Gumbo mit Meeresfrüchten

Gumbo mit Meeresfrüchten

Während es manche Leute unbedingt nach New York, nach San Francisco, nach Las Vegas oder nach Miami zieht, haben wir unsere erste gemeinsame Reise in die Vereinigten Staaten in den „Deep South“ unternommen. Es war eine Gewalttour auf der wir über 3.200 Meilen zuückgelegt haben. Nachdem eine Meile geich 1,609344 km sind, entspricht das also einer Strecke von 5.150 Kilometer.

Dabei ging es uns gar nicht darum, irgendwelche Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten. Der Plan war nur das reine Erlebnis USA, zum Teil auf der „Musikroute“. Dem vielbeschworenen Lebensgefühl dort nachzuspüren. Durch unendliche Landschaften zu fahren und darauf zu hoffen, auf der Interstate einen Sheriff hinter seiner Deckung hervorbrausen zu sehen. Die glänzenden Trucks und Riesenwohnmobile zu bewundern, ein möglichst altes Diner am Wegesrand zu finden. – Ein passendes Hotel mit einem gigantischen Kingsize-Bett und natürlich ein gutes Restaurant am Abend.

Tagsüber im Auto durch die Radiosender und im Hotelbett mal schnell durch sämtliche Fernsehsender zappen um die Lage in der Welt zu checken. Dabei folgende Erfahrung gemacht: Europa? Wo ist das? Eine Frau Merkel? Drei Wochen lang nichts davon gesehen und gehört. Amerika ist definitiv mit sich selbst beschäftigt.

Abgerundet wurde die Reise durch eine zusätzliche Ruhe-Woche in einem typisch amerikanischen Mittelstands-Wohngebiet, in dem die großen Gärten keine Zäune haben, der Rasen exakt getrimmt ist, an jeder zweiten Garage ein Basketballnetz hängt und die kleinen Fahrzeuge der spielenden Kinder kreuz und quer in den Auffahrten liegen. Wo der Zeitungsjunge mit dem Fahrrad kommt und niemals ein Mensch auf den Gehwegen zu sehen ist, denn alle fahren mit dem Auto.

Danach setzten wir uns selbst ins Auto und starteten von Hagerstown (Maryland) in Richtung Westen bis Nashville und Memphis (Tennessee), bogen dort nach Süden ab und fuhren, so gut es ging am Mississippi entlang, nach Natchez (Mississippi) und von dort nach New Orleans (Louisiana). Das war noch nicht mal die Hälfte der Strecke, aber Zeit eine weitere 2-tägige Pause einzulegen. Vom Rest der Reise erzähle ich vielleicht ein andermal.

Erinnerungen an New Orleans

in New Orleans

Wir leisteten uns, dort angekommen, zwei Übernachtungen in einem „Bed & Breakfast“ etwas außerhalb des Zentrums, aber mit Straßenbahnhaltestelle fast direkt vor der Tür. Das riesige Haus war eine Südstaatenvilla wie aus dem Bilderbuch. Es hätte einen frischen Anstrich vertragen können, aber unser Zimmer war toll, der Vermieter sehr aufgeschlossen, die Einrichtung stilgerecht überladen und wie es sich gehört, standen auf der Veranda Schaukelstühle, in denen man sich mit den anderen Gästen der etwa acht vermieteten Zimmer treffen und unterhalten konnte.

Die wichtigste Frage an den Vermieter war natürlich die nach vernünftigen Restaurants in der Stadt? Der Mann gab uns zwei gute Tipps: Um Fisch/Seafood zu essen schickte er uns direkt in die berühmte Bourbon Street ins „Red Fish Grill„, wo es selbstverständlich auch frische Austern in rauhen Mengen gab.

Sein zweiter Tipp war der Gumbo Shop (French Quarter, 630 Saint Peter Street), wo wir uns der kreolischen Küche annehmen sollten. – Beide Tipps waren übrigens Volltreffer und in beiden mussten wir warten bis endlich Plätze frei wurden. Eine Angelegenheit die man aus Europa überhaupt nicht gewohnt ist! Aber die Gastronomie (damit meine ich keine Fastfood-Buden) in den Vereinigten Staaten funktioniert nun mal wesentlich besser als bei uns.

Gumbo mit Meeresfrüchten
Unser Gumbo mit Meeresfrüchten (Garnelen)

Ein wichtiges Gericht der Cajun- oder kreolischen Küche im tiefen Süden ist neben dem bekannten Jambalaya (basierend auf Reis), das Eintopfgericht Gumbo, welches es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Meist als Chicken- oder Seafood-Gumbo.

