaten kommen nach und nach dazu und müssen sehr gut und lange verknetet werden. Dann muß der Teig zum ersten Mal gehen.

Wenn sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat, kleine Teigstückchen in der hohlen Hand zu ovalen Kugeln ausrollen. Auf einem Holzbrett wieder zum Gehen beiseite stellen.

Große Pfanne vorbereiten. Die Teiglinge in der Hand ausziehen. Die Kunst hierbei ist es, den Teig in der Mitte dünn auszuziehen, ohne daß er reisst. Nun die Küchle von beiden Seiten goldgelb ausbacken.

Evangelische Küchle aus der Backstube von Arnd Erbel
Hier ein paar evangelische Küchle aus der Backstube von Arnd Erbel. Natürlich nicht von der Fürther Kirchweih

Bilder von der Fürther Kirchweih – Michaelis-Kirchweih

1 Antwort : “Besuch der Fürther Kirchweih mit Bildergalerie”

  1. Margot sagt:

    Ach wie nett! Als Studentin vor … ähm, einigen Jahren, war ich mal auf der Fürther Kirchweih und hab den Abend in guter Erinnerung. Solche Feste gibt es bei uns im Norden einfach nicht. Allein diese herrlichen Stände mit Wundermitteln, Haushaltswaren und Kittelschürzen!
    Aber dass es der Backfischleuchtturm so weit in den Süden geschafft hat, irritiert mich schon. Das fällt wohl unter „Speisen aus aller Welt“, was? 😉

    Liebe Grüße aus Schleswig-Holstein von Margot

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  1. Das Foodcamp Franken zu Gast bei Freibäcker Arnd Erbel - […] interessiert, warum dieses Gebäck als “evangelische Küchle” bezeichnet werden, kann das hier […]

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