WM 2014 – Mexiko – Fleischbällchen mit Salsa

Mexikanische Fleischbällchen

Die ersten Mexikaner, die in meinem Leben auftauchten, waren für mich nur schwer zu verstehen. Sie waren echte Underdogs in einer großen Anzahl von Filmen, in denen stets glattrasierte Cowboys oder Revolverhelden hoch zu Pferd die Welt durchstreiften.

In den Filmen ebenfalls vorkommende Mexikaner hatten meist drei Aufgaben zu erfüllen. Entweder sie lungerten schnarchend unter einem riesigen Sombrero, unweit einer Salontür herum. Die nächste Kategorie lauerte mit langen Flinten, gekreuztem Patronengurt vor der Brust und gewaltigen Schnurrbärten bewaffnet hinter Felsen in der Prärie. Nur um kurz darauf kreischende weiße Damen aus Postkutschen zu scheuchen.

Um das tendenziell negative Bild zu komplettieren und die Mexikaner zu diskreditieren, sah man sie in einer dritten Kategorie häufig ohne Sattel auf kleinen Mauleseln reiten, was ziemlich albern wirkte.

In dem berühmten Film „Die glorreichen Sieben“ aus dem Jahr 1960 mit Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson, James Coburn, dem jungen Horst Buchholz und weiteren Helden, spielte Eli Wallach, der erst am vergangenen Dienstag 98-jährig verstarb, den Banditen „Calvera“.

Um dem angeschlagenen Image vom dreckigen, armen und kleinen Mexikaner entgegenzuwirken, setzte die mexikanische Filmkommission damals durch, dass alle hart arbeitenden Bauern in dem Film jederzeit in frisch gewaschener, blütenweißer Kleidung aufzutreten hätten. Was entsprechend lächerlich wirkte. Dem Banditenführer Calvera wurde deshalb der zunächst sinnlos erscheinende Satz in den Mund gelegt: „Ich komme immer wieder gerne in euer sauberes Dorf“. – Wie Mexikaner aussehen wusste ich also.

In den Blickpunkt meines Interesses rückte Mexiko danach erst wieder durch die im Jahr 1970 stattfindende Fußball WM. Zumindest war mir danach klar, dass nicht alle Mexikaner einen Sombrero oder Patronengurt tragen.

Neuheiten in Mexiko 1970

Nicht nur in meiner Wahrnehmung, auch für den Rest der Welt wurden Neuerungen eingeführt. Seit drei Jahren gab es in Deutschland schon Farbfernsehen, weshalb zur WM 1970 die Fußball-Übertragungen erstmals in Farbe gesendet wurden. Ein Teil der Spiele wurde um 19 Uhr bzw. 23 Uhr unserer Zeit angepfiffen und erstmals via Satellit live übertragen.

Die Folge auf der anderen Seite der Weltkugel: Die Spieler mussten um 12 Uhr mittags oder um 16 Uhr ihre Spiele bestreiten. Da in Mexikos Stadien auf dem Spielfeld um diese Zeit durchaus Temperaturen um die 45-50 Grad herrschten, war das wirklich kein Spaß und brachte eine neue FIFA-Regelung mit sich. Erlaubt wurde erstmals die Auswechslung von zwei Spieler pro Mannschaft und Spiel. Selbst die FIFA hatte Bedenken wegen der Belastung der Spieler bei großer Hitze und wegen der großen Höhen. Mexiko-Stadt liegt immerhin auf 2.310 Metern.

Erstmals im Einsatz: Gelbe und Rote Karte

Premiere bei diesem WM-Turnier hatten außerdem die Gelben und Roten Karten. Eine Rote Karte wurde bei dem ganzen Turnier zwar nicht vergeben, aber immerhin 33 Gelbe.

Von der sportlichen Seite gesehen ebenfalls von Interesse: in den K.-o.-Runden gab es zwar Verlängerungen aber noch kein Elfmeterschießen. Hätte es nach Verlängerung unentschieden gestanden, wäre der Sieger allen Ernstes ausgelost worden! Nur das Finale wäre bei einem Remis nach Verlängerung wiederholt worden. Was aber nicht nötig war.

Brasilien wurde zum dritten Mal Weltmeister und durfte den Pokal für immer behalten. Die Begeisterung in Brasilien kannte keine Grenzen. Zu betrauern waren nach den Siegesfeiern im jetzigen Gastgeberland allein in Rio de Janeiro 44 Tote!

