Kohlrabi-Carpaccio mit Parmaschinken

Ein Prachtexemplar von einem Kohlrabi. Es wird Kohlrabi-Carpaccio daraus!

Man lernt wirklich nie aus im Leben. Seit einiger Zeit stöbere ich hin und wieder in Portalen herum, die sich mit unseren Lebensmitteln, mit Importen, Exporten und Markbeobachtung beschäftigen. Wenn man danach sucht, kann man dort durchaus gute Nachrichten finden. Zum Beispiel diese aus der 24. Kalenderwoche: „Am Freitag gab es sehr große Kohlrabi“. Das traf zwar nur für den Markt von Köln zu, aber immerhin! – Manchmal geht es auch etwas reißerisch zu wie in der Überschrift einer Meldung: „Kohlrabi-Importe verlieren an Bedeutung“.

Das ist natürlich nicht wirklich schlimm für uns, höchstens für italienische Bauern, die für die Menge von 100 Kohlrabi Ende April 2014 etwa 30% weniger erlösen konnten, als im Vorjahreszeitraum.

Denn der Kohlrabi ist ein sehr deutsches Gemüse. Zwar wird er in unseren Nachbarländern Frankreich, Österreich, Schweiz, Polen, den Niederlanden und im bereits genannten Italien angebaut, aber dort in erster Linie für den deutschen Markt produziert. Das Hauptanbaugebiet für Kohlrabi ist Deutschland und die beste Zeit dafür ist gekommen.

Sicher nicht die Siegertrophäe. Dieser Gartenzwerg ist Kunst und steh in unserem GartenVermutlich gibt es auch deshalb die wirklich allergrößten Kohlrabi in Privat- oder Kleingärten der Republik. Und Lokalzeitungen stürzen sich gerne auf die sogenannten Kohlrabikönige!

Kohlrabikönige in Ost und West

So vermeldete die Volksstimme aus Magdeburg damals: „Jedes Jahr wetteifern einige Männer des Dorfes (Brumby) um die begehrte Trophäe, einen Gartenzwerg. Der Siegerkohlrabi des Jahres 2010 von Michael Arlt brachte 9,17 Kilo auf die Waage.“

Das hat immerhin zur Folge, dass ich jetzt weiß wo Brumby liegt, nämlich in Sachsen-Anhalt. Damit aber nicht genug. Eine Webseite aus Ostsachsen, mit dem schönen Namen LausitzNews vermeldete 2013 gigantisches!

Bei der 17. Schönaer Kohlrabimeisterschaft lieferten sich ein paar der harten Knollen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Als Sieger wurde ein Kohlrabi vom Platz geschleppt, der 10,7 Kilogramm auf die Waage brachte.

Dieser Erfolg wurde vom Rentner Harti Erler aus Schöna allerdings nur milde belächelt. Im Rekordjahr 2011 siegt er am Ort mit seinem superdicken Freund, der 23,2 Kilogramm auf die Waage brachte!

Gegen diese Zahl konnte im vergangenen Jahr auch das Wormser Wochenblatt nichts ausrichten, das sich alljährlich mit dem Thema befasst und noch heute in Erinnerungen an das Jahr 2006 schwelgt, als der „Koloss von Neuhausen“, mit stattlichen 42 Pfund ausgerüstet, auf dem Siegerpodest herumkullerte.

Kohlrabi-Carpaccio mit Parmaschinken

Zu klären wäre jetzt noch die Frage, ob solche Riesen dazu geeignet sind verzehrt zu werden und wenn ja, was man daraus macht. Ich begnüge mich lieber mit kleinen Kohlrabi, aus denen zum Beispiel das folgende, köstliche Kohlrabi-Carpaccio hergestellt wird.

Kohlrabi-Carpaccio
So dünn wie auf dem Foto zu sehen sollte das Gemüse für ein feines Kohlrabi-Carpaccio schon geschnitten sein. Die Arbeit mit dem Ring, um alle Scheibchen gleich groß zu bekommen muss allerdings wirklich nicht sein.

Carpaccio – wer kennt nicht das hauchdünn geschnittene, rohe Rindfleisch aus der italienischen Küche. Es wurde 1950 in „Harry’s Bar“ in Venedig erfunden. Benannt wurde es nach dem venezianischen Maler der Frührenaissance, Vittore Carpaccio, der für seine leuchtenden Rottöne bekannt war und dem damals eine große Ausstellung in Venedig gewidmet war. – Inzwischen muss der Begriff Carpaccio für alles herhalten, was hauchdünn geschnitten werden kann. Und sei es Gemüse.

