Englischer Teekuchen – Königskuchen

Englischer Teekuchen - Königskuchen

Rührkuchen sind das klassische Gebäck zum Nachmittagskaffee. Sie waren es zumindest, als man noch Nach­mittags­kaffee zu sich nahm. Damals als ich noch Kind war und auch später, als ich noch jung, aber schon verheiratet war.

Da lud man Freunde sonntags noch zum Nach­mittags­kaffee ein. Oder junge Mütter, die damals noch nicht unbedingt arbeiten mussten, trafen sich mit anderen jungen Müttern, damit ihre Kinder miteinander spielen konnten und die Kommunikation ohne Smartphone bestens flutschte.

Heute sind die Mütter berufstätig und geben sich auf all ihren Wegen mit Kaffee aus dem Pappbecher für völlig überteuerte DreiEuroAchtzig zufrieden. Sie halten sich in allen Lebenslagen daran fest als kämen sie ohne die Plörre auf der Stelle um. Dazu krümeln sie sich am liebsten eilig einen Muffin in den Mund. Muffins sind zwar auch nichts anderes als Rührkuchen, aber schon der Begriff ist moderner.

Einer meiner Lieblings(Rühr)kuchen war lange Zeit englischer Teekuchen, weithin bekannt auch als Königskuchen. Zumindest die ersten 20 Jahre meiner Ehe habe ich ihn stets als Lieblingskuchen genannt, bis er irgendwann in Ungnade fiel und das Rezept in einer dieser Versenkungen verschwand, die das Leben für manche Dinge bereit hält.

Die feindlichen Reihen waren dicht

Ich gebe zu, der Rest der Familie war nicht so gut befreundet mit ihm. Gegner von Rosinen im Gebäck hielten die feindliche Fahne hoch. Die, die kein Orangeat und auch kein Zitronat mögen, komplettierten die Front und sorgten dafür, dass englischer Teekuchen – Königskuchen – irgendwann kein Thema mehr bei uns war.

Da der Sinn und Zweck dieses Foodblogs darin begründet ist, alte Familienrezepte für unsere umfangreiche Nachkommenschaft aufzubewahren, wird es Zeit, den englischen Teekuchen – Königskuchen – hier zu veröffentlichen.

Bekanntlich sind unsere Köpfe rund – damit das Denken die Richtung ändern kann – wobei auch kulinarische Erfahrungen unseren Geschmack verändern. Die Verteufelung von Rosine, Zitronat und Orangeat kann also durchaus noch ins Gegenteil umschlagen. Wenn Sie zu den Gegnern der genannten Zutaten zählen: probieren Sie es einfach mal wieder aus!

Englischer Teekuchen - Königskuchen

Englischer Teekuchen – Königskuchen

Eines sei dem Rezept noch vorausgeschickt: ganz wichtig ist die Backzeit des Kuchens. Achten Sie unbedingt darauf, dass der Rührkuchen nicht zu lange im Backofen verbleibt und zu dunkel wird. Das beeinträchtigt den Genuss doch erheblich.

Die Zutaten:
* 400 g Mehl
* 200 g Butter (sehr weich)
* 180 g Zucker
* 5 Eier (getrennt)
* 150 g Mandeln (gestiftelt)
* die abgeriebene Schale einer kleinen Biozitrone
* 1 Tütchen Backpulver
* 100 g Orangeat
* 100 g Zitronat
* 150 g Rosinen
* 3-4 EL Rum
* 1 Schokoglasur

Englischer Teekuchen - Königskuchen

Englischer Teekuchen, so wird er gemacht:
Die Rosinen am Vorabend waschen, trocken tupfen. Zitronat und Orangeat klein würfeln und mit den Rosinen über Nacht im Rum einlegen.

Die Eier trennen. Von der gesamten Zuckermenge 150 g Zucker abwiegen und mit der weichen Butter schaumig rühren (Rührgerät). Nach und nach (einzeln) die Eigelbe in die Masse geben und weiterschlagen. Danach die Mandeln einarbeiten.

Eiweiß steif schlagen, die restlichen 50 g Zucker einrieseln lassen.

Mehl und Backpulver unter die Eier-Butter-Mandel-Menge mischen, anschließend den Eischnee unterheben.

