Meine Enkelin Denise meint, Geschichte sei nutzlos, langweilig und außerdem ist blöd, dass darin vorkommende Menschen immer schon so lange tot sind. Wie wir alle wissen, hat sie nur mit der letzten Behauptung eventuell recht. Für den Rest gilt genau das Gegenteil. Weshalb ich auf der Suche nach einem interessanten Thema für diesen Beitrag versucht habe, mich ein bisschen in die Geschichte Algeriens einzulesen.
Das Geständnis, ziemlich schnell die Flügel gestreckt zu haben, schicke ich aber gleich hinterher. Nicht weil die Geschichte so uninteressant wäre. Aber sie ist überaus komplex und mit Begriffen von Regionen, Orten, Namen von Herrschern und nicht zuletzt mit Eroberern überfrachtet die man kaum kennt und sie reicht sehr weit zurück.
Fest steht, das Land hat eine tolle Fußball-Nationalmannschaft und uralte Wurzeln. Eine freie Nation ist Algerien allerdings erst seit 1962 nach einem langen Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich, die bereits ab 1830 das Land zu erobern begann.
Jung ist das Land auch was seine Bevölkerungsstruktur angeht. Die Alterspyramide ist im direkten Vergleich mit der der Bundesrepublik fast perfekt! Derzeit hat Algerien 38,7 Millionen Einwohner bei einem Bevölkerungswachstum von jährlich circa 2 Prozent.
Algerien ist übrigens das flächenmässig größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und verfügt über Gas- und Ölvorkommen. Gut 80% des Landes hat sich aber schon vor Jahrtausenden die Sahara geholt. Am Mittelmeer herrscht dort feucht-warmes Klima, Algerien-Reisende sehen aber gerade in der Sahara ein sehr reizvolles Ziel. Allerdings rät das Auswärtige Amt (06/2014) „… von Reisen in entlegene oder nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherte Gebiete der Sahara, ihrer Randbereiche und der Sahelzone eindringlich ab“.
Piraten ohne Wüstenschiffe
Ein arabisches Sprichwort lautet: Der Maghreb ist ein heiliger Vogel. Sein Leib ist Algerien, sein rechter Flügel Tunesien, sein linker Marokko. Aber auch Libyen und Mauretanien kann man diesem Gebilde noch zurechnen, die alle aufgrund ihrer Geschichte Gemeinsamkeiten haben.
Ein aus heutiger Sicht fast schon amüsanter Teil der Geschichte die Algerien mit einigen Nachbarstatten verbindet, ist einer, mit dem man so gar nicht rechnen konnte: der sogenannte Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg. Aber warum gerieten die Amerikaner, die doch wirklich weit genug vom Mittelmeer entfernt endlich ihre Freiheit als unabgängige Nation genießen konnten, von 1801–1805 in einen Seekrieg mit den Maghreb-Ländern im Mittelmeer? Details lohnt es sich bei Wikipedia nachzulesen.Die Fakten in Kürze: Etwa ab dem 17. Jahrhundert bildeten Algerien, Tunesien und Libyen weitgehend unabhängige Staaten, die, auch wenn sie offiziell dem Osmanischen Reich unterstanden, größtenteils von Tributzahlungen durch Piraterie lebten!
Großbritannien und Frankreich hielten sich durch eine Mischung aus militärischer Macht, Diplomatie und durch inoffizielle Geldzahlungen diese Piraten im Mittelmeer vom Leibe. Bis zum Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges standen auch amerikanische Handelsschiffe, die das Mittelmeer befuhren, noch unter dem Schutz der britischen Royal Navy. Danach war damit Schluss.
Um eine eigene Seemacht zum Schutz ihrer unbewaffneten Schiffe ins Mittelmeer zu schicken, hatte Amerika weder das Geld, noch die zugehörige Autorität. Die Piratenstaaten an der südlichen Mittelmeerküste sollten, im Fall des Falles, mit Tributzahlungen besänftigt werden. Was auch etliche Jahre gut ging. Im Jahr 1800 beliefen sich diese Zahlungen aber bereits auf 20 Prozent der jährlichen Staatseinkünfte der USA!
