Orangenkuchen (Sonnenscheintorte)

Kürzlich habe ich hier das schöne Kochbuch „365 Rezepte aus der französischen Landküche“ rezensiert. Wie bereits an anderer Stelle ausführlich beschrieben, ist meine Ehefrau nicht nur die beste von allen, sondern auch eine mehrfach ausgezeichnete Bäckerin. Das Aufspüren von interessanten Kuchenrezepten in neuen Büchern gehört bei uns deshalb zum Dolce Vita.

Tatsächlich befinden sich in dem oben genannten und rezensierten Buch auch eine handvoll Kuchenrezepte. Ganz besonders fröhlich lachte mich daraus die „Sonnenscheintorte“ an. So die Bezeichnung dieses Orangenkuchens, wohl etwas übertrieben als „Torte“ apostrophiert. Da wir noch mitten in der Orangenzeit steckten, erleichterte und bestätigte unsere Wahl nur.

Obwohl der regelmäßige Leser dieses Blogs weiß, was dabei heraus kommen kann wenn ich mich in Backangelegenheiten einmische, sollte wieder einmal Arbeitsteilung herrschen. Meine Wenigkeit übernahm den Rezeptteil der Orangen-Creme, die Göttergattin das Gebäck selbst.

Das wird nie was!

Doch zunächst überprüften wir die Angaben in dem Buch und stellten jeder für sich und seinen Part fest: Das wird nie was.

Superwoman (so einen Titel muss man sich auch als Frau erst verdienen!) war felsenfest davon überzeugt, dass der Kuchen, würde man ihn so zusammenmischen und backen wie in der Rezeptur angegeben, mehr einem Keks als einem Kuchen ähneln würde.

Mir selbst waren dagegen die Angaben zur Creme sehr suspekt, denn ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass diese Creme jemals ihren Namen verdienen, und so fest werden würde, dass man sie wirklich als Creme bezeichnen könnte. Es ist nicht mein absolutes Spezialgebiet, aber im Dessertbereich kenne ich mich schon ein bisschen aus und habe so meine Erfahrungen.

Nachfolgend gibt es also zwei komplette Rezepturen. Zuerst kommt das Originalrezept, wie es in dem Buch steht und garantiert nichts wird, dann die von uns verbesserte Version.

Das Murks-Rezept aus dem ansonsten schönen Buch zur Sonnenscheintorte 

Die Backzeit für den Kuchen ist im Vorspann übrigens mit 30 Minuten angegeben, die Angaben im Text weichen davon ab! Der folgende Text ist eingescannt, es gibt also keine Übertragungsfehler.

Für den Boden: * 200g Mehl, * 50g gemahlene Mandeln, * 50g Zucker, * 100 g leicht gesalzene Butter, * Sahne
Für den Belag: * 2 unbehahndelte Orangen, * 150 g Zucker, * 100g Butter, * 3 frische Eier,* 1 EL Maisstärke

Hier stimmt gar nichts

Den Ofen auf 180° C vorheizen. Das Mehl, die gemahlenen Mandeln, den Zucker und die Butter vermengen. Den Teig auf der Arbefisfläche mit der Hand verkneten und etwas Sahne einarbeiten, bis er geschmeidig ist. In Frischhaltefolie wickeln und 1 Stunde kalt stellen.

Den Teig ausrollen, in eine gefettete Springform einpassen und 15 Minuten (steht so in dem Buch) im Ofen backen. Die Schale einer Orange in feinen Streifen (Zesten) abschälen, den Saft beider Früchte auspressen. Saft und den Großteil der Zesten mit dem Zucker und der Butter verrühren und bei schwacher Hitze 5 Minuten erwärmen. Die Eier mit der Stärke verquirlen und abseits des Herdes unter die Orangenbutter rühren. Gründlich verschlagen. Den Tortenboden aus der Form lösen, mit der Creme bestreichen und mit Zesten bestreuen.

Backen Sie lieber dieses Rezept

Die Zutaten für den Rührteig: 300 g Butter (zimmerwarm), * 300 g Zucker, * 5 Eier, * 2 Orangen (unbehandelt), * 300 g Mehl, * 1 Backpulver, * Fett für die Form

Die Zutaten für die Creme: * 2 Orangen (unbehandelt), * weitere Orangen um 500 ml frisch gepressten Orangensaft zu bekommen, * 200 ml Sahne, * ½ Vanilleschote, * 50 g Zucker, * 1 Päckchen Vanillepudding, * 3 Blatt Gelatine

Die Zubereitung des Kuchens:

Für den Rührteig zunächst die Schalen der ersten beiden unbehandelten Orangen fein abreiben. Die weiche Butter und den Zucker mit den Quirlen des Handrührers oder der Küchenmaschine 10 Minuten(!) cremig aufschlagen, dann die Orangenschalen und die Eier nach und nach zugeben und ebenfalls sorgfältig unterrühren. Von einer halben(!) der abgeriebenen Orangen den Saft auspressen und ebenfalls in den Teig rühren. Zuletzt Mehl und Backpulver einarbeiten.
Die lange Rührzeit ist entscheidend für die Konsitenz des fertigen Gebäcks!

