Thunfisch adieu: Wie Japans Appetit das Mittelmeer leert?

Augen auf beim Thunfischkauf. Woher kommt er?

Nicht nur in Indien, auch in meinem Leben gibt es heilige Kühe! Eine davon ist der Fernsehabend am Sonntag. Dieser wird fast durchgehend von der ARD bestritten und wenn er in Gefahr gerät werde ich sauer. Zum Programm gehört selbstverständlich die Tagesschau und der Tatort, eine der wichtigsten Sendungen ist aber der „Weltspiegel“ um 19:20 Uhr, den es schon seit 50 Jahren gibt. Auch wenn ich ihn erst seit etwa 35 Jahren verfolge.

Früher habe ich einen Teil meiner Fernsehzeit auch dem ZDF geschenkt, denn dort gibt es, ebenfalls seit ewigen Zeiten, das „auslandjournal“. Der Sender hat den Ausstrahlungstermin allerdings so oft hin- und hergeschoben, bis ich den Sendetermin total aus den Augen verlor und die Sendung schließlich aufgab.

Insgesamt fühle ich mich durch den Weltspiegel, natürlich mit Ergänzung durch andere Presseorgane, recht gut informiert. Über einen Teil der Sendung habe ich mich kürzlich (9.6.2013) aber geärgert.

Unter dem Titel: „Wie Japans Appetit das Mittelmeer leert“, wurde über die „Almadraba“ berichtet, eine Fangmethode, die spanische Fischer schon seit 3.000 Jahren praktizieren.

Beobachtet wurden in dem Bericht die Fischer von Barbate, die auch an diesem Tag sehr früh aufs Meer hinausfahren. Durch ein Netzlabyrinth, das am Meeresboden verankert ist, wurden riesige Rote Thunfische, die alljährlich im Frühjahr aus dem Atlantik ins Mittelmeer schwimmen um sich fortzupflanzen, in eine bestimmte Gegend des Meeres geleitet.

Die Fischer bilden mit ihren Booten und Netzen nun eine Art Becken und heben die Netze an, so dass die Fische keine Chance mehr haben und verenden. Die arabische Bezeichnung dieser Methode ist „Almadraba“, was so viel wie „Ort des Kampfes“ bedeutet. Denn die Fischer springen zu den verendenden Thunfischen ins Meer, hängen sie an Leinen und ziehen sie so an Bord.

Spanien: Wie Japans Appetit das Mittelmeer leert

So weit, so gut, vielleicht auch so weit, so grausam. In dem Bericht wurden aber ausnahmslos die Japaner als Bösewichte dargestellt, denn erst ein Japaner tötete vor der Kamera die (noch zappelnde) Thunfische auf den kleineren Schiffen und das riesige Kühlschiff, das sich im Hintergrund hielt, und den gesamten Fang aufnahm, fuhr unter japanischer Flagge.

Laut diesem Bericht sind die Japaner fast alleine dafür verantwortlich, dass die Thunfische in weiten Teilen der Weltmeere zu den gefährdeten Arten gehören denn sie benutzen selbst rüde Fangmethoden mit allen technischen Hilfsmitteln, zahlen fast jeden Preis und kontrollieren weltweit den Thunfischhandel (u.a. der Mitsubishi-Konzern). – Allerdings gehören zu einem Händler immer auch Käufer, die erst die Nachfrage schaffen.

Wie wir wissen, gehört Sushi, bei dem ja gerne Thunfisch kredenzt wird, auch in Japan nicht zu den Alltagsgerichten. Vielmehr hat sich Shusi, respektive Sashimi, als so eine Art Fastfood in den letzten 30-40 Jahren auch in der gesamten westlichen Welt immer mehr durchgesetzt.

Während in Japan immer noch die Tradition gepflegt wird und ein richtiger Sushikoch jahrelang erst mal das Kochen von Reis und den Umgang mit seinem Messer lernen muss, bevor er überhaupt einem Gast Sushi servieren darf, ist das im Rest der Welt nicht so.

Augen auf beim Thunfischkauf. Woher kommt ihr Thunfisch?

Running-Sushi-Läden gibt es in Amerika und Europa in allen Großstädten an zahlreichen Ecken und überall wird selbstverständlich auch Thunfisch verspeist, wo man früher ganz andere, heimische Spezialitäten genoss. Ein übriges tun die Fernsehköche dieser Welt, und sicher auch wir Foodblogger dazu. So gesehen, Weltspiegel-Redaktion, fand ich den Bericht reichlich einseitig auf die „bösen“ Japaner einschlagend, während alle anderen Tatsachen unter den Tisch gekehrt wurden.

Mich hätte viel mehr interessiert, wer den ganzen Thunfisch wirklich vertilgt. Denn als Katzenfutter in Dosen (das ist natürlich nicht der Rote Thunfisch) gab es ihn schon in meiner Kindheit. Und die ist lange her.

Hier der Link zum praktischen „Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte“ (als PDF) des World Wide Fund For Nature, kurz WWF.

Dort findet man unter der grünen Überschrift (die Verkehrsampel lässt grüßen)
“Gute Wahl!”: Thun, Bonito/Skipjack – Malediven. Unter der gelben Überschrift
“Zweite Wahl!” steht: Thun, Bonito/Skipjack – Pazifik. Und unter der roten Überschrift
“Lieber nicht!” steht dann: Thun, Bonito/Skipjack – Indischer Ozean, Thun, Gelbflossen, Großaugen, Weißer Thun, Roter/Blauflossen.

