Lammeintopf mit Feigen und Zwiebeln (Jahni)

Türkischer Lammeintopf mit Feigen

Obwohl ich sehr viele Leute kenne, die immer wieder gerne in die Türkei fliegen um dort Urlaub zu machen, waren wir selbst erst ein einziges mal dort. Das war 1994 und unser Ziel war selbstverständlich Istanbul. Eine jener herrlichen Städtereisen in meinem Leben, die ich allesamt in guter Erinnerung behalten habe. Istanbul hatte damals schon geschätzte neun Millionen Einwohner (heute 13,5 Mio.) und pulsierte wie verrückt.

Wir waren selbstverständlich an oder in allen wichtigen Sehenswürdigkeiten die man in vier Tagen schaffen konnte (sogar im legendären Pudding Shop) und schlenderten auf der Galatasaray Brücke über das Goldene Horn. Dort wurden wir von einem jungen Türken in breitestem Stuttgarter Dialekt angesprochen, der uns erzählte, er wäre jetzt auf dem Weg in die Redaktion von Hürriyet (eine der drei auflagenstärksten Zeitungen der Türkei) um sich dort um eine Stellung zu bewerben. Sein breiter Slang mitten auf der Brücke wirkte wirklich urkomisch.

Bei einer Stadtrundfahrt in einem Kleinbus machten wir unseren bisher einzigen Besuch in Asien, was nicht weiter schwierig war, denn man kann einfach über die 1,5 Kilometer lange Bosporus-Brücke fahren, schon ist man im asiatischen Teil der riesigen Metropole.

Selbstverständlich schleppte uns der Reiseführer in den Teppichladen eines nahen Verwandten, wo man die Herstellung, von der Seide aus dem Kokon der Seidenraupe – bis zum fertig geknüpften Teppich verfolgen konnte. Und trotz unzähliger Gläschen wunderbaren Tees die man uns servierte, gelang es uns, ohne Teppich nach Hause zu kommen.

Auch wenn es in diesen vier Tagen sehr anstrengend war, all die fliegenden Händler und Ladenbesitzer mit ihren zahlreichen Einladungen zum Tee oder türkischen Mokka nicht zu enttäuschen, konnten wir das bisschen Geld, das wir damals hatten, halbwegs zusammenhalten.

Gleich am ersten Abend, als wir hungrig aus dem Hotel traten um uns ein Restaurant zu suchen, landeten wir in einer sehr urigen Garküche, in der man schon von außen durch die große Scheibe in die brodelnden Töpfe sehen konnte. Es genügte vollkommen auf die gewünschten Speisen zu deuten und schon hatten wir eine fantastische Mahlzeit mit geschmorten Auberginen, Lammfleisch, Tomaten, Knoblauch und köstlichen Gewürzen auf den Tellern, von der ich heute noch schwärme. Nicht nur weil es sehr, sehr preiswert war, sondern auch wirklich extrem lecker.

Obligatorisch besuchten wir auch den Fischmarkt Balik Pazari im Stadteil Beyoglu, und am Abend wunderten wir uns in einem Fischrestaurant direkt am Bosporus über die vielen trinkfesten Türken, die sich nicht mit einer Runde Raki zufrieden gaben.

Je länger ich mich jetzt daran erinnere um so dringlicher erscheint mir ein neuer Besuch der quicklebendigen Metropole mit ihren freundlichen Menschen! Vorläufig muss ich mich aber mit dem wunderbaren Kochbuch „Pismek – Kochen auf türkisch“, zufrieden geben. Was auch nicht schwer ist, denn das Buch enthält schöne Geschichten und tolle Rezepte. Neben dem folgenden Rezept eine absolute Kaufempfehlung.

Bei dem Gericht handelt es sich um ein sehr feines, typisch türkisches Eintopfgericht, mit dem ich gerne an dem von Ninive initierten Blogevent teilnehme, der auf Zorras Blog betreut wird.

Türkischer Lammeintopf mit Feigen
So sieht unser Lammeintopf mit Feigen und Zwiebeln fertig aus.

Lammeintopf mit Feigen – Jetzt wird gekocht

Zutaten für 4 Personen:
* 300 g getrocknete Feigen (ohne Stiele)
* 600 g Lammfleisch ohne Knochen (Keule)
* 100 ml Olivenöl
* 5 Zwiebeln
* ca. 75 g Mehl
* 2 EL Tomatenmark
* 1 TL Piment (gemahlen)
* 200 ml Rotwein
* 125 ml Lammfond oder Gemüsebrühe
* 2 Lorbeerblätter
* 2 frische Feigen.

