Stadtgasthaus Eisvogel in Wien

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien

„Liebe Wiener/innen, wohin gehe ich als Besucher Eurer schönen Stadt an einem Sonntag Abend mit der besten Ehefrau von allen essen? Keine Sterne. Aber gepflegt, gerne modern, nicht durchgeknallt teuer, nur sehr ungern Schnitzel, einfach gute, moderne, österreichische Küche. Ist viel verlangt, ich weiß. Und ohne Auto sollte es auch noch erreichbar sein.“ – So eine Anfrage kann man heutzutage leicht an Menschen stellen mit denen man sich bei Facebook oder auch bei Google+ in einer Interessengruppe befindet.

Die Antworten auf meine Frage kamen prompt und recht zahlreich, allerdings wurde häufig übersehen, dass wir nur am Sonntag ausgiebig Speisen konnten. Der Samstag eignete sich wegen der Aufführung von „Elisabeth“ im Raimund-Theater um 20 Uhr nicht besonders gut dazu, ein feines Menü zu verspeisen. Deshalb musste am ersten Abend eine Gulaschsuppe genügen.

Die eingegangenen Tipps:

* Freyenstein (Sonntag und Montag Ruhetag)
* APPIANO Das Gasthaus (Sonn-und Feiertag geschlossen)
* PLACHUTTA Gasthaus zur Oper (geöffnet, aber die Speisekarte zu traditionell)
* Figls (am Sonntag geöffnet aber in Grinzing)
* Skopik & Lohn (Sonntags und Montag Ruhetag)
* Amons Gastwirtschaft (an Sonn- und Feiertagen nur von 10-16 Uhr)
* Stadtgasthaus Eisvogel (täglich geöffnet)
* Restaurant Konstantin Filippou (Sonntag geschlossen)

ElisabethEs ist also in Wien nicht einfach am Sonntag Abend hungrig zu sein und in das Lokal zu gehen, in das man gerne gehen möchte. Ich habe keine Statistik, aber gefühlt sind in deutschen Restaurants/Gaststätten die Ruhetage meist am Montag oder Dienstag.

Unser Besuch im ebenfalls empfohlenen „Stadtgasthaus Eisvogel“ (Eigenwerbung: Traditionelle Wiener Küche modern interpretiert!), kam also auch durch den Umstand zustande, dass die anderen Restaurants geschlossen hatten oder von unserem Hotel aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen, bzw. die Anfahrt zu lang war.

Der „Eisvogel“ hat im GaultMillaut zwei Hauben mit 15 Punkten (von 20 möglichen) was in der ambitionierten Gastronomie auf Mittelklasse schließen lässt.

Haube15 Punkte stehen für einen „hohen Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität“
Die Noten beziehen sich nur auf die Küche, nicht aber auf Ausstattung und Service.

Was am „Stadtgasthaus Eisvogel“ zuerst ins Auge springt ist die Adresse. Diese lautet nämlich „Riesenradplatz 5“, was bedeutet, das Restaurant befindet sich genau gegenüber des berühmten Riesenrades, am ebenso berühmten Prater in Wien.  Wo man auf anderen Rummelplätzen nur Bierzelte oder Haxn- und Hähnchenbratereien findet, kann man in Wien also sehr gepflegt speisen. Und es gibt spezielle Angebote des „Eisvogel“ in Zusammenarbeit mit dem Riesenrad. Näheres dazu am Ende der Seite.

Riesenradplatz am Wiener Prater. Foto: Iris
Dieses Foto hat mir freundlicherweise Iris zur Verfügung gestellt, die den schönen Blog „Wiener Spaziergänge“ schreibt und ihre Stadt fotografiert.

Das kulinarische Konzept ist das eines Gasthauses mit Niveau, saisonal wechselnder Küche, die Speisekarte ist überschaubar. Das Stadtgasthaus Eisvogel ist Mitglied der Genussregion Österreich was prinzipiell für Qualität bei den Speisen und Zutaten spricht. Unser Menü war jeweils das 4-Gang-Menü à 59 Euro.

Unser Besuch im Stadtgasthaus Eisvogel in Wien

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Etwas enttäuschend, der Gruß aus der Küche. Zwar enthielt der kleine Korb mehrere sehr gute Brotsorten, dazu gab es aber nur gesalzene Butter.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Dafür kam als erster Gang köstliche Leberpastete mit Lebuchen geschichtet dazu Kumquats, die eine leicht bittere Note in das feine Gericht brachten.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Wirklich ausgezeichnet!

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Darauf folgte Lachs mit Kräuterpüree und einem kleinen Gemüsebund. Schön anzuschauen. Geschmacklich wunderbar, der Teller war aber so heiß, dass der Lachs auf dem weiten Weg von der Küche bis zum Tisch durchgegart, und somit schon etwas trocken ankam.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Hauptgericht: Hummer und Krustentier Gulasch mit etwas Gemüse auf einem Nudelblatt. An diesem Gericht konnten wir uns leider nicht erfreuen. Zwar sah es interessant aus, dass aber das Wort „Gulasch“ so wörtlich genommen wurde, schmeckte uns nicht. Neben dem feinen Schäumchen „erschlug“ aus unserer Sicht die dunkle Gulaschsoße die gesamten Meeresfrüchte. – Wir meinen, innovativ gedacht, handwerklich gut gemacht, aber geschmacklich eine Bauchlandung in der Zusammenstellung.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
Nett, die kleine Speiseglocke. Darunter die gesalzene Butter.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
„Alles Apfel“ hieß das eine Dessert. Strudel und Mousse unter den gestiftelten Äpfeln, dazu Apfelsorbet. Von den beiden letzten Komponenten konnte man nicht viel erwarten, denn Apfel als Grundlage kann es nun mal nicht mit Schokolade aufnehmen, der Apfelstrudel, der das ganze hätte herausreißen können, war aber nicht besonders lecker.
Weder die Konsistenz des Strudelteiges noch die Apfelmischung im Inneren. Sorry.

Stadtgasthaus Eisvogel in Wien
„Mohnschmarrn, Quitten, Eis“ war der Name des zweiten Desserts, das leider ebenfalls schon von den Grundstoffen her keine großen Hoffnungen weckte. Der Mohnschmarrn war zwar von der Konsistenz her ganz okay, aber der gesamten Komposition fehlte der Kick.

Unser Fazit: ein netter Abend mit freundlichen Kellnern, die sich nicht aufdrängten.

Hinweis: Ganz besondere Angebote entstanden durch die Zusammenarbeit von Riesenrad mit dem Stadtgasthaus Eisvogel. Man kann in speziellen Waggons des Riesenrades kleine Feste oder (betuchte Verliebte) ein Candle Light Dinner auftischen lassen. Es gibt den Kaiserwaggon, den Jubiläumswaggon, den Dinner for Two-Waggon. Ein Infoblatt über die Kosten habe ich hier gefunden.
 
 

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