Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Als es in grauer Vorzeit darum ging, das Internet mit sinnvollen Inhalten vollzustopfen, hatten die Technikfreaks natürlich ihre Nasen ganz weit vorne. Das Netz war schließlich ihre Erfindung und so konnte man bald via BTX und Modem alles über Technik und Funktionsweise des Netzes recherchieren. – Aber erst Marc Andreessen riss mit seinem Netscape Navigator Anfang der 1990er Jahre wichtige technische Hürden ein.

Sein kostenloses Stück Software machte es auch den Menschen, die hinter der Benutzeroberfläche Microsoft Windows 3.1 oder vor Apple Computern ihre Zeit verbrachten möglich, verhältnismässig komfortabel im Internet zu surfen. Nach den Technikern drängten flugs erste Nachrichtenportale, Fotografen, natürlich Pornobilder, Schriftsteller, respektive Jeff Bezos, der sein Amazon 1994 gegründet hatte, dazu noch Kino- und natürlich Kochbegeisterte ins Netz.

Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Schmandkuchen mit Sauerkirschen und die Mutter aller Foodblogs

Denn was kann wichtiger sein, als ein gutes Kochrezept? Das dachte sich sicher auch Carola Enning und gründete die Hausfrauenseite, die es noch im Jahr 1996 im deutschsprachigen Internet zu enormer Popularität brachte. Mittelpunkt der Seite war allerdings nicht das gute Kochrezept, sondern die sehr unterhaltsamen Geschichten, die Carola aus Ihrem Leben zum besten gab. Die Seite wird von Ihr auch heute noch gepflegt, steht aber leider (oder vielleicht doch zum Glück?) noch immer in der Optik von damals im Web.

Warum ich das alles erzähle? Weil wir seit Jahren einen Schmandkuchen mit Sauerkirschen essen, dessen Rezeptur ich 1997 auf der Hausfrauenseite gefunden und sofort ausgedruckt habe. Wer es ganz genau wissen will: das war am 02.03.1997, ich hatte Sonntagsdienst, um 12:21 Uhr, also in meiner Mittagspause. Sagt mir alles der Zeitstempel auf dem Ausdruck.

Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Dieser Schmandkuchen zählt seit dem Rezeptfund zu meinen absoluten Lieblingskuchen und er hat schon manches Familienfest verschönert. Er hat starke Ähnlichkeit mit verschiedenen Käsekuchen, ist aber mehr so eine Art Schmand- und Puddingkuchen.

Zutaten:
* 250 g Mehl
* 100 g Zucker
* 1 Ei
* 100 g Butter
* 1 TL Backpulver
* 1 Prise Salz.

Für die Herstellung des Mürbteigs sollte die Butter weich (nicht flüssig) sein. Alle Zutaten in eine Rühschüssel geben und mit dem Knethaken mehrere Minuten zu einem festen Teig kneten. Die Teigmenge dann dritteln. Etwa 2/3 des Teigs mit einem Nudelholz auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis (in der Größe der Springform) ausrollen.

Trick: Mit etwas Geschick, kann man den Teig auch direkt auf dem Boden der Springform ausrollen.
Das letzte Drittel der Teigmenge zu einer Wurst ausrollen und an den Rand der Springform drücken (Foto unten).

Zutaten für die Schmandmasse:
* 1/2 Liter Milch
* 3 Tütchen Vanillepuddingpulver
* 170 Gramm Zucker
* abgeriebene Schale von 2 Zitronen
* 600 Gramm Schmand
* 1 Glas Sauerkirschen (entsteint)
* ein Päckchen roten Tortenguß

Aus der Milch, dem kompletten Puddingpulver und 70g Zucker einen Pudding kochen (wird sehr dick!). In den Schmand die restlichen 100 Gramm Zucker plus Vanillezucker einrühren, mit Zitronenschale würzen, dann den Pudding mit dem gewürzten Schmand sehr gut verrühren. Es kann durchaus sein, dass dabei kleine Klümpchen des fertig gekochten Puddings verbleiben.

Den Teig in einer 26er Backform ausrollen, einen Rand stehen lassen und die Füllung darauf verteilen. Die Sauerkirschen abtropfen lassen. Den Saft für den Tortenguß aufbewaren. Die Kirschen auf dem Kuchen verteilen, und dann den Kuchen im vorgeheizten Backofen bei 160°C ca 50-60 Minuten lang backen. Die Kirschen versinken nicht ganz in der dicken Schmandmasse, weshalb man auf dem ausgekühlten Kuchen etwas Tortenguß verteilt. Das verhindert das austrocknen der leicht angebackenen Sauerkirschen.

