BurgGenuss bei Kerzenschein, dazu Rockmusik und Landlust?

Musik liegt in der Luft

Nachdem nun scheinbar alles zum #SchlossGenuss gesagt ist und die Blogparade stramm auf ihr Ende zuschreitet, fiel mir noch ein alter Spruch ein, der früher gerne mehr oder weniger schwungvoll auf die letzte Seite von Poesiealben gekritzelt wurde.

Für meinen Zweck klingt er in die Neuzeit transportiert nicht ganz so rund:
Ich hab’ mich hinten angewurzelt, damit niemand aus der Blogparade purzelt.

Zwar wird auch in diesem Beitrag kein Schloss- oder Burgrundgang beschrieben, aber wenn Sie Lehrer sind und die Regeln der Beteiligung an der Blogparade #SchlossGenuss sehr, sehr ernst nehmen, dürfen Sie unter meinen Beitrag gerne “Thema verfehlt” schreiben. Jedoch nur auf Ihr eigenes Display!

Trotzdem: mir fallen zum Thema SchlossGenuss einfach ganz andere Dinge ein, als den anderen Beteiligten. Zum Beispiel konzertantes!

Die Gelegenheit, eigene Erinnerungen einer breiteren Öffentlichkeit mitzuteilen, ergreife ich deshalb gerne beim Schopf und wenn er es zulässt, entführe ich den Leser zunächst ins Jahr 1972.

Auch wenn sich detaillierte Infos lange Zeit hartnäckig in meinem Gehirn und dann ebenso beharrlich im Archiv der Nürnberger Nachrichten versteckt hielten – langwierige Recherchen förderten sie schließlich doch ans Licht.

Wer den Gedanken hegt, hier ginge es um Meilensteine der Rockmusik – und dafür ist 1972 immerhin prädestiniert – ist allerdings auf dem Holzweg.

Obwohl Neil Young im Jahr 1972 sein Album “Harvest” mit dem Superhit “Heart of Gold”, Deep Purple mit “Smoke on the Water” auf dem Album “Machine Head” einen der größten Hits der Rockmusik-Geschichte veröffentlichte und David Bowie sein wegweisendes Konzeptalbum “The Rise an Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars” vorlegte, spielte das Konzert, von dem die Rede sein soll, das Beaux Art Trio.

1972 - Machine Head mit dem Klassiker Smoke on the Water1972 - Harvest mit dem Superhit Heart of Gold1972 erschien auch das Konzeptalbum Ziggy Stardust

Das Beaux Art Trio bei Kerzenschein im Rittersaal der Nürnberger Kaiserburg

Das Beaux Art Trio hat unzählige Aufnahmen gemacht
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Jenes trat am 28. Mai 1972 bei Kerzenschein im Rittersaal der Nürnberger Kaiserburg auf. Ein echter #SchlossGenuss, auch wenn mir als 14-Jährigem damals ein Besuch bei einem Konzert der genannten Rockhelden wesentlich attraktiver schien.

Aber immerhin fand eine Horizonterweiterung statt, die Erinnerung ist – auch Dank meiner großen Schwester – geblieben.

Wem das Beaux Art Trio nichts sagt: es war eines der bedeutensten Klaviertrios weltweit, gegründet 1955 und erst 2008 auseinander gegangen. Da war Menahem Pressler bereits 87!

Auch wenn die Besetzung ab und an wechselte, mit dem Meister des Klaviers Menahem (Geburtsname Max) Pressler (*1923) und Bernard Greenhouse (Violoncello) spielten im Rittersaal zwei Gründungsmitglieder zusammen mit Isidore Cohen (Violine).

Konzert bei Kerzenschein

Endlich aufgefunden: die richtige Kritik zum richtigen Konzert

Kulturkritiker Fritz Schleicher von den Nürnberger Nachrichten schrieb damals:

Die drei Amerikaner sind alles andere als trockene Ton-Produzenten oder kalte Perfektionisten, sondern temperamentvolle, beinahe komödiantische Musiker, die hingebend in Wohlklang schwelgen und eine Skala seelisch angereicherter Gemütswerte ausschöpfen, ohne das Gefühl aus der Kontrolle zu verlieren. Die Meisterschaft des Beaux Arts Trios ist ihr geistig souveränes Spiel der sublimierten Emotionen.
….
Das G-Dur-Trio 496 (Anm. von Mozart) war gänzlich unkonventionell musiziert; mit einem quicklebendigen Allegro und einem sprudelnden Allegretto eine einzige heitere Huldigung an den jugendlichen Genius.

