Joghurt-Ziegenkäsecreme geschichtet mit Roter Bete


Auf dem Foto fehlen übrigens die Walnüsse.

Dass Rote Bete in der Schweiz als “Rande” und in Österreich als “der Rahner” bezeichnet wird, war mir bis vor kurzem neu. Überhaupt fristet die Rote Bete in unseren Breitengraden ein seltsames Dasein. Am häufigsten dürfte Rote Bete in Franken auch heute noch in den Konservenabteilungen großer Supermärkte vorkommen. Allerdings nur im Glas. In meiner Familie zumindest kam die rote Wurzel jahrzehntelang nur an Festtagen, nämlich zum Gänsebraten in der Weihnachtszeit als Salat auf den Tisch.

Was in meinem Gedächtnis ebenfalls hängen blieb, ist der Saccharin-Nachgeschmack, den der chemische Süßstoff (E 954) in den Konserven und somit auf meiner Zunge hinterließ. Dazu Erfahrungen die das Leben schreibt. Egal ob gestiftelt, in Scheiben oder in Form von lustigen kleinen Kugeln, die sich hartnäckig weigern aufgespießt zu werden, zurück ließ die Rote Bete immer kleine rote Flecken auf dem Festhemd, denn dass eine Scheibe von der Gabel zurück in die Salatsoße fällt, und die stark färbende Salatsoße der Rübe durch die Gegend spritzt, das gehörte zum Gänsebraten dazu, wie der Salat selbst. Die Rote Bete kann also, ebenso wie Tomatensoße, als natürlicher Feind des Oberhemdes und der Bluse bezeichnet werden.

Labskaus muss man auch als Norddeutscher gar nicht mögen

Sommer-Küche.
Als Artikel-Serie in den Nürnberger Nachrichten.
(gedruckte Ausgabe)
Teil 3 hier auch als PDF zum Download.

Was nun die Rote-Bete-Population in anderen Gegenden der Republik angeht, so belässt man sie dort nicht so ohne weiteres im Supermarkt. In Norddeutschland, Dänemark, Schweden und auch in Norwegen, wird Rote Bete zum klassischen Labskaus verarbeitet, an dem sich meist nur die Einheimischen erfreuen.

Wer nichts mit dem Begriff Labskaus anfangen kann: gepökeltes Rindfleisch wird in Wasser gekocht und mit eingelegten Roten Beten, Salzgurken, Zwiebeln und evtl. Speck und Matjesfilets durch den Fleischwolf gedreht. Anschließend wird die Masse in Schweineschmalz gedünstet und mit Gurkenwasser versetzt gekocht. Zum Schluss werden gestampfte Kartoffeln untergerührt. – Na Mahlzeit!

Das Gericht geht wohl auf die Seeleute vergangener Jahrhunderte zurück, die wegen Mangelernährung an Skorbut litten. Damit einher gingen oft schmerzende Zähne. Seemänner hatten deshalb keine Lust, feste Nahrung zu sich zu nehmen, weshalb man dieses Püree erfand, mit dem ich Sie nun aber nicht mehr weiter belästigen möchte.

Der Sommer kommt zurück. Oder überhaupt einmal

Sven Plöger vom “Wetter im Ersten” hat es angekündigt, der Bayerische Rundfunk und auch der Wetterochs haben es bestätigt: Es kommen nochmals richtige Sommertage auf uns zu. Und zwar gleich solche, an denen die Außentemperatur auf Werte steigt, die nahe an Ihrer Körpertemperatur sind. Und mit Ihrer Körpertemperatur ist ja hoffentlich alles in Ordnung! Spätestens ab Sonntag, und erst recht ab Montag, wenn all jene wieder arbeiten müssen, die entweder noch gar keinen Urlaub hatten oder deren Urlaub schon wieder vorbei ist, dann wird es echt tierisch warm.

Wenn Sie bereits jetzt an einem kühlen Ort darüber nachdenken, was es an diesen Tagen zu essen geben könnte, vielleicht gefällt Ihnen ja mein vegetarischer Vorschlag: wegen der angekündigten Hitze geht es auch in dieser Woche wieder um ein kaltes Gericht, das in der Kombination ungewöhnlich und spannend ist, und dessen Zubereitung kaum länger als vier Minuten dauert. Vorausgesetzt, die Rote Bete ist beim Kauf bereits gekocht und geschält. Wenn Sie einen echten “Hingucker” daraus machen möchten, wie auf dem Foto zu sehen, dauert es allerdings ein paar Minuten länger.

Zutaten für 4 Personen: * 4 Knollen rote Bete (gekocht) etwa 400 g, * 2-3 EL Zitronensaft, Salz und Pfeffer. Für die Joghurtgeschichte: * 300 g griechischer Joghurt (10%), * 200 g Ziegenfrischkäse, * 2-3 EL weißer Balasamico, * 2 TL flüssiger Honig, * weißer Pfeffer aus der Mühle, * einige Walnüsse. Dazu passt natürlich frisches Baguette.

Die Zubereitung in den versprochenen 4 Minuten: Die Rote Bete in Stücke schneiden und mit 2-3 EL Zitronensaft im Mixer fein pürieren, mit Salz und Pfeffer würzen. Fertig. 2 Minuten sind um. – Den Ziegenfrischkäse mit dem Joghurt glatt rühren, dann den flüssigen Honig und den Balsamicoessig unterziehen. Kräftig mit dem weißen Pfeffer aus der Mühle würzen. Fertig. Weitere zwei Minuten sind um.

Die Joghurt-Ziegenkäsecreme und das Rote-Bete-Püree nacheineinander in Gläser, Teller oder Glasschüsseln füllen und kühl stellen. Um mehrere Schichten zu erzeugen, empfehlen sich schlanke, hohe Gläser. Löffeln Sie die Schichten vorsichtig aufeinander, was aber mehr Zeit benötigt. Kühl stellen. Vor dem Servieren noch einige Walnüsse darüber geben.

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1 Antwort : “Joghurt-Ziegenkäsecreme geschichtet mit Roter Bete”

  1. Wilde Henne sagt:

    Deine geschichteten Randen sehen fantastisch aus. Superschön in Szene gesetzt.

    Labskaus… also ich bin ja eng mit Hamburg verbandelt, gell. Und einmal wollte ich unbedingt Labskaus probieren. Perlhühnchen und ich also in ein Hamburger Traditionslokal – die Empfehlung für Labskaus. Mutig habe ich bestellt, todesmutig angefangen zu essen… Ey, ich sag Dir, das Zeugs kriegt man nur runter, wenn man bereits seit 12 Wochen auf einem Schiff dümpelt und die Alternative seit genau so langer Zeit trockener Schiffszwieback ist. Ich bin kulinarisch ja ein sehr neugieriger Mensch – aber Labskaus… ne Du. Nie wieder! Obwohl ich sämtliche Zutaten einzeln sehr gerne mag.

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