Die Zubereitung: Die getrockneten Feigen in eine Schüssel geben, mit etwa 250 ml kochendem Wasser überbrühen und für ca. 45 Minuten darin einweichen. Das Wasser wird dabei langsam erkalten.

Den Backofen auf 170 Grad vorheizen. Die Hälfte des Olivenöls in einer Kasserolle erhitzen. Unterdessen die Zwiebeln häuten, am Wurzelende und oben so wenig wie möglich abschneiden (die Zwiebelstücke sollen beim garen möglichst nicht zerfallen), dann der Länge nach in Viertel oder Sechstel schneiden. Die Zwiebelstücke in dem Olivenöl für ca. 15 Minuten goldbraun schmoren, dann aus der Kasserolle nehmen und in einer Schüssel beiseite stellen.

Unterdessen das Lammfleisch in nicht zu kleine Würfel schneiden, mit Salz und Pfeffer würzen. Das restliche Olivenöl ebenfalls in dem Topf erhitzen und das Fleisch darin portionsweise von allen Seiten für 5-6 Minuten goldbraun anbraten. Das Fleisch zu den Zwiebeln geben.

Im zurückgebliebenen Bratensatz das Tomatenmark anrösten und kräftig mit Piment würzen. Den Wein angießen, 2 Minuten lang köchelnd reduzieren, die Brühe einfließen lassen, Lorberblätter, Fleisch und Zwiebeln zugeben, dann die etwas aufgequollenen Feigen zusammen mit (zunächst einem Teil) der Einweichbrühe.

Bei geschlossenem Deckel für etwa 1½ Stunden (je nach Größe der Fleischstücke) im Ofen schmoren. Vor dem Servieren abschmecken, die Lorbeerblätter entfernen und mit den frischen Feigen anrichten. Zu diesem Lammeintopf mit Feigen passt bestens türkisches Fladenbrot und geröstete Tomaten.

Zutaten:
* 12 kleine Tomaten
* 1½ TL Zucker
* 1 EL Oregano (getrocknet)
* 1½ TL Paprika edelsüß
* 1½ TL Chiliflocken
* 2-3 EL Olivenöl
* 2 EL Rotweiessig, dazu
* Salz und Pfeffer aus der Mühle.

Die Tomaten halbieren und in einen Bräter schlichten, mit Essig und Öl beträufeln. Die Schnittflächen der Tomaten mit Zucker und allen Gewürzen bestreuen, und dann bei etwa 170 Grad so lange backen, bis die Ränder der Tomaten gebräunt und die Tomaten weich sind.

Feigen für den Lammeintopf
Für einen Lammeintopf mit Feigen benötigt man natürlich auch Feigen.

Lammkeule entbeint
Das wunderbare Fammfleisch aus der Keule wird für den Lammeintopf mit Feigen verwendet

Geschmorte Tomaten
Die Tomaten werden geschmort und zu dem Lammeintopf mit Feigen gereicht

Türkischer Lammeintopf mit Zwiebeln und Feigen
Der fertige Lammeintopf mit Feigen


Weitere Rezepte mit Lammfleisch


18 Antworten : “Lammeintopf mit Feigen und Zwiebeln (Jahni)”

  1. Groneuer sagt:

    Hallo Herr Spandl
    kann es sein, dass Frau Raether das Rezept für die Zeit (leicht abgeändert) benutzt hat?
    Mit freundlichen Grüßen
    H. Groneuer

    • Hallo H.Groneuer,
      das kann durchaus sein. Ich kenne aber das Rezept von Frau Raether nicht. Wie bereits im Artikel erwähnt, ist das ja ein mehr oder weniger „klassisches“ Gericht, für das ich nicht einmal konkrete Mengenangaben gemacht habe. Und es gibt sicher 1000 Varianten davon.

      Mit freundlichem Gruß
      Peter G. Spandl

  2. Barbara sagt:

    Ach, das sind Erinnerungen… Frische Feigen in der Türkei, am Straßenrand gekauft und alles total vertropft beim Essen, die waren soooo lecker… Und ich scheine doch älter als Du zu sein, wir waren 1987 mit dem VW-Bus in der Türkei, seitdem nicht mehr wirklich. Da ist etwas nachzuholen… (Ich schreibe Dir gleich an anderer Stelle mehr.)

    Zwiebeln gehören unbedingt dazu, finde ich. Tolles Gericht, das Lust auf Türkei macht!