Bei Robert Schumann war die Schönheit in Moll getaucht. Starke Kontraste bestimmten das romantische Bild: dramatische Dämonie und verträumte Feierlichkeit.

Die Kunst des Sublimierens konnte das Trio bei Beethoven noch eindrucksvoller demonstrieren als in Schumanns d-Moll-Trio, op. 63. Beethovens “Erzherzog-Trio”, B-Dur, op. 97 darf als Summe klassischer Kammermusik gelten.

Im Kraftfeld zwischen absoluter Vergeistigung und aufgewühlter Leidenschaft wurden die Spannungen wirksam, von instrumentaler Virtuosität zum brillanten Kammermusik-Fest gesteigert.

 
In der Zugabe bekannte sich das Elite-Trio noch einmal zur Voll-Romantik. Ein Satz aus Dvoraks Dumky-Trio löste Beifallsstürme aus, wie sie auch auf der Kaiserburg nicht alltäglich sind.

So – Weißte Bescheid, Schätzelein! – Dem ist nichts hinzuzufügen. Mein Thema musikalischer #SchlossGenuss bzw. #BurgGenuss im Rittersaal ist damit abgeschlossen.

Aber: SchlossGenuss ist heute allgegenwärtig

Ergänzen möchte ich meine Ausführungen mit einer ganz anderen Sichtweise auf das Thema SchlossGenuss, mit dem sich bisher noch niemand befasst hat. SchlossGenuss ist für den modernen Menschen nämlich fast allgegenwärtig.

Kunst im Schlossgarten von Schloss Weißenstein

So lässt sich zum Beispiel bei Interesse jeder royalen Hochzeit via TV beiwohnen. Eine intensive Nachbereitung ist durch den Erweb einschlägiger Zeitschriften und Magazine möglich. Die schönsten und tränenreichsten Momente lassen sich Dank YouTube als Endlosschleife stundenlang betrachten.

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Um der Freude an royalen Themen den Adels- und Monarchiefans gerecht zu werden, produziert die Unterhaltungs­industrie sogar durchaus sehenswertes.

Man denke nur an die inzwischen leider abgeschlossene englische Erfolgs-TV-Serie Downton Abbey. Wie sind uns die Crawleys doch ans Herz gewachsen.

Und wie ist es erst mit The Crown. Die britische Fernsehserie der Online-Streaming-Plattform Netflix gibt uns alles was wir wollen. Ein bisschen Seifenoper, ein bisschen Politdrama.

Unsere Alltagssorgen spielen vor dem heimischen Gerät keine Rolle mehr, der Gärtner wird den Schlosspark auch ohne uns immer in Schuss halten.

Gleich sieben Königreiche, Politik und Machtkämpfe, Kriege und Religionen, Kämpfe um Thron und Erbe aber auch ein bisschen höfisches Leben – Autor George R. R. Martin hat mit Game of Thrones einen Monolith in die Bücherregale und der Sender HBO in die Fernsehwelt gesetzt.

Dieser kleine mediale Auszug genügt. Wir wissen: die Realität sieht anders aus.

Blaues Blut garantiert nicht automatisch Reichtum

Verkauf bei der Grünen Lust

Hielten sich Schlossherren früher Nichtadlige möglichst vom ihrem – selbstverständlich mit blauem Blut durchflossenen Leib – gibt es heute kaum mehr Burgen oder Schlösser die absolut Privat sind. Sehr viele können wenigstens zeitweise besucht oder besichtigt werden können.

Der findige Schlossherr der Neuzeit muss das alte Gemäuer, das er geerbt hat, irgendwie erhalten und pflegen. So kann man ganze Schlösser und Burgen für die eigene Hochzeit mieten, auch Seminare und Konzerte in Schlössern, Parkanlagen und Burgen sind längst Selbstverständlichkeiten.