Gumbo mit Meeresfrüchten

Die Grundlage eines echten Gumbos bildet eine dunkle Mehlschwitze (Roux), wie man sie aus alten Zeiten kennt. Eine häufige Zutat im Gumbo sind Okraschoten. In meiner Variante fielen die Okraschoten anderen Zutaten zum Opfer. Das lag zum einen an der Jahreszeit und den damit zusammenhängenden Preisen für eine Gemüsesorte, die ich nicht einmal besonders mag. Dafür landeten jede Menge Garnelen in unserem echten Seafood-Gumbo. Dazu kommt trotzdem noch eine scharfe Wurst, die auch geräuchert sein kann.

Die Zutaten für unser Gumbo mit Garnelen:

Benötigt wird auf jeden Fall ein Fond aus 1 großen Zwiebeln, 3 Knoblauchzehen, 3 Selleriestangen, 1 Rosmarinzweig, Salz, reichlich Paprikapulver (2 TL) und Schalentieren aus dem Meer, also einige Garnelen oder Krabben. Das wird alles für eine Stunde mit 5-6 Lorbeerblättern in einem Liter Wasser gekocht. Wer kein Meeresgetier verwenden will, kann auch Fischkarkassen verwenden, die man beim Fischhändler häufig sogar kostenlos mitnehmen kann. – Den gekochten Fond abgießen und auffangen.

Rezept für vier Personen

* 600 Gramm Garnelen
* 1 scharfe Wurst (ähnlich einer Salsiccia)
* 125 ml Pflanzenöl
* 100 g Mehl
* 2 Zwiebeln
* 3 Knoblauchzehen
* 1 rote Paprikaschote
* 1 gelbe Paprikaschote
* 300 Gramm Pimientos de Padrón (anstelle der Okraschoten)
* 4 Stangen Sellerie
* 1-2 Chilischoten
* 1 EL Salz
* 1 TL Pimentón de la Vera (span. Paprika, geräuchert)
* 2 TL Chilipulver
* 1 TL schwarzer Pfeffer (frisch gemahlen)
* ½ TL getrockneter Thymian
* ½ TL Cayennepfeffer
* 1 TL getrockneter Oregano
* 1-2 Stücke 70% Schokolade

Die Zubereitung:
Die Zwiebeln, die Paprikaschoten und die Selleriestangen nicht zu klein hacken. Die Wurst in Scheiben schneiden. Abdecken und beiseite stellen. Knoblauch fein hacken, die Gewürze bereit stellen.

Das Öl in einem schweren Schmortopf (mit dickem Boden) erhitzen, das Mehl einrieseln lassen und mit dem Schneebesen immer rühren, damit die Mehlschwitze nicht am Topfboden kleben bleibt. So lange bei etwas mehr als mittlerer Hitze köcheln, bis die Mehlschwitze hellbraun wie Milchschokolade geworden ist. Das kann 20-40 Minuten dauern.

Blog-Event XVC - Kulinarischer Roadtrip durch die USA (Einsendeschluss 15. Februar 2014)

Wenn die Mehlschwitze eine schöne Farbe hat, die Zwiebeln, Sellerie und Paprika zugeben und für 5 Minuten garen. Die Gewürze, Knoblauch und die Wurstscheiben einarbeiten, mit einer Schöpfkelle etwas von dem Fischfond zugeben. Weiter köcheln und immer wieder etwas von dem Fond zugeben wodurch das Gumbo schön samtig wird.

Würde man die gewünschte Fondmenge auf einmal in die heiße Mehlschwitze geben, würde sich das Öl eventuell absetzen und das würde den Reiz des Gumbos erheblich reduzieren. – Was die Kochzeit angeht: ich mag kein verkochtes Gemüse. Andere Leute schwören darauf, dass Eintöpfe mit jedem Aufwärm-Vorgang besser werden und je weicher das Gemüse ist, um so besser würde es. – Dieser Meinung bin ich, wie gesagt nicht. Deshalb kann man in meinem Gumbo erkennen was drin ist. Normalerweise ist es eher so ein brauner Brei 😉

In den letzten Minuten die Garnelen zugeben, alles nochmals schön scharf abschmecken, eventuell die dunkle Schokolade einrühren. Mit angeröstetem Baguette und frischem Salat servieren. Eine unvergesslichen Mahlzeit mit Erinnerungen an New Orleans.
Mit diesem Beitrag beteilige ich mich an nebenstehendem Blog-Event, das von Bella, von bella kocht erdacht wurde.