Backofen vorheizen. Die gewählte Kuchenform leicht einfetten, den Teig in die Form geben. Im vorgeheizten Backofen auf der zweiten Einschubleiste von unten bei 170 Grad für 60-70 Minuten backen (Gas 1-2, Umluft 160 Grad); den Kuchen eventuell in den letzten 20 Minuten mit Alufolie abdecken, damit er nicht zu dunkel wird.

Nach dem abkühlen mit einem scharfen Messer vom Rand der Form lösen und auf ein Gitter stürzen.

Zubereitung der Orangencreme:

Zunächst die Schale von 2 Orangen fein abreiben. So viele Orangen auspressen, bis man 500 ml Saft hat. Die Gelatine in etwas kaltem Wasser einweichen. Den Vanillepudding nun nach Packungsanweisung kochen, allerdings nicht mit Milch, sondern mit dem Orangensaft und dem Abrieb der Orangen. Kühl stellen.

Das Mark der Vanilleschote auskratzen. In weiteren 3-4 EL Orangensaft, die man leicht erwärmt, die Gelatine auflösen und mit der Vanille in die inzwischen steif geschlagene Sahne einarbeiten. Pudding und Sahne vermischen und die Gelatine etwas anziehen lassen.

Den Kuchen quer halbieren, einen Teil der Creme dünn zwischen die beiden Hälften füllen, den Rest auf der Oberseite verstreichen. Alternativ kann man auch eine Mulde in den Kuchen schneiden und die Creme dort einfüllen (siehe Fotos).

Noch mehr oben drauf

Wer glaubt, immer noch nicht genug Sonne abbekommen zu haben, kann glasierte Orangenscheiben auf dem Kuchen drapieren. Dazu benötigt man allerdings eine weiter Orange (ebenfalls unbehandelt) etwas Zucker und 50 ml Wasser. Zucker und Wasser zunächst ein bisschen einkochen lassen, dann die in dünne Scheiben geschnittene Orange in dem Sirup bei milder Hitze für 3-4 Minuten köcheln lassen. Die Scheibchen nach dem auskühlen halbieren und auf dem Kuchen anordnen.


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7 Antworten : “Orangenkuchen (Sonnenscheintorte)”

  1. Barbara sagt:

    Habe gestern noch etwas vergessen. Die tarte à l’orange wird in einer Quicheform blind gebacken und dann kommt die crème, die an Lemon curd erinnert. Der Teig ist recht krümmelig und ist einem Mürbteig sehr ähnlich.
    Dein Kuchen ist bestimmt auch sehr,sehr lecker und ich finde es schön wenn die Inspiration zu neuen Kreationen führt. Da ich Zitrusfrüchte in allen Variationen liebe wird der Sonnenkuchen sehr bald ausprobiert!

  2. Barbara sagt:

    Da ist wohl ein Übersetzungsfehler im Buch passiert. Nach dem murksigen Rezept zu urteilen handelt es sich um eine „Tarte à l’orange“. Eine tarte hat soviel mit einer Torte zu tun wie ein Schnitzel mit einem Braten. Beim Teigrezept fehlen 2 Eigelbe und die Backzeit beträgt 20-25 min. im Original. Die Zutaten für die Zitronencrème stimmen fast ( 2 ganze Eier und ein Eigelb) nur die Zubereitung ist etwas anders. Normalerweise macht man diese tarte mit Zitronen – mein Lieblingskuchen!

  3. Torwen sagt:

    Hmmm… ich denke mal der Boden sollte wahrscheinlich einem armerikanischem Cheesecake nachempfunden sein; anders kann ich mir das nicht vorstellen. Und die Creme … na ja eure ist sicherlich die bessere Variante *hehe*

    Euer Ergebnis sieht auf jeden Fall total lecker aus 🙂

    • Hallo Torwen,
      Amerikanischer Cheescake? Nein. Damit hat das gar nichts zu tun.
      Davon gibt es demnächst einen an dieser Stelle.
      Das ist ein wunderbarer Rührkuchenteig.
      Solltest Du ausprobieren 😉

      Leckere Grüße,
      Peter

  4. Martina sagt:

    Na …orangiger gehts ja fast nicht mehr,
    Rezept ist schon gespeichert und wird sicher auch gebacken bevor die Saison zu Ende ist.
    LG
    Martina

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