Hugo – Vom Oberförster zum Kultgetränk

Hugo als Apperitif, Kultgetränk Hugo

Über meine erste Begegnung mit Hugo zu berichten, ist nicht einfach, denn es gab zwei. Der erste war ein Großonkel mit diesem ungewöhnlichen Namen, der sehr große Teile seiner Freizeit dem Modellbau schenkte. Egal ob es um Schiffsmodelle ging, um Autos, Eisenbahn oder Flugzeuge in irgendeinem Maßstab den ich damals nicht verstand, stets strebte Onkel Hugo in die Königsklasse des Modellbaus, die des beweglichen Modells.

Für mich gab es, als kleiner Knirps, Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, natürlich nichts spannenderes, als dabei zu sein, wenn eines seiner neuen Modellschiffe im Dutzendteich zu Wasser gelassen oder ein Flugzeug von ihm am Segelflugplatz Lillinghof im Nürnberger Land erstmals durch die Luft flog.

Die Ehre, eventuell an einem der kleinen Knöpfe der zugehörigen echten Fernbedienung drehen zu dürfen, ließ mich den Atem anhalten! – Und den seltenen Namen des Onkels vergessen.

Auch das Internet weiß nicht alles

Der zweite Hugo, der mir begegnete, kam, gefühlt, gleichzeitig mit dem Nonsens-Gedicht vom “blondgelockten Jüngling mit kohlrabenschwarzem Haar”, und dem “totgeschossenen Hasen, der auf der Sandbank Schlittschuh lief”, in mein Leben. Es war meine Mutter, die an ein ausgesprochenes: “Ja, ja,” immer gleich den Satz hängte: “…sprach der alte Oberförster. Hugo war sein Name. …und seine Tochter Käthe, die saß am Fenster und nähte”.

Sommer-Küche.
Als Artikel-Serie in den Nürnberger Nachrichten.
(gedruckte Ausgabe)
Teil 1 hier auch als PDF zum Download.

Den Ursprung dieses Endlos-Unsinns herauszufinden ist mir übrigens, trotz überaus virtuoser Beherrschung von Google, und des restlichen Internets, in den vergangenen Tagen nicht gelungen. Zu berichten gibt es nur, dass sehr viele Menschen nach dem Ursprung suchen, aber außer weiteren Varianten der Textzeilen nie Antworten auftauchen, die der Wahrheitsfindung wirklich auf die Sprünge helfen würden.

Ebenso ergeht es dem Hugo, um den sich hier doch alles drehen soll. Außer der Tatsache, dass er, wie einst Hannibal, vor ca. zwei Jahren die Alpen überquerte, ist nicht viel über seinen Ursprung herauszufinden. Man scheint sich in Fachkreisen lediglich darüber einig zu sein, dass das Mischgetränk Hugo aus Südtirol stammt und von dort seinen Siegeszug in unsere Gläser begonnen hat.

Gähnende Leere im Weinregal

In der Welt der Aperitifs kann derzeit scheinbar nur noch der mindestens ebenso populäre Aperol-Sprizz mit ihm Schritt halten. Denn wer kennt Hugo nicht oder hat in diesem Sommer nicht schon einen getrunken? Sogar als Fertiggetränk gibt es ihn schon zu kaufen.

Wenn Ihnen beim nächsten Supermarktmarkt-Besuch im Weinregal, dort wo bisher der Prosecco stand, und auch im Regal mit dem Holunderblütensirup gähnende Leere entgegenstarrt, dann kennen Sie bereits die beiden Hauptzutaten.

Die Prossecco-Hersteller dieser Welt reiben sich die Hände, die Blüten des Holunders konnten schon lange kein derart großes Interesse mehr an sich selbst feststellen und die Bauern im Knoblauchsland verkauften bisher schon Tausende und Abertausende Kräutertöpfe auf denen schlicht “Minze” steht. Wieder etwa 10% mehr als noch im Jahr zuvor, denn Minze ist ebenfalls eine wichtige Hugo-Zutat. Was sie sonst noch brauchen um in die gute Gesellschaft der Hugotrinker aufzusteigen, finden Sie, zusammengefasst, in der unten folgenden Rezeptur.

Zutaten und Rezept pro Glas:

* 150 ml Prosecco, * 2-3 cl Holunderblüten-Sirup, * 4-5 Minzeblätter, * 1 Stück Limette, * Eiswürfel nach Belieben, * ein Schuss Mineralwasser mit Kohlensäure (maximal bis zu 100 ml).

Die Minzeblätter in ein bauchiges Weinglas geben und mit einem Mörser vorsichtig andrücken. Eine Limettenscheibe und die Eiswürfel dazugeben. Das Ganze dann Prosecco, Holunderblütensirup und Mineralwasser auffüllen.
Um die Optik des Hugo anzuheben, kann man eventuell noch kleine frische Früchte der Saison, wie eine Erdbeere, 3-4 Himbeeren oder Heidelbeeren zugeben. Strohhalm dazu und fertig ist der Hugo!

Diesen Artikel finden Sie auch in der gedruckten Wochenend-Ausgabe der Nürnberger Nachrichten vom 4./5. August 2012, im Lokalteil “Nürnberg Extra”. Hier als PDF hinterlegt

Hugo als Apperitif, Kultgetränk Hugo

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4 Antworten : “Hugo – Vom Oberförster zum Kultgetränk”

  1. Krizia sagt:

    Neben Aperol Spritzz für mich das tollste Sommer-Getränk. Ich sehe da Himbeeren in deinem Hugo-Glas, eine schöne Abwandlung, die ich gleich heute Abend ausprobieren werde!
    Ich benutze übrigens gekauften Holunderblütensirup aus Dänemark, der sehr gut schmeckt (nicht zu süß)

    • Hallo Krizia,
      Entschuldigung. Deine beiden Kommentare waren leider in meinem Spamordner gelandet.
      Nicht zu süßer Holunderblütensirup?
      Aber Sirup ist doch immer süß….
      Die Süßigkeit des Hugos selbst kann man immerhin steuern durch die Menge des verwendetetn Sirups.
      Mit leckerem Gruß, Peter

  2. Frau Kampi sagt:

    Hugo…für mich einfach Südtirol. Obwohl er da ja schon wieder out ist. Genau wie Aperol-Sprizz. Ich bin echt gespannt, welches Kultgetränk ich demnächst da entdecken darf. Nichtsdestotrotz trink ich gern mal einen Hugo. Mache ja seit Jahren den Hollersirup selbst. Nur der fertig gemixt gekaufte kommt mir nicht mehr ins Haus. Hab letztens eine Flasche geschenkt bekommen und nach dem ersten Schluck entsorgt. Einfach nur gruselig und hatte mit dem Original nichts gemeinsam

    • Ja, Frau Kampi ;-)
      mit gekauftem Holunderblütensirup kann man reinfallen. Mit selbstgemachtem aber auch. Wenn der Holunder beginnt zu schimmeln, zum Beispiel. So habe ich es zumindest schon in Blogs gelesen. Meiner ist ein sehr guter hier aus dem Frankenland. Den kann man bedenkenlos in seinen Hugo panschen.
      Mit leckerem Gruß, Peter

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