Der neue Präsident Thomas Jefferson hatte die Faxen damals dicke und zeigte nach Amtsantritt militärische Härte. Er schickte nun doch Fregatten zur Verteidigung US-amerikanischer Interessen ins Mittelmeer, denen sogar die Beschlagnahme von Schiffen und Waren der Piraten gestattet war.
Der tollkühne Pascha von Tripolis jedoch stellte eine Tributforderung von 225.000 Dollar die von Jefferson verweigert wurde. Daraufhin erklärte der Pascha im Mai 1801 den USA frech den Krieg, indem er vor dem US-amerikanischen Konsulat den Fahnenmast fällte. Algier, Tunis und Marokko schlossen sich diesem Schritt an.
Die Kämpfe, die von amerikanischer Seite auch mit Blockadeaktionen bestimmter Häfen geführt wurden, zogen sich bis 1803 hin. Endgültig gelöst wurde das Problem der Piraterie an der nordafrikanischen Küste aber erst 1815, nach einem nötig gewordenen zweiten Piratenkrieg, den die USA ebenfalls gewinnen konnte. Lösegeld- und Tributzahlungen an die sogenannten Barbareskenstaaten wurden endgültig eingestellt. – So viel zum Thema langweilige Geschichte.
Algerien kulinarisch und kulturell
Kulinarisch genießt man in Algerien selbstverständlich alles mit den Spuren von Berbern, Römern, aus Spanien zurückgekehrten Mauren, Türken und natürlich Franzosen. Diese Einflüsse sind aus der algerische Küche kaum wegzudenken und haben sie zweifellos bereichert.
Genossen wird Cous-Cous mit Gemüsebeilagen, Schmorgerichte aus der Tajine, Eintöpfe mit Lammfleisch. Ein traditionelles Gericht ist Shakshuba, ein Gemüseeintopf mit Eiern. Als Fastfood an Imbissständen werden Brochettes verkauft, eine Art getoastetes Baguette mit unterschiedlichen Füllungen und scharfer Soße. Eine schöne Vorspeise ist das unten vorgestellte Auberginen Püree. Lammbraten gibt es an Festtagen, getrunken wird grüner Tee mit frischer Pfefferminze und starker süßer Kaffee.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Der Trailer zum Film. Irgendwie der „Buena Vista Social Club“ Algeriens
Mein Tipp: Eine zweifellos interessante Richtung gibt es in Algerien mit der „Chaabi-Musik“. Ein mitreißendeder Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 erzählt die Geschichte von Musikern, die fast 50 Jahre lang nicht mehr zusammen gespielt hatten, nachdem politische und religiöse Wirren damals einen Riss durch die algerische Gesellschaft gehen ließen. Die Gruppe nannte sich zur Reunion wie der Film selbst, nämlich „El Gusto“.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Die ersten Minuten des Films und weitere Szenen
Auch die algerische Literatur kann sich sehen lassen. Unter dem seltsam anmutenden Namen Yasmina Khadara schreibt ein ehemaliger hoher Offizier der algerischen Armee recht erfolgreiche Bücher. Das Pseudonym setzt sich aus den beiden Vornamen seiner Frau zusammen, mit der er Ende 2000 nach Frankreich ins Exil geflohen ist.
Im Jahr 2002 errang er den zweiten Platz des Deutschen Krimi Preises (International) für Herbst der Chimären. Ein sehr tragisches Buch aus dem Jahr 2008 behandelt ebenfalls den Riss durch die algerische Gesellschaft. Titel: Die Schuld des Tages an die Nacht
Die Auberginen für das Püree vorbereiten
Auberginen Püree mit frittierten Würzeiern
Zutaten für vier Personen:
* 2 mittelgroße Auberginen
* Olivenöl
* 7 EL Zitronensaft
* 5 EL Tahin (auch Tahini/Tahina = Sesampaste)
* 3 Knoblauchzehen
* Salz und Pfeffer
* 1 Msp. Cayennepfeffer
* 1 Msp. Zimt
* ½ TL Koriander (gemahlen)
* 1 Bund Petersilie
* 1 Zweig Minze
Knoblauchzehen sehr fein hacken und mit einigen EL Olivenöl vermischen. Die Auberginen längs halbieren, die Schnittflächen mehrmals bis zur Haut einschneiden. Mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Alufolie ausgelegtes Backblech setzen. Mit Salz und Pfeffer würzen, mit Knoblauchöl bestreichen. Im vorgeheizten Ofen bei 225 Grad (Gas 4, Umluft 200 Grad) 30-35 Minuten backen, aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
Mit einem großen Löffel das sehr weich gewordene Fruchtfleisch der Auberginen auskratzen, mit einem scharfen Messer durchhacken und in einen hohen Messbecher geben. Mit Zitronensaft, fein gehackter Petersilie, allen Gewürzen und der Sesampaste abschmecken. Mit dem Zauberstab zu einem glatten Auberginen Püree mixen.