    • Liebe Barbara,
      das Alter spielt doch gar keine Rolle. 1987 waren meine Kinder 9, 7 und 4. Da war leider kein Geld in der Kasse um in die Türkei zu fahren. Nicht mal mit dem VW-Bus (den wir zu der Zeit auch hatten). Deshalb haben wir auch bis 1994 gewartet und sind alleine in den Flieger geklettert 😉

      Liebe Grüße, Peter

  3. grimmel colani sagt:

    Da fällt mir gerade ein, in einer Tajine gekocht wäre das ganze bestimmt nochmal so gut. Das wird demnächst in der Tajine probiert.
    lg
    grimmel

  4. grimmel colani sagt:

    Hi, ich bin gerade erst auf deine Seite gestossen und dieses Rezept ist so ganz nach meinem Geschmack und die Fotos annimieren zum nachkochen.
    Danke für dieses Rezept.

    lg grimmel

  5. Manuela sagt:

    Danke für das leckere Rezept! 😉
    Ich bin ein Fan von der schönen Türkei …
    Die Türkische Küche ist für mich mit eine von den besten Küchen.
    Ich bin sowas von gerne dort im Urlaub(schon 6 mal!)….und schlemme mich durch die Köstlichkeiten der Liebevoll angerichteten Büffets….ohne Kilos zu zu nehmen :-)….das zeigt mir>Diese Küche ist gut verträglich und mit wertvollen Zutaten versehen!
    Früher als Kind und Jugendlicher dachte ich das eine Küche ohne Schweinefleisch nix zu bieten hat:-( :-)!
    Ja, so denken viele immer noch! :-)Diesen Menschen würde ich empfehlen sich mit der Kultur einmal auseinander zu setzen und eventuell doch mal einen Besuch in ferne Länder zu wagen um die alten Vorurteile ab zu legen! 🙂
    Vorurteil kommt von = >Vorher Urteilen ohne selbst zu wissen<! 😉
    Euch allen ganz liebe Grüßle….und weiter viel Erfolg im Leben:-)….Manuela 🙂

  6. WildeHenne sagt:

    Seit Jahren möchte ich gerne mal nach Istanbul – irgendwie hat es bislang nie geklappt. Ich glaube, jetzt warte ich, bis die Kids aus dem Haus sind, dann steht Istanbul zuoberst auf der Reiseliste. Unterdessen könnte ich mich ja mal an Deinem Lamm vergreifen – ähm – versuchen.

  7. Aras Orhon sagt:

    und ausgerechnet jetzt kurz vor der Essenszeit, wo der Magen besonders aufnahmefähig ist, muss ich diese appetitlichen Bilder sehen. Klasse präsentiert, keine Frage – so ein Gericht schmeckt exzellent.

  8. Lumpazivagabundus sagt:

    Danke für das tolle Rezept! Wird sicher demnächst mal ausprobiert.

    Überhaupt ein großes Lob für dieses Blog! Lese noch nicht so lange mit, freue mich aber immer wieder über neue Beiträge. Schön ist vor allem, dass nicht nur Rezepte runtergepinnt werden, sondern auch ein paar nette Geschichten drumherum zu lesen sind – und nicht zu vergessen die wunderbaren Fotos der Speisen, bei denen einem doch immer wieder das Wasser im Munde zusammenläuft 🙂 Da merkt man, dass jemand sehr, sehr gerne kocht.

    Beste Grüße vom Lumpazivagabundus

  9. Lieber Peter,
    liest sich mal wieder köstlich, wenn es bei Renate Bauer wieder Lamm gibt (unserer Direktvermarkterin vom Bauern-Hof aus Henfenfeld) versuche es als Alternative zu unserem familien-arabischen Lammgulasch Mischmischiye durchzuboxen. Dabei wird das Lamm nicht mit Feigen, sondern mit Aprikosen vermählt, was man im Jemen schon im 13-ten Jahrhundert machte – unter anderem, um dem Geruch Herr zu werden, wenn das Fleisch … .
    http://www.nachhaltigkeitsblog.de/2011/01/mischmischiye-lammgulasch-mit-aprikosen-vom-tepan-yaki.html

  10. Angesichts dieser türkischen Köstlichkeit läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Das wird ganz bald nachgekocht 🙂

  11. ninive sagt:

    lieber Peter

    ganz vielen Dank für deinen wunderbaren Lamm- Eintopf samt Beilagen, da wird mir ganz schwach ums Herz wenn ich deinen Bericht lese. Bei mir ist es schon viel länger her, dass ich dort war… seufz.

    Grüßle

    Ninive

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