Im Frühling sprießen nicht nur die Krokusse aus dem Schlosspark-Rasen, auch Ausstellungen für Kunsthandwerk, Pflanzen, Grillangelegenheiten und jede Menge Firlefanz wandern wie ein großer Zirkus durch deutsche Schlossgärten.

Das niedere Volk trampelt los, wenn Plakate im Umland zur “Grünen Lust”, “Gartenlust” oder zu den “Landträumen” einladen. Der frisch erworbene Tand ziert anschließend unsere Gärten.

Tausende goutieren alljährlich diese Art von SchlossGenuss. Sie stellen sich geduldig in die Reihen an der Getränkeausgabe, beim Flammkuchen oder um nur ein Stück Erdbeerkuchen zu ergattern. Tollkühne wagen sich zum ersten Mal in ihrem Leben an Hummus. Anschließend stärkt man sich Ellbogen an Ellbogen auf harten Bierbänken und freut sich mit mir schon auf das nächste Jahr! Das ist der wahre #SchlossGenuss!

SchlossGenuss - Kunst im Schlossgarten von Schloss Weißenstein
Kunst im Schlossgarten von Schloss Weißenstein (Pommersfelden)

SchlossGenuss - Verkaufspavillons im Schlossgarten von Schloss Weißenstein

Mein erster Beitrag zur Blogparade befasst sich mit den Themen:
Kaiserburg, Eppelein, Burgenwinkel und my Home is my Castle

Am Ende des Beitrags gibt es dort auch die Auflistung aller anderen Beiträge.

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11 thoughts on “BurgGenuss bei Kerzenschein, dazu Rockmusik und Landlust?”

  • Lieber Peter,

    merci beaucoup für diesen famosen Beitrag zu #SchlossGenuss – du bist tatsächlich der Einzige, der Musik- mit SchlossGenuss zusammenbrachte – grandios!

    Zudem gefallen mir deine Formulierungen sehr gut, sie regen mich oft zum Schmunzeln an. Ich sage nur: “selbstverständlich mit blauem Blut durchflossenen Leib”.

    Während ich mich jetzt ans Fazit der Blogparade setzen werde – ich denke, ich werde sie geographisch ordnen – steht die nächste Blogparade schon in den Startlöchern. “Europa und das Meer – was bedeutet mir das Meer | #DHMMeer vom Deutschen Historischen Museum Berlin in den Startlöchern. Sie übernehmen den Stafflstab am 20.6. bis 25.7.18 – wenn du magst, schicke ich dir dazu das Konzept zu.

    Einstweilen, sonnige Grüße
    Tanja

    P.S.: Ich bin spätestens zur denkst Ende September in Nürnberg und vielleicht sehen wir uns dort!

  • Lieber Peter,

    merci für diesen etwas anderen SchlossGenuss – und tatsächlich bist du der Einzige, der diesen mit Musikgenuss zusammenbringt – ein dickes Merci dafür! Herrlich finde ich deinen Schreibduktus – ich sage nur: “selbstverständlich mit blauem Blut durchflossenen Leib” – wie klasse!

    Vielen herzlichen Dank, dass du noch einen Beitrag zur Blogparade geschrieben hast, eine absolute Bereicherung. Ich werde mich jetzt an das Fazit geben, während die nächste Blogparade #DHMMeer – Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer? ” schon in den Starlöchern steht und am 20.6. den Staffelstab der Kultur-Blogparaden übernimmt. Falls du magst, schicke ich dir gerne schon einmal das Kurzkonzept dazu zu – wir haben uns einige inhaltliche Anknüpfungspunkte überlegt.

    Jetzt erst einmal sonnige Grüße aus München!

  • Es ist immer wieder interessant und faszinierend, wie viele Themen in einen einzigen Kochtopf passen, wie sehr sie sich unterscheiden und am Ende doch ein tolles Gericht ergeben. Herzlichen Dank, Peter G. Spandl, für diesen zweiten #SchlossGenuss, der wieder ein echter Genuss ist.

    Herzliche Grüße von
    Andrea Hahn & und dem “Zu-Tisch”-Team

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