Bierdosenhähnchen vom Grill

Bierdosenhähnchen

Ein komplettes Hähnchen auf eine zur Hälfte ausgetrunkene Dose Bier zu stülpen und somit ein Bierdosenhähnchen zu basteln, war jahrzehntelang ein großer Spaß. Selbstverständlich zuerst für die amerikanischen Freunde des Grillens. Dose und Hähnchen zusammen auf dem Grill zu platzieren hat zur Folge, dass das Hähnchen durch den Bierdunst von innen ein bisschen gedämpft wird und von außen gegrillt.

Wichtigste Vorausetzung für diese Grilltechnik: ein Kugelgrill oder ein anderer geschlossener Grill muss es sein!

Den Kugelgrill erfand übrigens schon 1952 George Stephen, dank dessen es möglich wurde, indirekte Grillmethoden bei milden Temperaturen anzuwenden. Die Hitze kommt nicht mehr nur von unten, sondern wird in der Kugel gefangen und wirkt viel gleichmäßiger auf das jeweilige Grillgut ein. Ein wichtiger Aspekt dabei: man kann mit dem Rauch viel besser arbeiten, was bekanntlich für eine echtes Barbecue (Barbeque, urprünglich Barbacoa. Siehe dieser Artikel) ganz wichtig ist.

Dass das Bierdosenhähnchen eine amerikanische Erfindung ist, steht außer Frage, denn was sonst soll man mit dem normalen, amerikanischen Dünnbier machen, als ein Hähnchen über die Dose zu stülpen und das Bier zu kochen?

Da sich der deutsche Mann seit wenigen Jahren nun auch gründlich mit Grilltechnik beschäftigt und im Garten schwer aufgerüstet hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis man dazu überging auch hier die Bierdosentechnik anzuwenden.

American Budweiser
Typisch amerikanisch: American Budweiser. – Nach langem Streit um die Namensrechte hat der amerikanische Konzern Anheuser-Busch in die Trickkiste gegriffen und sich in die tschechische Origrinal-Brauerei mit eingekauft.

Deutsches Institut vermiest uns den Spaß am Bierdosenhähnchen

Es gibt immer noch Leute die so ein Bierdosenhähnchen noch nie gesehen, geschweige denn gegessen haben. Auch weil deutsche Gründlichkeit längst angetreten ist, um uns den Spaß am Bierdosenhähnchen zu vermiesen.

Zu Recht wurde zunächst die gemeine Büchse als Klimakiller definiert und durch die Erhebung von 25 Cent Pfand auf jede Getränkedose sollte ihr Verkauf ab 1. Januar 2003 minimiert werden. Ein politisches Unterfangen, das man als grandios gescheitert betrachten muss. – Auch wenn ich selber nie Dosenbier trinke und meine Käufe von Dosenbier sich alleine auf die Aktion Bierdosenhähnchen beschränken.

Leider rät aber das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Mitteilung (1. Juli 2014) vom Verzehr des gemeinen Bierdosen-Hähnchens ganz ab.

In der Mitteilung heißt es: Derzeit sind u.a. im Internet verschiedene Kochrezepte im Umlauf, die das Grillen eines Hähnchens auf Bierdosen beschreiben. Aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist von dieser Art der Zubereitung abzuraten. Denn es ist davon auszugehen, dass die Hitze beim Grillen und Braten gesundheitsschädliche Substanzen aus der bedruckten Außenseite und der beschichteten Innenseite der Bierdose löst, die in das Hähnchenfleisch übergehen. Hier weiter lesen

Ich persönlich stehe solchen Warnungen meist sehr nachlässig gegenüber. Erstens steht in der Mitteilung nur „es ist davon auszugehen“. Es gibt also scheinbar keine exakten Messungen und keine Angaben dazu welche Bierdosen überhaupt betroffen sein könnten.

Zweitens ist es nicht so, dass wir nichts anderes essen als Bierdosenhähnchen. Wir kommen vielleicht auf zwei bis drei Stück.
Im Jahr!
Und dann bekommt jeder nur ein halbes Hähnchen.
Und die Knochen, die am nähesten an der Farbe sind essen wir ohnehin nicht mit!

Ein echtes Problem ist allerdings, dass Getränke-Dosen heutzutage aus extrem dünnen und leichten Blechen hergestellt werden. Für ein handelsübliches deutsches Hähnchen benötigt man im Prinzip eine 0,33-l-Dose. Diese gibt es aber fast nicht mehr. Üblich sind längst 0,5-l-Dosen, die aber zu groß sind und selbst wenn man das Hähnchen darüber stülpen kann, kippen die Dosen auf einem Grill recht leicht, denn der Schwerpunkt mit dem Hähnchen ist sehr weit oben.

Das Bierdosenhähnchen ohne Bierdose

Für alle die Angst vor der Lack-Farbe auf Dosen haben, gibt es allerdings Zubehör von findigen Herstellern, zum Beispiel von Rösle. Das Ding auf dem Foto unten ist aus Edelstahl, kostet natürlich entsprechend, hält aber vermutlich auch ein Leben lang. Falls Sie sich so einen Hähnchenbräter zulegen möchten: denken Sie daran, es kommt der Tag an dem Sie zwei oder drei Hähnchen mit dieser Technik grillen wollen!

