Der beste Spargel. In Berlin.

Spargelkauf am Prenzlauer Berg bei Donja

Seit es Radio, Fernsehen und das Guinness-Buch der Rekorde gibt, neigt der Mensch dazu endgültig alles zu klassifizieren. Und immer auf der Suche nach den Besten zu sein. Der beste Italiener, der beste in einer Unmenge von Sportarten, das beste Sushi, das beste Auto, das beste Hotel, und nicht zuletzt der beste Spargel.

Mit diesen Fragen, beziehungsweise auf der Suche nach den Antworten darauf, lassen sich prächtig Zeitungs-Seiten füllen, Radio Stunden verplempern, Sendezeiten in vielen Kanälen des Fernsehens stundenlang füllen und fragwürdige Abstimmungen im Internet veranstalten.

Auch wenn es manche versucht haben: die Frage nach dem besten Spargel ist fast gar nicht zu beantworten, denn Spargel ist schlicht ein regionales Produkt, das möglichst frisch auf den Teller kommen sollte.

Für mich als Franke fallen deshalb alle Spargelstangen aus anderen bekannten Anbaugebieten automatisch unter den Tisch. Warum sollte ich mir Spargel aus Schwetzingen, der Pfalz, aus Schrobenhausen oder gar aus Beelitz, das circa 50 km südlichwestlich von Berlin liegt, auf den Teller laden, wenn ich doch qualitativ hochwertigen fränkischen Spargel, nur 1,5 km von meiner Haustür entfernt, direkt beim Bauern kaufen kann?

Etwas anderes ist es, wenn man in Berlin lebt. Auf meinem letzten Streifzug durch die pulsierende Metropole, habe ich sehr nette Spargel-Fachverkäuferinnen kennen gelernt, die alle einem kleinen Schwätzchen sehr aufgeschlossen gegenüber standen und natürlich ausschließlich Spargel aus Beelitz im Sortiment haben.

Spargel von bester Qualität

Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen!

Da wäre zunächst die fröhliche Donja (Foto ganz oben), die am Freitag und Samstag an der Ecke Schönhauser Allee/Eberswalder Straße anzutreffen ist. Sie hat eine kleine Mauer aus verschlossenen Plastikboxen um sich aufgebaut, die ihr gleichzeitig als Theke und als Sitzgelegenheit dienen. An der Ecke pfeift der Wind und braust der Verkehr. Konnopkes Imbiss liegt gleich gegenüber, die U2 und einige Straßenbahnlinien rumpeln im schnellem Takt fast durch ihren Verkaufsstand hindurch.

Sie macht ihre erste Saison hier, sieht das Ganze aber sehr gelassen, denn der Spargelverkauf ist nur eine Nebentätigkeit. Sie freut sich über die vielen Menschen die hier vorbeikommen, Bekannte und Nachbarn mit denen sie ein Schwätzchen halten kann. Aber auch über die vielen Fremden aus zahlreichen Ländern dieser Welt, die sich im angesagten Viertel Prenzlauer Berg, im ehemaligen Ostteil der Stadt, niedergelassen haben und Spargel bei ihr kaufen.

An diesem Freitag ist sie mit 140 kg der weißen Stangen ausgestattet, von denen sie hin und wieder eine roh knabbert. Am liebsten mag sie aber warmen Spargelsalat aus weißen und grünen Stangen, die in Olivenöl angebraten, mit Orangensaft verfeinert und mit Olivenstückchen serviert werden. Sie ist überzeugt davon, dass am Ende des Tages ihre komplette Ware verkauft sein wird, und so ist es dann auch.

Kirschen rot, Spargel tot.

Spargelkauf bei Anka Maria in der Zunfthalle

Die noch heute existierende Arminiushalle (Zunfthalle) in Berlin Mitte/Moabit (Arminiusstraße 2-4, nähe U9-Haltestelle Turmstraße), wurde bereits 1891 als zehnte Berliner Markthalle eröffnet. Früher befanden sich darin 425 kleine Stände auf zehn Verkaufsgängen. Allerdings ohne in unmittelbarer Nähe die Konkurrenz von Aldi und anderen Filialen fürchten zu müssen.

Heute gibt es eine Fülle von Einkaufsmöglichkeiten und Verköstigungsstände darin. Es gibt ein Konzept mit interessanten Veranstaltungen, vom Kreativmarkt bis zum Bluesabend ist alles vertreten. Und selbstverständlich kann man bis zum Ende der Saison in der Halle bei Gemüse-Zille auch Spargel kaufen.

Dreimal in der Woche arbeitet Anka Maria (Bild 3) als Teilzeitkraft hier. Sie schätzt, dass sie an ihrem Stand täglich 20-30 kg Beelitzer Spargel auswiegt und verkauft. Bis jetzt bevorzugt Anka Maria warmen Spargel, entweder nur mit Butter oder selbst gemachter Sauce hollandaise. Allerdings sitzt sie schließlich an der Quelle und wird, auf meinen Tipp hin, demnächst diesen leckeren Spargel Salat mit Tomaten zubereiten.

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Christiane, die schicke Spargeldame - Aus meinem Kochtopf

In Kreuzberg befindet sich die Markthalle Neun (Eisenbahnstraße 42/43, nähe U1-Haltestelle Schlesisches Tor) die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Dort findet zum Beispiel jeden Donnerstag von 17-22 Uhr der „Street food thursday“ statt. Außerdem sieht das Konzept der Hallenbetreiber jeden Sonntag eine Veranstaltung „Wein trifft Käse“ vor. Über 30 Winzer aus verschiedenen Ländern treffen auf ein Dutzend regionaler Käse Handwerker.

Besonders beliebte Stände in der Halle sind der „Big Stuff smoked Barbecue“ und der „Glut & Späne“ Stand. Die beide Gaumenfreuden vor Ort herstellen, die man sonst wirklich nirgends findet. Echtes Barbecue und amerikanisches Pulled Pork bzw. feinen Räucherfisch.

Gleich am Eingang Eisenbahnstraße hat sich unter zwei Sonnenschirmen Christiane, die schicke Spargeldame eingerichtet. Sie ist keine Frau der Zahlen, weshalb sie es offen lässt, ob sie heute 20, 40, oder mehr Kilo des Beelitzer Feingemüses verkauft. Sie hat 13 Jahre lang in Polen gelebt, weshalb sie ihren Spargel am liebsten mit Butter und Semmelbröseln genießt.

Ihre Kunden rüstet sie mit gutem Rat zur Spargelbehandlung aus, oder erzählt Geschichten aus längst vergangenen Tagen. So zum Beispiel, dass früher in der Oberschicht der Spargel mit den Fingern gegessen wurde. Nicht um besonders lässig zu wirken, sondern wegen des üblicherweise benutzten Silberbestecks. Eine schwefelhaltige Verbindung im Spargel lässt nämlich das edle Besteck dunkel anlaufen. Was es auch heute noch tun würde.

Spargelbruch - Was koche ich heute

2 Antworten : “Der beste Spargel. In Berlin.”

  1. Melanie sagt:

    Bei Spargelfrau Christiane in der Markthalle Neun habe ich auch am Freitag leckeren Spargel gekauft. Und es gab sogar grünen, dünnen Spargel aus Belitz, was ziemlich selten ist, freu!

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