WM 2014 – Portugal – Piri-Piri-Hähnchen

piri piri hähnchen

Unsere erste Begegnung mit einem Piri-Piri-Hähnchen fand 2006 in Portugal statt. Das war auf einer Rundreise um einen Teil der iberischen Halbinsel, die uns von Lissabon via Algarve und Andalusien bis nach Madrid führte. Einer von vielen Tipps die wir im Gepäck hatten, empfahl uns das portugiesische Städtchen Monchique keinesfalls auszulassen. Denn dort gebe es ein kleines Restaurant, in dem das beste Piri-Piri-Hähnchen in ganz Portugal serviert werden würde.

Der Weg in das Städtchen Monchique mit seinen Thermalquellen war den kleinen Umweg auf unserer langen Reise durchaus wert. Die „Serra de Monchique“, nur wenige Kilometer von den Traumstränden der Algarve entfernt, ist sogar international bekannt. So verbrachte im Jahr 2013 der britische Premierminister David Cameron mit seiner Familie hier seinen Sommerurlaub.

Aber, wie es so ist im Leben, klaffen die eigenen Wahrnehmungen und die von kulinarischen Tippgebern leider oft weit auseinander. So auch hier. Das empfohlene Restaurant gehörte aber immerhin in die Kategorie der Skurrilitäten.

Das Alter der Wirtin konnte man nur mit 79 Jahren aufwärts einschätzen. Sie winkte uns, in der Restaurant-Tür des einfachen Hauses stehend, wie die Hexe bei Hänsel und Gretel. Dabei bewegte sie nur die ersten beiden Glieder ihres Zeigefingers, dessen Nagel feuerrot lackiert war.

Trotz ihres fortgeschrittenen Alters trug sie eine blonde Marilyn Monroe Perücke und knallrot geschminkte Lippen deren natürliche Begrenzung sie rund um den Mund 2-3 mm übermalt und so vergrößert hatte. Auch sonst zeigte sie keinerlei Skrupel, alle Register der modernen Kosmetik zu ziehen, um ihr Alter zu verbergen. Bröckelnde Fassade!

Das Restaurant verfügte über kaum mehr als 25 Plätze, außer uns nur über vier weitere Gäste, dafür aber Piri-Piri-Huhn als so ziemlich einzige Spezialität, zu einem relativ saftigen Preis.

Decke und Wände des kleinen Raums waren über und über voll mit kleinen Zetteln auf denen Grüße standen, Cartoons gezeichnet oder Visitenkarten geklebt worden. Von Menschen aus aller Welt. Auch von Siemens Mitarbeitern aus Erlangen und Nürnberg.


Grüße aus aller Welt im Cafe Restaurante Central – Monchique – Portugal


Im Cafe Restaurante Central – Monchique – Portugal

„Piri-Piri“ – das ist in Portugal eine allgemeine Bezeichnung für scharfe Chilis. Ursprünglich war damit eine besonders kleinschotige, feurige Sorte gemeint. Die portugiesischen Seefahrer und Kolonialherren trugen sie in alle Welt, speziell nach Afrika (Kolonien Mosambik und Angola), wo sie neben Piri-Piri bisweilen auch Peri-Peri oder Pili-Pili genannt werden. In Afrika entwickelten sich daraus unter anderem die „Birdeye“ genannten Chilis. Heute umfasst der Begriff Piri-Piri ein breites Spektrum an scharfen Chilis, aber auch feurige Soßen tragen diese Bezeichnung.

Für das Huhn werden die Piri-Piri zu einer feinen Paste verarbeitet zu der sich noch andere Zutaten gesellen. Das Huhn wird damit eingepinselt und gebraten oder auch gegrillt. Recht viel mehr Geheimnis ist darin nicht zu entdecken. Das Huhn bei der blonden Hexe in Monchique war ganz okay aber keinesfalls eine Offenbarung. Das „Restaurante Central“ in Monchique gibt es heute offensichtlich nicht mehr.