Affiliate Link:
Rösle Hähnchenbräter
Der Rösle BBQ Hähnchenbräter.
Der Vorteil daran: man kann Biere verwenden, die es gar nicht in Dosen gibt. Zum Beispiel dunkles Bier. Oder ganz andere Getränke, die ihr Aroma an das Hähnchen abgeben. (Affiliate Link)

Stolzes Geflügel. Vielleicht zu schade für ein Bierdosenhähnchen
Stolzes Geflügel. Vielleicht zu schade um als Bierdosenhähnchen zu enden?

Was man für so ein Bierdosenhähnchen braucht, habe ich mir beim amerikanischen Grillpapst Steven Raichlen abgeschaut, denn der hat das schon gemacht, als Jamie Oliver oder gar Johann Lafer mit ihren Rezepten noch in den Windeln lagen.

Steven Raichlens Bierdosenhähnchen – Cajun Roastin‘ Chicken on a Beer Can

Cajun Rub (Rub = Gewürzmischung zum einreiben des Hähnchens)
* 50 ml Salz
* 3 EL süßes Paprikapulver
* 2 EL Knoblauchpulver
* 2 EL Zwiebelgranulat
* 2 EL Thymian (getrocknet)
* 2 El Oregano (getrocknet)
* 1 EL schwarzer Pfeffer
* 1 EL Öl
* 1 EL weißer Pfeffer
* 2 TL Salbeiblätter
* 1 TL Cayenne Pfeffer
Nach dem vermischen aller Zutaten, lässt sich diese Gewürzmischung in einem fest verschlossenen Behälter bis zu einem Jahr aufbewahren.

Was sonst noch benötigt wird:
* 1 Hähnchen
* 3-4 EL von dem Cajun Rub (siehe oben)
* 1 Dose Bier (wenn möglich 0,33 l)
* 50 ml Hühnerbrühe
* 2 EL weiche Butter
* 1 EL Brandy
* 1 EL frischen Zitronensaft
* 3 EL Butter
zum einstreichen des Hähnchen. Dazu alle Zutaten in einem kleinen Topf vermischen.

So wirds gemacht: Bierdosenhähnchen vom Grill

  1. Stellen Sie die Würzmischung (Rub) her (5 Minuten)
  2. Reiben Sie das Hähnchen kräftig damit ein, dort wo es geht auch unter der Haut
  3. Um (im Gasgrill) eine ordentliche Rauchentwicklung zu haben, Holzchips wässern und eine Stunde vollsaugen lassen
  4. Grill vorheizen auf ca. 160-180 Grad
  5. Wasser der Holzchips abgießen. Holzchips in den Grill über die Flamme stellen, Deckel des Grills schließen, 15 Minuten Rauchentwicklung abwarten
  6. Das Hähnchen inzwischen auf die halb gefüllte Bierdose stülpen.
  7. Flügel und Beine des Hähnchens mit Küchengarn am Körper fixieren
  8. Das Hähnchen mit der Bierdose am besten in eine kleine, flache Aluschale im Grill platzieren
  9. Das Hähnchen benötigt etwa 1 3/4 bis 2 Stunden Zeit im geschlossenen Grill!
  10. Nach 45 Minuten erstmals mit der flüssigen Würze besprühen oder bepinseln. Dabei zügig vorgehen, damit nicht zu viel Hitze aus dem Grill verloren geht.
  11. Besprühen und einstreichen in Abständen von ca. 30-40 Minuten wiederholen. Dabei das Hähnchen gegebenenfalls im Grill drehen, wenn Sie bemerken, dass eine Seite schneller Farbe annimmt.

Bierdosenhähnchen
Damit das Bierdosenhähnchen richtig lecker wird, schiebt man die Gewürzmischung auch unter die Haut.

Bierdosenhähnchen

Bierdosenhähnchen
Die Bierdosenhähnchen fühlen sich wohl in meinem Grill

Bierdosenhähnchen


5 Antworten : “Bierdosenhähnchen vom Grill”

  1. Michael sagt:

    Ein Klassiker. Aber deutlich besser mit dem Bräter. Da aber Kräuter, Zitrone u.s.w. rein und der Vogel wird super

  2. Kartsten A. sagt:

    Das sieht auf jeden Fall fantastisch aus! und scheint auch recht einfach und zügig zu gehen oder?

  3. Mahee Ferlini sagt:

    Ich habe Bierdosenhähnchen letze Monat gemacht! Die Rezept hier sieht lecker und leicht aus.

  4. Anna C. sagt:

    Bierdosenhähnchen! Zum Glück kann man die auch im Backofen machen- mir sind sie zum ersten Mal in dem Kochbuch „Afrika Afrika“ (Artisten aus André Hellers Zirkusspektakel kochen) begegnet- viel zu lange nicht mehr gemacht, denn die schmecken fantastisch.
    Womit hast du die Dosen umwickelt?

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