Zutaten für die frittierten Eier zum Auberginen Püree:
* 4 Eier
* 1 Tomate
* 3 EL Butterschmalz
* Salz, Pfeffer aus der Mühle
* ½ TL Paprikapulver
* ½ TL Zimtpulver
Zubereitung: Eier für etwa 10 Minuten hart kochen. Anschließend abschrecken und pellen. Jedes Ei vorsichtig rundum 4-5 mal einschneiden ohne die Dotter mit einzuschneiden. Alle Gewürze in einem flachen Teller vermischen.
Das Butterschmalz in einer kleinen Stielkasserolle erhitzen und die Eier darin rund um und goldbraun braten. Die Eier nun in den Gewürzen wenden und nochmals für etwa eine Minute braten. Tomate in Scheiben schneiden, die Eier darauf setzen. Mit dem Auberginen Püree sofort servieren.
Hier gibt es nur wenige Gerichte, in denen frittiert wird!
– Hähnchen auf Südstaaten-Art – Creole Fried Chicken Deep South
– Tempura-Gemüse mit Wasabi-Creme und Steak in Teriyaki-Sauce
– Fritto Misto auf Thunfischcreme mit frittierten Kapern
– Skrei in Tempura auf Ingwer-Chinakohl
– Kabeljau – Skrei – im Chinakohlpäckchen
– Melonencocktail mit Tempura-Curry-Garnele
– Tempura-Spargel mit Eiszapfen und Wasabicrackern
– Tempura-Garnelen mit Aprikosen-Couscous
Gerichte mit Auberginen:
– Auberginenauflauf – Melanzane alla parmigiana
– Nudeln mit Auberginengemüse – Kroatien – EM 2016
– Bananeneis mit glasierten Auberginen
Hier wurde die WM 2014 kulinarisch begleitet. Auszug aus der Rezeptsammlung zur WM in Brasilien:
– WM 2014 – Mexiko – Fleischbällchen mit Salsa
– WM 2014 – Spanien – Paprika mit geröstetem Schweinebauch
– WM 2014 – Nigerianischer Erdnusstopf
– WM 2014 – Portugal – Piri-Piri-Hähnchen
– Kick aus fernen Töpfen – III – Gewinner
– WM 2014 – Japan – Seafood-Spieße mit Sesam-Spargel
– Kaffee- und Orangen-Granita im Schokotropfen – WM 2014
– WM 2014 – Uruguay – Gefüllte Schweinelende mit Chimichurri
– Costa Rica im Mixer – Ananas-Mango-Shake
– Manty aus Kasachstan
– Kick aus fernen Töpfen – Teil 1
– WM 2014 – Ghana – Ghanaischer Fischeintopf – Fante Fante
– WM 2014 – Brasilien – Kalbsleber auf brasilianische Art
– Kick aus fernen Töpfen – II – mit Verlosung
– WM 2014 – Frankreich – Scharfes Pfirsichsüppchen mit Garnelenspieß
Danke für den Geschichts-Exkurs; so etwas interessiert mich immer.
Und auch für’s Rezept: die Auberginen zusammen mit den fritierten Eiern, das klingt einfach klassen. Muss ich machen.
Das freut mich Susanne.
Die Geschichte finde ich ja auch ziemlich skurril.
Und das Rezept ergibt eine kleine Mahlzeit für schöne Sommertage.