So sah es aus, das Cafe Restaurante Central in Monchique. Die Empfehlung für Piri-Piri-Hähnchen

Piri-Piri-Hähnchen selbst gemacht. Zutaten für zwei Personen:

* 1 Hähnchen
* 100 ml Olivenöl
* 75 ml Zitronensaft (etwa 2-3 Zitronen)
* 1 EL Paprika (edelsüß)
* 1 TL Salz
* 1 Prise Zucker
* Pfeffer aus der Mühle
* 3-6 Chilischoten (oder fertige Piri-Piri-Soße)
* 2 Lorbeerblätter
* 1 TL Koriander (gemahlen),
* 3 Frühlingszwiebeln grob gehackt
* 3 Knoblauchzehen
* 3 EL Petersilie (fein gehackt)

Die Zubereitung: Das Olivenöl mit dem Zitronensaft, dem Knoblauch, dern Frühlingszwiebeln und allen Gewürzen in einer kleinen Küchenmaschine zu einer feinen Paste mixen. Beim Einsatz der Chilischoten je nach eigenem Gusto verfahren. Die Schärfe, bzw. das dafür verantwortliche Capsaicin, steckt primär in den feinen Zwischenhäutchen der Chilis (nicht in den Kernen!). Man kann den gewünschten Schärfegrad der Paste durch die Entfernung der Häutchen recht gut steuern.

Zwei Drittel der Marinade aufbewahren, diese wird als Soße zum Hähnchen serviert, wobei nochmals frisch gehackte Petersilie darüber gestreut wird. Das verbliebene Drittel mit etwas Olivenöl strecken, damit es flüssiger wird und sich besser dazu eignet, das Hähnchen zu bepinseln.

Das Hähnchen waschen und trocken tupfen. Mit der Marinade einreiben, am besten auch unter die Haut des Hähnchen etwas von der Marinade schieben. Wenn möglich einige Stunden vor dem Bratvorgang damit beginnen, das Hähnchen danach abgedeckt kühl stellen.

Der Garprozess des Hähnchens lässt mehrere Wege zu. Sehr lecker wird die Methode im Backofen. Das Hähnchen in vier bis sechs Teile zerlegen. In einen Bräter dicke, vorgekochte Kartoffelscheiben legen. Diese mit grobem Meersalz und eininigen Rosmarinzweigen (fein gehackt) vermischen. Die Hähnchenteile darüber verteilen. Der Saft, der beim Braten aus den Hähnchen läuft, wird von den Kartoffeln aufgesaugt und ergibt ein ganz und gar köstliches Aroma. Bei 175 Grad Umluft für 40-50 Miunten im vorgeheizten Backofen garen. Zwischendurch immer wieder mit der Piri-Piri-Paste einpinseln.

Als Alternativ-Methoden bieten sich das Hähnchen am Spieß oder die des Bierdosen-Hähnchens an. Dazu benötigt man im ersten Fall einen Grill mit elektrisch betriebenem Spieß. Für das Bierdosen-Hähnchen empfiehlt sich ein geschlossener Grill wie der Nashville 2 von Enders (Einsteigermodell) und pro Hähnchen eine 0,33 l Bierdose. Diese wird geöffnet, ein Drittel des Bieres ausgetrunken, der Rest bleibt in der Dose, in deren Deckel weitere Löcher gestochen werden. Das bereits marinierte Hähnchen wird im Ganzen über die Bierdose gestülpt. Das Hähnchen mit der Bierdose in eine kleine Aluschale setzen und für 1¼-1½ Stunden bei mittlerer Hitze bei geschlossenem Deckel grillen. Etwa alle 20 Minuten mit der Piri-Piri-Paste einpinseln.

Nach etwa der Hälfte der Zeit, den oberen Teil des Hähnchens, der vermutlich viel schneller Farbe annimmt als der untere, durch die Aluschale geschützet Teil, mit etwas Alufolie abdecken. Das heiße Bier gart das Hähnchen bei dieser Methode von innen und gibt zusätzliches Aroma ab. Auch hier empfiehlt es sich, Fleischsaft und Hähnchenfett mit den Rosmarin-Kartoffeln zu vermischen. Guten Appetit!


Monchique in Portugal. Extra angereist um das Piri-Piri-Hähnchen zu versuchen


Hier wird die WM 2014 kulinarisch begleitet. Die Rezeptsammlung für die WM in Brasilien:


5 Antworten : “WM 2014 – Portugal – Piri-Piri-Hähnchen”

  1. Ja, ein schöner Bericht und eine amüsante Beschreibung. Hier in Südportugal müsste man aber eigentlich die Petersilie durch Koriander ersetzen. Frischen, meine ich.

  2. Toettchen sagt:

    Ein sehr schöner Bericht, der mich in eine Stadt führt, die ich nicht kenne. Die Menschen, ihr Essen – das ist ja oft das, was eine Reise ausmacht.
    Liebe Grüße aus der Schweiz
    Toettchen

  3. ninive sagt:

    Ein super Hähnchen.. und die Bierdosen- Variante geht auch Prima im Backofen, da kriegt man dann sogar gleich mehrere Exemplare unter. Also, sehr fein…

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