Schaufelraddampfer in dem Städtchen Natchez
Schaufelraddampfer in dem Städtchen Natchez

Auf nach New Orleans

Unsere Bleibe in New Orleans
Unsere Bleibe in New Orleans

Bed and Breakfast in New Orleans
Bed and Breakfast in New Orleans

New Orleans

Die Straßenbahn fährt direkt vor unsere Tür - New Orleans
Die Straßenbahn fährt direkt vor unsere Tür – New Orleans

Das berühmte Cafe Du Monde in New Orleans: eine einzige Enttäuschung
Das berühmte Cafe Du Monde in New Orleans: eine einzige Enttäuschung. Fest in chinesischer(?) Hand. Unfreundliche Bedienungen, weit davon entfernt mit einem französischen Café zu konkurrieren

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Im Red Fisch Grill

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Die Austern im Red Fish Grill waren sehr groß und trotzdem preiswert (das halbe Dutzend zu 8,95$)

Der Gumbo Shop in New Orleans
Der Gumbo Shop in New Orleans

Im Gumbo Shop in New Orleans
Im Gumbo Shop in New Orleans. Hier hab es Gumbo mit Meeresfrüchten, allerdings mit mehr als nur Garnelen.

In New Orleans

New Orleans

11 Antworten : “Gumbo mit Meeresfrüchten”

  1. S-Küche sagt:

    Hallo Peter, ich komme jetzt erst dazu einen Gegenbesuch zu machen. Toller Beitrag mit wunderschönen Fotos! Ein Gumbo habe ich bisher noch nie gemacht, das wird mit deinem Rezept jetzt nachgeholt.
    Viele Grüße, Simone

  2. Toettchen sagt:

    Danke für diesen wunderschönen Bericht, der uns in den Süden der USA versetzt. Ich bin ganz begeistert.

  3. Barbara sagt:

    Danke fürs virtuelle Mitnehmen. Lousiana, New Orleans und der Süden steht auch schon lange auf unserer Wunschliste und wenn ich die Fotos sehe, mmhmmm…

  4. Bella sagt:

    Lieber Peter,

    danke auch für deinen zweiten Beitrag!
    Und auch hier wieder so tolle Bilder, ich freu mich!
    Und Gumbo ist auch so ein typisches Südstaaten-fernweh-rezept!

    VG bella

  5. Julia sagt:

    Hach wie schön, ein Gumbo-Rezept! Das erinnert mich daran, dass ich das auch endlich mal wieder kochen will. Meine erste Gumbo ist schon unzählige Jahre her… ich erinnere mich aber, dass es gar nicht so leicht war, diese dunkle Mehlschwitze (Roux) herzustellen… Passend zum Thema gibt’s auf dem Blog s-Küche übrigens ein Jambalaya. Das ist ja nicht so weit entfernt vom Gumbo. Eine Herausforderung, beides mal zu kochen… irgendwann…
    Liebe Grüße aus Köln!
    Julia

  6. ninive sagt:

    Hach, Peter….. im Voodoo-Museum waren wir auch drin, und im Gumbo-Shop, mir wird ganz sehnsüchtig ums Herz beim Lesen und Betrachten der Fotos. Und das schöne Rezept wird sicher nachgekocht!

    • Hallo Ninive,
      ich habe mir das auch überlegt…. obwohl die USA natürlich noch unendlich viele interessante Ziele für Reisen hat: In den Deep South würde es mich glatt ein zweites mal ziehen!

  7. Friederike sagt:

    wow, was für ein Beitrag, die Reise, das Essen, New Orleans…
    das tät´ mich auch reizen so zu reisen wie ihr es gemacht habt!!
    Wir waren „nur“ im Südosten und haben absichtlich relativ! wenige km abgespult,
    wann kommt die Fortsetzung?

  8. Vielen Dank für diesen informativen Post und fürs Mitnehmen auf eure Reise. Ich habe zum ersten Mal Gumbo gesehen, bei dem man tatsächlich die einzelnen Bestandteile bzw. Zutaten erkennen konnte – und ein Bett im B&B mit Hand-schlössern – bis ich dann beim zweiten Hinsehen erkannt habe, dass es die Quasten sind ;-)))

    • Hallo Sabine,
      ich muss Dir recht geben. Dass man in meinem Gumbo erkennt was drin ist, liegt natürlich daran, dass ich es so lieber mag, als wenn das Gemüse bis zur Unkenntlichkeit verkocht ist (was üblich wäre). Und außerdem sollte es für das Bild ein bisschen fotogen bleiben 😉
      Die Quasten gehörten übrigens zu den Vorhängen. Und dienten keinem anderen Zweck….

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