Blini mit Lachs und Kaviar – UA – EM2012

Blini mit Lachs und Kaviar

Wer Blini essen will, sollte nicht an der Füllung oder dem Belag knausern, kann sich aber zumindest schon mal ein „s“ sparen. Denn Blini ist schon der Plural. Und Blini, das ist die osteuropäische Antwort auf amerikanische Pancakes, den französischen Crêpe und die holländischen Pannekoeken.

Wie schon das Schaschlik, kann man Blini ebensogut dem zweiten Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft 2012, der Ukraine, zuschlagen. Denn viele Gerichte die in Russland Tradition haben, fanden auch in der Ukraine weite Verbreitung.

Mitten in der Ukraine: Lesebefehl für einen Russen

Mein Lieblings-Russe, der in Berlin lebende Wladimir Kaminer, deutscher Schriftsteller und Kolumnist russisch-jüdischer Herkunft (ein Lesebefehl ergeht hiermit), meinte kürzlich in einem Interview, dass das Essen in Russland gar keine große Rolle spielt. Meist werden große Mengen gereicht und die sollen satt machen.

So hält man es auch in der Ukraine. Man füllt sich den Magen mit Borschtsch, Soljanka und gefüllten Teigtaschen, die auf den schönen Namen Wareniki hören, und natürlich mit Blini. Die meisten Deutschen haben von dieser Pfannkuchenart vermutlich erst in den letzten Jahren durch einen Werbespot mit Vitali & Wladimir Klitschko gehört.

Diese beiden Boxer sind zweifellos die bekanntesten Ukrainer in unseren Breitengraden. Okay, Serhij Bubka, der 6-fache Weltmeister und Olympiasieger im Stabhochsprung, hat mit seinem Sportwerkzeug sicher auch schon manchen Blini-Stapel übersprungen und damit Berühmtheit erlangt. Viele weitere weltbekannten Persönlichkeiten, die in der Ukraine geboren sind, sind allesamt ausgewandert, oder wurden schon von ihren Eltern anderswohin verpflanzt.

So zum Beispiel Zino Davidoff (*1906), der Meister der edlen Zigarre. Wer alt genug ist, erinnert sich vielleich noch an Golda Meir (*1898), die immerhin von 1956 bis 1965 Außenministerin und von 1969 bis 1974 Premierministerin Israels war!

Miese Massentierhaltung

Das große GU Vollwert-KochbuchMeine erste Begegnung mit Blini fand etwa im Jahr 1988, zu Zeiten der Geiselnahme von Gladbeck und des großen Fleischskandals statt. Es herrschte der kalte Krieg und der eiserne Vorhang war noch fest verschlossen. Plötzlich gab es, neben dem offiziellen Feinbild der westlichen Welt, dem Warschauer Pakt (allen voran die Russen), ein neues Feindbild in unserem Leben, den miesen Massentierhalter, der seine Kälber zur schnelleren Aufzucht mit Hormonen behandelte.

Neben den schnell aus dem Boden schießenden, zahlreichen neuen Bioläden im Stadtbild, hielt damals ein dickes (inzwischen ausgelesenes, geschundenes und verstaubtes) Kochbuch in unserem Haushalt Einzug, in dem erklärt wurde, was denn Vollwertküche sei. Unsere vegetarische Phase begann umgehend und auf Seite 140 konnten wir nachlesen wie man Blini (mit Käsecreme) zubereitet.

Das Buch gibt es immer noch, und wenn man nach dem Essen jemand erzählt, „das Rezept war aus dem dicken grünen GU“, dann nicken viele (heute ergraute Häupter) weise, und wissen sofort welches Kochbuch gemeint ist. Immerhin wurden 14 Auflagen davon gedruckt.

Heute: Blini mit Lachs und KaviarZu besonderen Anlässen kann man die erwähnte Käsecreme schnell auch mit anderen Belägen ersetzen. Um sich die Ukraine auf den Tisch zu holen, genügt es natürlich nicht, eine Knolle rote Bete in Stifte zu schnipseln und diese als Farbklecks auf dem Teller zu drapieren. Besorgen Sie sich Räucherlachs so viel Sie sich leisten können und auch Kaviar so viel das Budget hergibt.

Der schwarze Seehasenrogen (gefärbt) im Supermarkt ist hier die unterste Stufe, danach folgt der schon recht gute Forellenkviar, für den Sie pro 100g circa 6-10 Euro veranschlagen sollten (50g genügen für zwei Leute), den es auch im Supermarkt zu kaufen gibt. Bis Sie beim echten Beluga aus ökologischer Aufzucht oder gar beim sibirischen Wildfang angelangt sind (irgendwo zwischen 300-600 Euro pro 100g) gibt es zahlreiche Sorten in preislichen Abstufungen und natürlich auch ungezählte Möglichkeiten beim Kauf über den Tisch gezogen zu werden.

Das Rezept für Blini mit Lachs und Kaviar:

Wer es recht genau nehmen will, verwendet für seine Blini Buchweizenmehl (Bioladen) und als Treibmittel Hefe. Alternativmethoden sind die Verwendung von Backpulver anstelle der Hefe oder auch geschlagenes Eiweiß. Meine Empfehlung ist die folgende, bewährte Kombination, die nicht mehr aus dem erwähnten Buch stammt.

Blini mit Lachs und Kaviar, Zutaten für 4 Personen:

* 125 g Buchweizenmehl
* 125 g Weizenmehl
* 200 ml Kefir oder Milch
* 250 ml kohlensäurehaltiges Mineralwasser
* 1 Prise Salz
* 1 TL Honig
* ½ TL Backpulver
* 4 Eier (zwei davon getrennt)
* Butterschmalz zum Braten

Für den Belag der Blini:
* Forellenkaviar
* Räucherlachs
* 1 Zitrone (unbehandelt)
* Sauerrahm oder Creme Fraîche
* Schnittlauch.

Zubereitung: Buchweizenmehl und normales Mehl mit dem Backpulver und dem Salz mischen (ohne das normale Mehl werden Blini recht gummiartig). Zwei Eier trennen, das Eiklar in einem Messbecher aufbewahren. Die beiden Eigelb und die beiden ungetrennten Eier zum Mehl geben.
200 ml des kohlensäurehaltigen Mineralwasser mit dem Kefir/Milch mischen, zu dem vorbereiteten Mehl hinzufügen und alles zu einem glatten, cremigen Teig verrühren. Mit einem TL Honig würzen. Den Teig nun mindestens 20 Minuten quellen lassen.

Unterdessen den Schnittlauch in feine Röllchen schneiden, die Zitrone waschen, trocken reiben und etwa einen Esslöffel voll von der Schale sehr fein abreiben. Sauerrahm mit dem Zitronenabrieb und einem Spritzer Zitronensaft sowie Salz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.

Danach die restlichen 50 ml Mineralwasser unter den Teig mischen. Die beiden Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben (nicht mit dem Rührgerät). Mit einem kleinen Schöpfer oder einem Esslöffel kleine Teigmengen in eine beschichtete Pfanne mit wenig Butterschmalz geben und goldbraun ausbacken.

Blini mit Lachs, Kaviar, Sauerrahm und Schnittlauch servieren.


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4 Antworten : “Blini mit Lachs und Kaviar – UA – EM2012”

  1. So einen Stapel Blini für mich ganz alleine – das wär’s jetzt. Nur auf den Kaviar verzichte ich.

  2. Hab nur im Bart ein paar graue Strähnchen, aber unser GU-Kochbuch sieht exakt genauso aus. Blini (halt, muss das „s“ wieder löschen) werde ich ausprobieren.

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