Es gab bei der WM in Mexiko zwei wirklich denkwürdige Spiele mit deutscher Beteiligung, die dem berühmten Wembley-Finale vier Jahre zuvor an Dramatik kaum nachstanden. England wurde mit 3:2 im Viertelfinale besiegt, gegen Italien kam dann das Aus im Halbfinale. Italien siegte in einem echten Jahrhundertspiel mit 4:3. An diese Begegnung erinnert sogar eine Gedenktafel am Aztekenstadion!

Der Ball

Und was ist mit Franken? Seit 1970 beauftragt die FIFA nur noch den Herzogenauracher Sportartikelhersteller adidas mit der Belieferung von Fußbällen. Jeder trägt einen Namen, das Modell von 1970 hieß, in Anlehnung an einen Satelliten „Telstar Durlast“.

Das für die WM 2014 in Brasilien entwickelte Modell wird „Brazuca“ genannt und wurde laut einer aktuellen Pressemeldung, die adidas in dieser Woche herausgegeben hat, bereits mehr als 14 Millionen mal verkauft. Dazu addieren sich über 8 Millionen Stück verkaufter WM-Trikots, wovon alleine 2 Millionen Stück dem Modell der deutschen Nationalmannschaft zugerechnet werden können.

Vom Ball zum Fleischbällchen? Oder doch Chili con Carne

Zum nächsten Spiel der mexikanischen Mannschaft kann man selbstverständlich das weltberühmte Chili con Carne auf die Speisekarte setzen. Aber die mexikanische Küche ist vielfältig. Die Quellen der Kulinarik reichen bis zu zahlreichen Ureinwohnern zurück, aber auch die Eroberer und die verschiednen Besetzer des Landes haben kulinarische Spuren hinterlassen.

Deshalb gibt es kleine Fleischbällchen, die in Mexiko häufig gegart und nicht gebraten werden, und dazu recht einfach herzustellen sind. Dazu passt Reis oder Fladenbrot. Mexikaner würden vermutlich Tortillas dazu speisen.

Fleischbällchen mit Salsa – Albóndigas

Die Zutaten für 4 Personen:
* 600 g gemischtes Hackfleisch
* 3 Zwiebeln
* etwas Olivenöl
* 100 g Semmelbrösel
* ca. 5 EL Milch
* 500 ml Rinderbrühe
* 2 EL Tomatenmark
* 1 Chili
* 5 Eier
* 2 EL Korianderkörner
* 1 Bund Petersilie
* Salz und Pfeffer

Drei Eier in 10 Minuten hart kochen, abschrecken, pellen und fein würfeln. Die beiden restlichen Eier verquirlen. Die Semmelbrösel mit der Milch übergießen und einweichen.

In einem mittelgroßen Topf, in den später auch die Fleischbällchen passen sollten, zwei grob gehackte Zwiebeln in etwas Öl glasig braten. Das Tomatenmark darin anrösten, mit der Rinderbrühe ablöschen, zum Kochen bringen und bei geringer Hitze im geschlossenen Topf einige Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die Chili fein hacken und in die Soße geben.

Die dritte Zwiebel abziehen und fein hacken. Hackfleisch mit den eingeweichten Semmelbröseln, den verquirlten Eiern und gehackter Zwiebel in einer Schüssel vermengen. Die Korianderkörner in einer Pfanne anrösten bis sie duften, in einem Mörser zerstoßen. Petersilie waschen, trocken schütteln und fein hacken. Alle Zutaten zur Fleischmasse geben und kräftig mit Salz und Pfeffer würzen.

Das Hackfleisch mit einem Esslöffel abstechen, flach drücken und in die Mitte einige Eierwürfel legen. Das Hackfleisch um diese Füllung drücken und zu einem Bällchen formen.

Die Bällchen (bei Bedarf portionsweise) für ca. 20 Minuten im geschlossenen Topf in der Soße garen. Zwischendurch mehrfach umrühren und wieder abdecken.


Hier wird die WM 2014 kulinarisch begleitet. Die Rezeptsammlung für die WM in Brasilien:


2 Antworten : “WM 2014 – Mexiko – Fleischbällchen mit Salsa”

  1. Da bekommt man beim lesen doch richtig Hunger 🙂

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