Das Krautfest in Krautostheim

Aus Weißkraut wird Sauerkraut

Am Sonntag mit dem Auto ein bisschen durch Franken zu gondeln, kann durchaus erhellend und lehrreich sein. Bei strahlendem Sonnenschein waren wir gestern auf dem Weg zu den nächstgelegenen, fränkischen Weinbergen am Rande des Steigerwalds (von Nürnberg ca. 80 Kilometer entfernt), um einer sogenannten Heckenwirtschaft einen Besuch abzustatten.

Für Heckenwirtschaften gibt es die verschiedensten Bezeichnungen, in Franken auch Häcker- oder Maienwirtschaft genannt, kennt man sie in der Pfalz, in Rheinhessen und im Rheingau als Straußwirtschaft. Die Württemberger nennen es Besenwirtschaft, Besenschänke oder einfach nur kurz Besen. Andere Länder andere Namen – die Aufzählung der Bezeichnungen könnte man beliebig fortsetzen.

Allen gemeinsam ist aber der Sinn und Zweck: Winzer und Weinbauern eröffnen saisonal kleine Gastbetriebe, in dem die Erzeuger zu bestimmten Zeiten ihre selbsterzeugten Weine direkt vermarkten können. Unser Ziel war am letzten Sonntag das fränkische Dorf Weigenheim, in der Nähe von Uffenheim.

Von dort kann man kleine Wanderungen im „Weinparadies Franken“ unternehmen. Zum Beispiel auf das Schloss Frankenberg oder in die nähere Heckenwirtschaft der Winzer „Gref und Kistner„.

Vor uns breiteten sich die Weinlagen „Frankenberger Schlossstück“, „Weigenheimer und Reuscher Hohenlandsberg“, „Ippesheimer Herrschaftsberg“, „Bullenheimer Paradies“, „Seinsheimer Hohenbühl“ und „Hüttenheimer Tannenberg“ aus. Sie alle zusammen bilden eine Weinbaufläche von über 280 Hektar. Es war wunderbar, das Wetter sogar bombig und Plätze konnten wir auch noch ergattern!

Kraut und Kulinarisches in Krautostheim

Auf dem Weg nach Weigenheim stießen wir auf das alljärlich stattfindende Dorffest „Kraut und Kulinarisches“, das immer Ende September in Krautostheim stattfindet (12 Kilometer entfernt). Eine Interessensgemeinschaft aus fünf Familien bietet dort selbsterzeugte regionale Produkte an. Bei drei der beteiligten Höfe gibt es Mittagstisch, unter anderem verschiedene Krautgerichte und nachmittags Kaffee und Kuchen.

Tagsüber ist Marktbetrieb – angeboten werden Produkte aus der Region, wie z.B. Kraut, Kren, Honig, Schnäpse, Kartoffeln und vieles mehr. Der örtliche Musikverein sorgt für ordentliche Blasmusik. Wie der Name des Dorfes schon sagt, gedeiht hier (nur auf einem Teil der Felder) besonders gut Weiß- und Blaukohl. So wurde schon vor hunderten von Jahren aus dem ursprünglichen Ostheim das heutige „Krautostheim“.

In Krautostheim
Dieses Schild führt in Krautostheim jene in die Irre, die in die Audi-Stadt Ingolstadt unterwegs sind. Dorthin sind es von hier aus aber noch 152 Kilometer.

Sauerkraut selber herstellen

Am Tag des Dorffestes kann man sich mit frisch gehobeltem Weißkraut eindecken, das die Bewohner in 10-25 Kilogramm-Säcken nachhause schleppen um daraus ihr eigenes Sauerkraut herzustellen. Folgende Tipps habe ich dazu erhalten:

* 10 Kilogramm Weißkraut
* 100 g Salz
* 3 EL Wacholderbeeren
* dazu nach Geschmack Lorbeerblätter und Kümmel (der für die besseres Verträglichkeit sorgt)

Das fein gehobelte Kraut schichtet man in einen großen Gärtopf (Keramik oder Steinzeug) gibt auf jede Schicht Salz und einen Teil der Gewürze. Dann wird das Kraut gestampft bis der Saft austritt. Das eingestampfte Kraut wird nun beschwert und abgedeckt in einem kühlen Raum gelagert. Der Deckel darf nicht zu fest aufliegen, denn beim einsetzenden Gärprozess müssen die Gase entweichen können.

Nach etwa fünf Wochen kann das erste Sauerkraut entnommen werden, das nun am besten verspeist – oder portioniert und eingefroren wird. Offen ist dieses vorbereitete Kraut nur 2-3 Tage haltbar.

Krautostheim gehört zum Osing

Was das Dorf Krautostheim bundesweit zu etwas ganz besonderem macht, ist die Zugehörigkeit zur sogenannten Freimarkung „Osing“, an der Krautostheim mit einem Viertel beteiligt ist. Dabei handelt es sich um eine landwirtschaftliche Fläche von 274 ha, die mindestens seit dem 15. Jahrhundert nach den selben strikten Regeln an 178 Rechtler aus vier Gemeinden verteilt wird. Über Jahrhunderte ging diese Freimarkung „Osing“ nie in Privatbesitz über.

Nach einem uralten Ritual mit längst vergangenen Maßeinheiten und Zeichen wird alle 10 Jahre (in allen Jahren, die mit einer 4 enden), die Fläche neu an die Rechtler verteilt. Ein Ereignis, das jeweils bundesweit größtes Medieninteresse weckt und zuletzt am 19. September 2014 durchgeführt wurde.

Und nicht vergessen:
Das Rezept für fränkische Krautwickel – Graudwiggerler – Graudwiggala – Kohlrouladen gibt es hier

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