Kohlrabi ist dafür geradezu prädestiniert! Man kann ihn ohne Schwierigkeiten in hauchdünne Scheiben (mit der Brotschneidemaschine) schneiden oder einen geeigneten Gemüsehobel verwenden und daraus das folgende, köstliche Kohlrabi-Carpaccio zubereiten. Sehr gut geeignet ist es als Vorspeise für heiße Sommertage. Und es lässt sich gut vorbereiten.

Kohlrabi-Carpaccio für 4 Portionen:
* 2 kleine Kohlrabi
* 100 g Parmaschinken
* 100 g Parmesan
* 1 Zitrone (Saft)
* Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
* 6 EL sehr gutes Olivenöl
* einige Blätter Minze

Für das Kohlrabi-Carpaccio die beiden Kohlrabi schälen und in hauchdünne Scheiben schneiden. Auf Teller verteilen aber noch nicht würzen. Salzt man den Kohlrabi bereits jetzt zieht er Wasser, was nicht erwünscht ist. Mit etwas von dem guten Olivenöl und dem Zitronensaft beträufeln.

Den Parmaschinken in kleine Stücke zupfen, den Käse fein hobeln, beides über den Kohlrabi streuen. Mit Pfeffer und Salz würzen, restliches Öl darüber verteilen und mit kleinen Minzeblättern garnieren. Fertig ist das Kohlrabi-Carpaccio.

11 Antworten : “Kohlrabi-Carpaccio mit Parmaschinken”

  1. Paul Riesig sagt:

    Mit euch Beiden diskutiere ich nicht mehr…..lasst uns lieber ein Bierchen trinken gehen 😉

  2. Also Peter mir gefällt Dein Kohlrabi-Carpaccio sehr gut. Das mit der Bezeichnung sehe ich nicht so streng, denn mittlerweile wird der Begriff Carpaccio auch als Synonym für eine Zubereitungsart (!)von Speisen verwendet, die aus sehr dünn geschnittenen Zutaten bestehen. Wenn ich mir dagegen in den diversen Kochblogs anschaue, welche barbarischen Zubereitungen unter dem Begriff Paella, Gazpacho, etc. vorgestellt werden, könnte ich mich viel eher aufregen. Tue ich aber nicht 😉

  3. Toettchen sagt:

    @ paul riesig – Ja, da hat sich sprachlich manches eingebürgert, was vor 10 Jahren undenkbar war. Aber was ist in diesen 10 Jahren in Deutschland alles kulinarisch verändert. Ich würde es mit einem Erdbeben vergleichen. Während zu Beginn dieser Phase noch der Streit darum ging, ob man sagt … an einer Whiskey Sauce oder … mit (auf) einer Whiskey Sauce. Ich habe damals immer gesagt, das ist mir vollkommen gleich, wenn es halb rohe Nierchen sind, dann ohne Nierchen und zweimal die Whiskey Sauce bitte. – Scherz bei Seite, nicht alles was in einer Tasse serviert wird und ein Schaumhäubchen trägt, ist ein Cappuccino.

    Ich selbst habe mich vor kurzem auch zu diesem Begriff verleiten lassen und bekam den Rat: Cappuccino immer in der Tasse. Nee, ab sofort hieß das wieder Erbsencremesüppchen mit Speckschaumhaube. Aber da haben wir ja das nächste: was ist eine Suppe, was ist ein Süppchen, was ist …. – ja der Begriffe gibt es viele.

    Ich denke, das ganze wurde von Gastronomen erfunden, die ja auch Umsatz machen wollen. Kohlrabi-Carpaccio klingt doch irgend wie spannend. Und über eines sind wir uns wohl alle einig: Nicht der Name ist das was bleibt, sondern die Erinnerung an den Geschmack.

  4. Eva sagt:

    schöne Idee für warme Sommerabende!

  5. Paul Riesig sagt:

    Ich finde es schon traurig, dass alles dünn aufgeschnittene als „Carpaccio“ bezeichnet wird. Carpaccio ist wesentlich mehr als nur „dünn“ aufgeschnitten!!
    Du selbst hast in deinem Beitrag die Herkunft schon erklärt. Frank Rosin hat einmal in einer Fernsehsendung recht erbost darauf hingewiesen:“Der Begriff Carpaccio sollte nur im Zusammenhang mit rohem Rindfleisch verwendet werden“ !!

    VG
    Paul

    • Es wird uns wenig helfen, wenn wir uns darüber einig sind, dass es jede Menge sprachliche Querschläger in den Küchen gibt.
      Das dumme daran ist ja nur, dass man sich so schnell daran gewöhnt.

      Ich selbst mag den Begriff „Smoothie“ nicht besonders. Einfach ein weiterer Anglizismus. Aber es gibt keinen vernünftigen deutschen Begriff dafür. Bei Smoothie wissen alle was gemeint ist. Und wenn es nur Kohlrabi ist, dann wissen die Leute trotzdem was mit Carpaccio gemeint ist.

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