Die oben beschriebene Vorgehensweise mit dem Pudding, der zuerst gekocht wird, mag Ihnen etwas seltsam erscheinen. Im Prinzip kann man alle Zutaten der Schmandfüllung auch einfach verrühren, denn der Pudding würde auch durch das Backen fest. Die Masse wäre geschmeidiger und ohne die Puddingklümpchen.

Die beste Ehefrau von allen sagt aber, ich hätte mich vor Jahren für die Variante oben, mit den ganz kleinen Klümpchen entschieden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, werde mich aber hüten ihr diesbezüglich zu widersprechen und wünsche gutes gelingen. Probieren Sie einfach beide Varianten aus und lassen Sie mich wissen, welche die bessere war.

Schmandkuchen mit Sauerkirschen
Schmandkuchen mit Sauerkirschen

Herbst
Herbst in seiner schönen Form. Schmandkuchen mit Sauerkirschen passt da prächtig.

Mürbteig
Der Mürbteig für unseren Schmandkuchen mit Sauerkirschen

13 Antworten : “Schmandkuchen mit Sauerkirschen”

  1. Nunca sagt:

    Hallo Peter,
    ich habe gerade den Kuchen mit Himbeeren aus dem Ofen geholt, bin schon sehr gespannt.
    Die Zubereitung der Füllung fand ich auch umständlich, vor allem weil der Pudding doch sehr fest wird und Klümpchen unvermeidbar sind. Woher hast du denn die Idee, alles nur zusammenzurühren? Ist das getestet worden? Bin nicht gerne die Erste…
    Grüße, Nunca

    • Hallo Nunca,
      ja, dass der Pudding sehr dick wird steht aber auch in der Anweisung, beziehungsweise im Text am Anfang, steht die Geschichte des Kuchens.
      Er ist x-fach erprobt und schlicht saulecker!

      • Nunca sagt:

        Meine Frage war, ob die Idee, die Füllung einfach nur zusammenzurühren bereits getestet wurde.

        • Hallo Nunca,
          darf ich nochmals auf die gesamte Geschichte verweisen?
          Dort steht zum Beispiel:
          ….dessen Rezeptur ich 1997 auf der Hausfrauenseite gefunden habe….
          und
          Dieser Schmandkuchen zählt seit dem Rezeptfund zu meinen absoluten Lieblingskuchen und er hat schon manches Familienfest verschönert.
          und
          Die Masse wäre geschmeidiger und ohne die Puddingklümpchen. (was Ihre Frage bejaht)
          und
          Die beste Ehefrau von allen sagt aber, ich hätte mich vor Jahren für die Variante oben, mit den ganz kleinen Klümpchen entschieden.
          Gutes Gelingen

  2. SammySahnejoghurt sagt:

    Bei mir sieht Kirschkuchen nie so schön aus. Irgendwas mach ich falsch, da mein Kirschkuchen jedesmal matschig wird.

  3. Wird in der „Nachplätzchenzeit“ garantiert nachgebacken. Danke für’s Rezept 🙂

  4. Carola sagt:

    „steht aber leider (oder vielleicht doch zum Glück?) noch immer in der Optik von damals im Web“

    Pah … hier irrt der Peter 🙂
    Die Hausfrauenseite hat über die Jahre die Frames verloren und auch keine Blümchentapete mehr als Hintergrund.
    Ansonsten ja … wir bleiben dabei, mit veralteter Technik, selbstgestricktem Design, dafür aber mit viel Herz und Charme Lieblingsrezepte, Erfahrungsberichte und „Kram“ zu sammeln. Bei uns ist alles echt, kein „Content“, keine Hochglanzfotos und oft mehr guter Wille als Können.
    Im Oktober ist die Hausfrauenseite 20 Jahre alt geworden und sie macht mir noch immer viel Spaß.

  5. Eva sagt:

    Ja, die Veränderung der Kommunikationsstrukturen ist schon verblüffend.
    Sehr feiner Schmandkuchen, ich werde als erstes die klümpchenfreie Variante testen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Eva

  6. ninive sagt:

    Ein Kuchen für mich…. ich würde wahrscheinlich die Milch aufkochen und das Puddingpulver mit dem Schmand verrühren und dann unterrühren…. eine bereits bewährte Methode.

  7. Die Fotos sehen toll aus, die Idee mit der Glasur ist auch hübsch – aber wenn ich dann sehe, dass es hier noch einen Käsekuchen mit Kirschen und Streuseln gibt; alos, wenn ich die Wahl hätte – ich weiß ja nicht…

  8. Melli sagt:

    Für Kirschkuchen bin ich immer zu haben 😉
    Schon Wahnsinn, wenn man überlegt, in welch kurzer Zeit sich das Internet so rasant entwickelt hat. Ich bin jedes Mal wieder ganz verblüfft.

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