EIN TIPP um zu verhindern, dass die Früchte (eventuell) auf den Grund der Backform sinken:
Die Rosinen, Orangeat und Zitronat ein bisschen ausdrücken, auf einem Teller verteilen und leicht mit Mehl bestäuben.

Noch eine Anmerkung dazu: bei uns sind die Früchte noch nie versunken, deshalb sparen wir uns den Schritt oben.

Die so präparierten Früchte unter den Teig heben und sofort in eine gut ausgebutterte (eventuell mit Semmelbröseln ausgestreute Kastenform) geben und 50-60 Minuten bei 160 Grad (Umluft) hellbraun backen (Stäbchenprobe). – Nach dem Auskühlen dick mit der Schokoglasur überziehen.

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10 Kommentare zu “Englischer Teekuchen – Königskuchen”

  • Beim Lesen hat mich der hohe Mehlanteil (400g) schon etwas irritiert; das Ergebnis überzeugt denn auch nur geschmacklich, weil der Kuchen sehr, sehr kompakt geraten ist. Und dass sich die Temperaturangabe auf Umluft bezieht, könnte ruhig deutlich erwähnt werden. Kein Rezept zum Nachbacken.

    • Hallo Bernd,
      was an 400 g Mehl in einem Kuchen irritierend sein soll erschließt sich mir nicht.
      Die Menge wird im Rezept benötigt um eine Standard-Kastenform zu füllen. Wenn Ihnen das zu viel ist, können Sie die Angaben im Rezept ja auf weniger herunterrechnen.
      Dann geht es weiter in Ihrer Kritik mit „das Ergebnis überzeugt denn auch nur geschmacklich“ – worin denn bitte sonst?
      Zum nächsten Punkt „Und dass sich die Temperaturangabe auf Umluft bezieht, könnte ruhig deutlich erwähnt werden“ sei gesagt, dass sich alle Temperaturangaben in meinen Rezepten auf Umluft beziehen, außer es wird etwas anders angegeben.
      Aber ich werde es anpassen.
      Dass es kein Rezept zum Nachbacken ist, kann ich ebenfalls nicht so stehen lassen.
      Das mag zwar Ihre persönliche Meinung sein, aber ich weiß ja nicht wo Ihre Qualifikation herrühren könnte, das für alle Leser zu beurteilen.
      Wir probieren alle Rezepte so lange, bis wir eines gefunden haben, das wir aus Überzeugung veröffentlichen.
      Mein Blog gehört nicht zu den Seiten, die sich damit brüsten, „35 tolle Königskuchen-Rezepte“ in der Sammlung zu haben.
      Uns genügt eines. Und zwar dieses.

  • Es hat sich leider ein Fehler eingeschlichen Englischer Teekuchen und Königskuchen sind nicht das selbe.

    Denn im Teekuchen sind anders als im Königskuchen noch Belegkirschen im Rezept.

    • Mit Fehler hat das nichts zu tun. Das kommt ganz auf das Rezept an.
      Belegkirschen (oder auch Cranberries) können jene verwenden, die sich nicht mit Zitronat und Orangeat anfreunden können.
      Was aber das ursprüngliche Rezept vorschreibt.

  • Gestern nachgebacken. Tolles Rezept, auf Anhieb gelungen, saftig und lecker! Ich hatte keine große Kastenform. Mit zwei kleinen Formen (Gugelhupf und Kasten) ging es genauso. Backzeit dann 45 min. Vielen Dank fürs Rezept und die gelingsichere Beschreibung!

  • Als Kind mochte ich den auch nicht, inzwischen schon, dank der verbesserten Qualität des Orangeats und Zitronats und so werd ich diesen Kuchen in mein Repertoire aufnehmen, ganz bestimmt.

  • Hallo Peter, schön das du diesen Klassiker ausgegraben hast. In den 70ern war er sehr berühmt zumindest bei mir. Meiner Mutter konnte ich damit eine große Freude bereiten. Deshalb habe ich ihn da sehr oft gebacken. Ich hatte ihn schon vergessen. Nun wurde er sofort ausgedruckt und er wartet auf seinen Auftritt.
    Viele Grüße von Ulla

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