Thunfisch Filets in der Dose. Gefangen im Pazifik

10 Antworten : “Thunfisch adieu: Wie Japans Appetit das Mittelmeer leert?”

  1. Lumpazivagabundus sagt:

    Danke für den Beitrag!
    Die Sachlage empfinde ich ebenfalls als sehr problematisch. Fakt ist meines Wissens tatsächlich, dass ein Großteil des roten Thunfischs in Japan landet. Natürlich sind die Japaner dabei nicht die alleinigen Sündenböcke.

    Aber noch ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Japaner ernähren sich ja nicht nur von Sushi 😉 Die Alltagsküche sieht dort auch zum Teil etwas anders aus. Wer also Interesse an japanischer alltagtauglicher Küche hat, dem empfehle ich folgendes Büchlein:

    „Donburi Mania“ von Kentaro Kobayashi
    http://www.amazon.de/Easy-Japanese-Cooking-Donburi-Mania/dp/1934287490/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1372787109&sr=8-1&keywords=Donburi+mania

    Darin geht es ausschließlich um Donburis. Sehr pragmatisch geschrieben, und es liefert auch sehr viele Anregungen, die zum Experimentieren verführen 🙂 Viele der Gerichte lassen sich auch in der Woche abends nach der Arbeit in kurzer Zeit noch prima zubereiten, und sind auch am Abend nicht zu mächtig!

    Beste Grüße vom Lumpazi!

    • Vielen Dank für den Buchtipp.
      Werde ich mir ansehen. Denn ich mag die japanische Küche sehr gerne.
      Schon alleine die einfachen Präsentationen und Zusammenstellungen.
      Leider mag ich auch Sushi und Sashimi. In Zukunft definitiv ohne Thunfisch!

      Mit leckerem Gruß, Peter

      • Lumpazivagabundus sagt:

        Einfachheit ist hier wirklich das Stichwort. Donburis werden in Japan auch sehr oft im normalen Haushalt zubereitet und sind wirklich alltagstauglich. Meist sind sie mit sehr wenig Fett/Öl zuzubereiten und die exotischen Zutaten bekommt man in jedem sortierten Asia-Shop. Ein großes Plus ist auch, dass man nicht unbedingt alles sklavisch nachkochen muss. Hier ist ein wenig Phantasie (ok, auch etwas Erfahrung;-) gefragt. Aber das geht schon, einfach mal ausprobieren und testen! Kann ich nur empfehlen.

        Der „Starter“ ist hier Oyakodon, sehr beliebt in Japan, Hähnchen mit Ei in Dashi gegart auf Reis. Mein Tipp: Basmati mit rotem (Carmargue-) Reis gemischt, schmeckt sehr gut dazu!

        Guten Hunger vom Lumpazi

  2. Es ist immer einfach, etwas anzuprangern, was andere falsch machen. Das tut viel weniger weh als sich selbst an der Nase zu nehmen und mal zu hinterfragen, wie man selber an dem ganzen Jammer beteiligt ist.

  3. Eva sagt:

    Mir ist einseitige Berichterstattung ein Gräul. Leider ist es eine weit verbreitete Methode, den „bösen“ in weiter Ferne anzuprangern und die eigenen naheliegenden „Sünden“ zu verschweigen. Daran wird sich wohl auch im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte nichts ändern. 😉

    • Hallo Eva,
      das will ich dem Weltspiegel gar nicht vorwerfen. Sonst würde ich die Sendung ja nicht seit Jahrzehnten verfolgen. Aber in diesem speziellen Fall fand ich das sehr ausgeprägt.
      LG, Peter

  4. Melanie sagt:

    Ich gebe dir Recht, dass die Ursachen sicherlich vielfältiger sind. Wobei vermutlich in den meisten Billig-Sushi-Imbissen kein roter Thunfisch verarbeitet wird, dazu ist er viel zu teuer. In den Thunfischdosen steckt definitiv kein Roter Thunfisch sondern meist Echter Bonito, der (je nach Fanggebiet und Fangmethode) deutlich unproblematischer ist (siehe WWF Einkaufsratgeber Fisch: http://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/vernuenftig-einkaufen/einkaufsratgeber-fisch/einkaufsratgeber-fisch/)

  5. Ela sagt:

    Berechtigte Kritik! Stimme dir zu, dass man schon bei der Nachfrage ansetzen müsste (bzw. darüber berichten). Aber ich bin auch Vegetarierin und esse weder Fisch/Meeresfrüchte noch Fleisch 😉
    Habe den Beitrag nicht gesehen, aber eine Erwähnung der Konsumhintergründe wäre wie du schon sagst angebracht, um das Gesamtbild logischer zu machen anstatt einseitige Schuldzuweisungen zu präsentieren.
    Den Eindruck hatte ich bisher nicht beim Weltspiegel, mir kommt die Sendung sehr reflektiert vor. Vllt wird aber auch einfach oft mehr (Hintergrund)Wissen vorausgesetzt als einige Zuschauer haben 😉
    LG Ela

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